Erneut Panne bei der Bahn

IC blieb in Guntershausen liegen

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Einfahrt nach Guntershausen: Das Foto mit einem Inter-City entstand ebenfalls am Sonntag. Dieser Zug rollte allerdings planmäßig in Richtung Frankfurt weiter. Etwa zwei Stunden später blieb ein Inter-City Richtung Erfurt in Guntershausen liegen.

Baunatal. Ein Inter-City der Deutschen Bahn ist am Sonntag im Bahnhof Guntershausen liegen geblieben. Als Grund nennt ein Sprecher der Bahn in Frankfurt eine so genannte Flachstelle auf einem Rad der Lok.

Diese „außergewöhnliche Abnutzung“ trete immer wieder auf, wenn die Gleise beim Bremsen ein bisschen feucht seien. Ein Sicherheitsrisiko habe nicht bestanden.

Tochter und Schwiegersohn von Hartwig Schleuß aus dem westfälischen Ennepetal waren mit ihren beiden Kindern beispielsweise in dem Zug. „Die waren alle schrecklich aufgeregt“, berichtet der 73-Jährige von dem Vorfall im Bahnhof Guntershausen. Schließlich sei die Familie seiner Tochter am Sonntag unter Zeitdruck auf dem Weg zum Flughafen Erfurt gewesen. Von dort aus sollte es in den Türkei-Urlaub gehen.

Schleuß ärgert nicht in erster Linie, dass der Zug mit einem technischen Defekt liegen blieb. Vielmehr bemängelt er, dass die Bahn die Fahrgäste so ahnungslos gelassen habe. „Außer einer Lautsprecheraufforderung zum Aussteigen erhielten die Reisenden keinerlei Hinweise, wie oder wann man weiterkommen könnte“, berichtet der Vater weiter.

Im Regen hätten die Reisenden aus dem Inter-City auf dem nichtüberdachten Bahnsteig gestanden. Von dort aus seien viele dann in eine Regiotram eingestiegen, um zurück nach Kassel zu kommen. Seine Familie habe ihm von einer völlig überfüllten Bahn berichtet. Überall sei gedrängelt und geschubst worden, sagt Schleuß nach den Schilderungen seiner Tochter, die ebenfalls den Nahverkehrszug nutzte.

Am Bahnhof Wilhelmshöhe stiegen die Ennepetaler in den nächsten Inter-City Richtung Erfurt ein. Dieser habe dann außerplanmäßig am Bahnhof Guntershausen gehalten, berichtet Schleuß. Hätte es einen Durchsage gegeben, dass der nächste Zug in Guntershausen hält, hätten die Fahrgäste ja gleich dort bleiben können, lautet sein Vorwurf.

Dass der folgende IC außerplanmäßig in dem Baunataler Ort hielt, bestätigt auch der Bahnsprecher in Frankfurt. Allerdings habe der Halt nur dazu gedient, das an dem defekten Zug verbliebene Bahnpersonal aufzunehmen. Dieses habe man schließlich in der weiteren Tagesplanung benötigt.

Einen früheren Hinweis auf diesen Stopp schließt der Sprecher hingegen aus. Zum Zeitpunkt des Aussteigens der Fahrgäste habe noch gar nicht festgestanden, ob der defekte IC nicht doch hätte ein Stück weiterfahren können. So sei das Zurückfahren der Reisenden zum nächsten Knotenpunkt das Richtige gewesen.

Der Sprecher räumt allerdings ein, dass bei dem außerplanmäßigen Halt des folgenden IC noch Fahrgäste hätten aufgenommen werden können. „Es waren aber keine mehr da.“

Hintergrund: Zugunglück vor 40 Jahren - 13 Menschen starben

Feuchte Gleise waren vermutlich mitverantwortlich für das schwere Zugunglück, das sich vor ziemlich genau 40 Jahren – am 5. November 1973 – im Bahnhof Guntershausen ereignete. 13 Menschen starben, als der DC 973 „Ederland“ trotz einer Zwangsbremsung in den im Bahnhof stehenden Interzonenzug D 453 rutschte. Der letzte Waggon wurde völlig zusammengequetscht. Über 60 Reisende wurden verletzt. Die Experten vermuten frisches Laub, Nässe und Schmutz, die für einen gefährlichen Schmierfilm auf den Gleisen sorgten. Seither wird die Strecke regelmäßig von Laub-Loks gereinigt. Mit hohem Druck werden die Gleise freigespritzt. Auch ein Tempolimit gilt.

Von Sven Kühling

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