Kasseler Betreiber einer Videothek soll an Fuldataler Opfer 3000 Euro zur Wiedergutmachung zahlen

Erpressung: Prozess wurde eingestellt

Kassel. „Der Angeklagte muss an Sie 3000 Euro zahlen“, erklärte Richter Reichhardt jetzt einem Mann aus Fuldatal, der zuvor im Landgerichtsflur nervös auf- und abgelaufen war: „Wenn er zahlt, wird das Verfahren eingestellt.“ Als zentraler Zeuge hatte der Fuldataler aussagen sollen. Doch das war jetzt nicht mehr nötig.

Der Angeklagte ist ein 38-jähriger Mann aus Kassel. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, als Betreiber einer Videothek Geld von dem Fuldataler erpresst zu haben, der sein Kunde war. Er habe diesem weisgemacht, Beweise für von ihm gefertigte DVD-Raubkopien zu besitzen. Die Polizei sei schon an der Sache dran. Er könne die Beweise aber verschwinden lassen, wenn der Fuldataler zahle. Der Zeuge habe nach und nach knapp 49 000 Euro übergeben.

In der Beweisaufnahme vor dem Amtsgericht allerdings war diese stattliche Summe zu einem kleinen Häuflein Konfusion zusammengeschnurrt. Über 40 Geldabhebungen hatte die Staatsanwaltschaft mit der Erpressung in Verbindung gebracht – doch der Fuldataler konnte am Ende bei keiner davon so recht sagen, ob er das Geld nicht vielleicht doch für sich selbst verwendet hatte. Im März war der Kasseler freigesprochen worden.

Ein konkreter finanzieller Schaden habe nicht festgestellt werden können, schrieb die Richterin seinerzeit ins Urteil, das jetzt in Auszügen verlesen wurde. Der Fuldataler habe einfach das Pech, dass er den Überblick über seine Finanzen völlig verloren habe, heiß es. Allerdings sei das Gericht überzeugt, dass ihm der Angeklagte mindestens einmal gedroht habe. Die Staatsanwaltschaft ging in Berufung.

Der angeklagte Kasseler hatte in erster Instanz alle Vorwürfe bestritten. Auch gestern gab er nichts davon zu. Er willigte aber schließlich in den vom Gericht ins Spiel gebrachten Vorschlag ein, eine Wiedergutmachungszahlung zu leisten, damit das Verfahren eingestellt werde.

Die monatlichen Raten von 500 Euro seien für den Kasseler nicht leicht zu stemmen, betonte dessen Verteidiger. Zahlt der Kasseler nicht, startet die Berufungsverhandlung neu.

Von Katja Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.