Fritz-Erler-Anlage in Fuldatal

Erstaufnahmeeinrichtung in Rothwesten: Vorbereitungen laufen

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Notfallsituation: Die Mannschaftsunterkünfte auf dem Gelände der Fritz-Erler-Anlage stehen seit 2008 leer. Nach aktuellen Angaben sollen hier 900 Menschen untergebracht werden.

Fuldatal. Auf dem Gelände der Fritz-Erler-Anlage in Rothwesten werden derzeit mehrere Häuser untersucht, um festzustellen, welche Gebäude sich am besten für die Unterbringung von Flüchtlingen eignen.

Das Land Hessen befindet sich in einer Notfallsituation: Täglich reisen Flüchtlinge ein, für die dringend eine Unterkunft gebraucht wird. In Zelten können die Menschen im Winter nicht untergebracht werden, und die Zeit drängt. Das zeigt sich auch an der jüngsten Entscheidung des Landes, leer stehende Mannschaftsunterkünfte auf dem Gelände der Fritz-Erler-Anlage zu nutzen.

Die ehemalige Wache der Kaserne der Fritz-Erler-Anlage soll als Verwaltungsgebäude genutzt werden. Das gesamte Gelände soll mit einem Zaun umfriedet und von Sicherheitsleuten bewacht werden.

„Was das Land hier macht, ist Katastrophenschutz“, kommentiert Fuldatals Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU) die Situation. Der Bereich, in dem eine neue Erstaufnahmeeinrichtung entstehen soll, sei baurechtlich ein Sondergebiet des Bundes, und als solches nicht erschlossen. Das Kanalnetz sei zwar noch vorhanden, aber eine Trinkwasserversorgung gebe es nicht. Auch das frühere Blockheizkraftwerk, dass die Gebäude seinerzeit mit Wärme versorgt hat, existiere nicht mehr. Zudem hätten Diebe Guss und Kupfer aus den Gebäuden gestohlen - die Stromversorgung müsse folglich auch erst wieder in Stand gesetzt werden. Eine Kosten-Nutzen-Analyse habe bislang gegen Rothwesten gesprochen, nun befinde sich das Land aber in einer Notsituation und müsse Unterkünfte auch mit einfachsten Mitteln schaffen.

Welche Pläne das Land Hessen auf dem ehemaligen Kasernengelände verfolgt, hatte der Verwaltungschef nach eigenen Angaben erst am späten Dienstagnachmittag in der vergangenen Woche erfahren: „Die Ereignisse haben uns etwas überholt“, sagt Schreiber. Die Gemeinde betreibt in Zusammenarbeit mit dem Landkreis ebenfalls eine Unterkunft auf dem Gelände. Dort sollen in dieser Woche die ersten Menschen einziehen. Deshalb hatte die Gemeinde laut Schreiber für Dienstag, 22. September, 19 Uhr, eine Bürgerversammlung in der Sporthalle in Rothwesten anberaumt - zu dem Zeitpunkt war noch nicht bekannt, dass auch eine Einrichtung des Landes auf der Fritz-Erler-Anlage entstehen soll. Im Gegensatz zur Einrichtung des Landes ist das Gebäude des Kreises an der Sonnenalle gut ausgestattet und dient Asylbewerbern als langfristige Bleibe mit vielen sozialen Angeboten. Die Erstaufnahme oder Zwischenunterkunft des Landes dient indes lediglich der kurzzeitigen Unterbringung, bis die Menschen registriert und untersucht wurden, um sie anschließend auf die Landkreise und Kommunen zu verteilen.

Obwohl die Erstaufnahme von Flüchtlingen eine Landesaufgabe ist, hatte Schreiber nach eigenen Angaben mehrfach in den vergangenen Wochen beim Ministerium darauf hingewiesen, dass die Gemeinde als erstes darüber informiert werden müsse, wenn eine Unterkunft in Rothwesten geplant ist. Die Gemeinde sei immerhin der direkte Ansprechpartner für die Bürger. Der Verwaltungschef vermutet, dass sogar deutlich mehr als 900 Menschen in den kommenden Monaten auf dem ehemaligen Kasernengelände untergebracht werden könnten.

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