Turnen ist passé: TSV Hertingshausen startete nach dem Krieg mit Handball durch

Erste Trikots selbst genäht

Erste Handballmannschaft von 1947: Hermann Rudolph† (erste Reihe von links.), Torwart Martin Lange†, Richard Kundt†, Zweite Reihe (von links): Georg Scheffel, Justus Schmidt†, Heinrich Grebe, Zuschauer Adolf Künzel†; dritte Reihe (von links): Fritz Minkler, Willi Schwedes, Heinrich Neuroth, Erich Minkler†, Karl Krug†, Spielleiter August Hartung†. Repro: Dilling

Baunatal. Manchmal entscheidet der Zufall, welchen sportlichen Weg ein Verein einschlägt. Nach dem Krieg habe man kein Geld für Fußballschuhe gehabt, erzählt Heinrich Neuroth, langjähriger früherer Vorsitzender des TSV Hertingshausen. Deshalb entschieden sich die jungen Männer des Vereins für Handball. Diesen Sport habe man auf einer Wiese in Turnschuhen spielen können. Die ersten Trikots hätten sich die Spieler aus grobem Leinen selbst genäht. Neuroth gehörte 1947 zu den Handballern der ersten Stunde im TSV. Turnen war dann bald passé.

Das ist lange her. Aus dem einstigen Turnverein, der mit Unterstützung von Turnern aus Großenritte 1922 von 25 Mitgliedern gegründet wurde, ist in 90 Jahren ein großer Mehrspartenverein mit rund 1000 Mitgliedern geworden. Mehr als jeder zweite Hertingshäuser hat einen Vereinsausweis. „Nach dem Krieg ist uns die Integration der Flüchtlinge und später der Zugezogenen gut gelungen. Da sind wir stolz drauf“, sagt Neuroth.

Der Erfolg hat nicht nur mit dem Handball zu tun, den die Hertingshäuser seit Jahren in der Spielgemeinschaft HSG Baunatal betreiben. 1972 gründete der Verein eine Tennisabteilung, die auch nach dem längst abgefllauten Boris-Becker- und Steffie-Graf-Boom noch 190 Mitglieder (davon ein Viertel Jugendliche) hat. Rainer Vaasen, früherer langjähriger Leiter der Tennissparte, half damals beim Bau der ersten beiden Sandplätze und einem Holzhaus mit, das zunächst als provisorisches Clubhaus fungierte. 1981 baute die Stadt dem Verein zwei weitere Plätze. Ein richtiges Clubhaus kam 1994 hinzu. Auch bei dessen Bau packten die Mitglieder kräftig mit an.

Den tatkräftigen Einsatz hatten zuvor die Handballer vorgemacht. In den 1950er-Jahren bauten sie auf dem Gelände des heutigen Verkehrsübungsplatzes ihren ersten Sportplatz selbst. Auch der -jetzt gerade frisch sanierte - Sportplatz am Werraweg und das mittlerweile umgebaute Clubhaus entstanden mit viel Eigenleistung der Mitglieder.

Doch erst der Bau der Sporthalle 1988 bot dem TSV die Chance, sein Angebot in Leistunggs-, Breiten- und Frezeitsport aufzufächern. Neben Handball und Tennis konnten sich beispielsweise Gymnastik, Tischtennis, Wandern und Volleyball etablieren.

Auch der einst verschmähte Fußball ist längst im Verein heimisch geworden und glänzt mit mehr als einem Dutzend Jugendmannschaften und zwei Spitzenteams in der Kreisliga und der Kreisoberliga. Die Abteilung hat der jetzige TSV-Vorsitzende Manfred Werner vor mehr als 30 Jahren aufgebaut.

Von Peter Dilling

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