50-jähriger aus Kassel bestreitet Vorwürfe

Eschenstruth: Dieb brach Autos auf und steht nun vor Gericht

+
Dreiste Masche: Während Trauergäste und Bestatterin auf dem Friedhof von Eschenstruth waren, soll der 50-Jährige aus Kassel deren Autos aufgebrochen haben. Die Szene wurde für den Fotografen nachgestellt.

Helsa/Kassel. Mister Marple hatte sich mächtig ins Zeug gelegt. Ein 70-jähriger Rentner hatte der Polizei seine verdächtigen Beobachtungen mitgeteilt, nachdem während einer Beerdigung in Helsa-Eschenstruth zwei Autos auf dem Friedhofsparkplatz aufgebrochen worden waren.

Und er hatte mögliche Täter kurz danach gleich mehrfach in Kassel gesehen, verfolgt und den Beamten gemeldet. Der Einsatz des Rentners führte die Ermittler über Umwege auf die Spur eines arbeitslosen Kraftfahrers aus Kassel.

Seit Dienstag muss sich der mehrfach vorbestrafte 50-Jährige vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten. Diebstahl und Computerbetrug legt ihm die Anklage zur Last: Zusammen mit einem unbekannten Mittäter soll er im Februar 2012 zum Waldfriedhof in Eschenstruth gefahren sein, um leichte Beute zu machen.

Aus dem Golf eines Trauergastes und dem BMW der Bestattungsunternehmerin verschwanden an jenem helllichten Mittag Handtaschen mit insgesamt rund 140 Euro Bargeld. Und mit EC-Karten. Deren eine kurz danach benutzt wurde, um 1280 Euro abzuheben. Der Angeklagte allerdings will mit alledem nichts zu tun haben. „Die Tatvorwürfe treffen nicht zu“, verkündet der 50-Jährige kurz und knapp. „Ich war das nicht – und fertig.“ Mister Marple hingegen ist sich, zumindest zunächst, felsenfest sicher:

Der Angeklagte habe in dem Mercedes gesessen, der ihm auf dem Friedhofsparkplatz sofort verdächtig vorgekommen war. Und er sei dabei gewesen, als der Rentner zwei Tage später in der Kasseler Fußgängerzone die Täter wiederzuerkennen glaubte. Und er sei auch mit jenem Mann identisch, der wiederum einen Tag später an der Markthalle in Kassel in den Tat-Mercedes stieg – beobachtet von dem 70-Jährigen, der sich das Autokennzeichen vom Friedhof gemerkt hatte. Zumindest ungefähr. „Ich hatte dreimal dasselbe Bild vor Augen“, sagt der Rentner.

Täterbeschreibung passt nicht

Doch das kann nicht sein: Zumindest in der Fußgängerzone waren es vollkommen andere Männer. Und auch die Täterbeschreibung, die der 70-Jährige am Tattag abgegeben hatte, will zum Angeklagten nicht recht passen. Bleiben die Bilder der Überwachungskamera vom Geldabheben. Zu sehen ist eine teilweise vermummte Gestalt, in Schwarz-Weiß und verwaschen.

Der Angeklagte? „Ich kann nicht sagen, dass es über eine Ähnlichkeit hinaus eine Identitätswahrscheinlichkeit gibt“, erklärt eine vom Gericht beauftragte anthropologische Sachverständige. Einfacher gesagt: Kann sein, kann aber auch nicht sein.

Der Halter des fraglichen Mercedes indes soll den Angeklagten, mit dem er gut bekannt ist, auf diesen Bildern erkannt haben. Ob er das auch vor Gericht noch tun mag, ist jedoch fraglich. Seinen Zeugenauftritt schwänzte der Mann jedenfalls erst einmal.

Der Prozess wird am 8. April fortgesetzt.

Von Joachim F. Tornau 

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.