Franz Laaber löste ein Versprechen ein

Buch über Espenauer Heimatvertriebene

Halfen in der Landwirtschaft: Einige Frauen der Vertriebenen arbeiteten auf dem Feld von Karl-Wilfried Engelbrecht (links), Zweite von rechts Aloisia Laaber, rechts Adelheid Lehnert geb. Adam. Repros: Sommerlade

Espenau. Es fing alles mit einem Versprechen an. Der Zusage Franz Laabers an seinen Vater, die Geschichte der Vertreibung im Jahr 1946 aus seinem Heimatort Großtajax im heutigen Tschechien einmal aufzuschreiben.

Weil für den mittlerweile 70-Jährigen aus Espenau Flucht, Vertreibung und Integration seit jeher zentrale Themen in seinem Leben sind, entstand vor einiger Zeit das gleichnamige Buch.

„Flucht und Vertreibung sind wesentliche Bestandteile der menschlichen Geschichte. Sie finden seit der Urzeit in verschiedenen Formen und Ausmaßen statt. Heimatvertriebene sind ein stets aktuelles Thema, auch vor dem Hintergrund, dass demnächst 50 Flüchtlinge in Espenau untergebracht werden“, sagt der historisch interessierte Verfasser des 250 Seiten umfassenden Werks.

Zweieinhalb Jahre lang hat Laaber dafür etliche Arbeitsstunden aufgebracht, Dokumente gesammelt, gesichtet und Interviews mit Zeitzeugen geführt. „Das war ein sehr prägendes Erlebnis und nicht immer ganz leicht“, erinnert sich Laaber an seine zahlreichen Besuche bei den 50 Familien in und um Espenau. Dabei seien teilweise sehr berührende Schicksale zutage gekommen. „Der Verlust von Hab und Gut, Krankheit, Gewalt und Tod - das alles ist nur schwer zu ertragen und nur schwer aus der Erinnerung zu verdrängen“, so Franz Laaber. Aber auch einige unterhaltsame Anekdoten sind im Buch des Espenauers verzeichnet.

Er selbst war zum Zeitpunkt der Vertreibung seiner neunköpfigen Familie aus Großtajax gerade zwei Jahre alt. Aus Erzählungen weiß er, dass sie seinerzeit wie viele andere per Eisenbahnwaggon nach Deutschland gebracht wurden. „Das Schicksal der Familien hing davon ab, in welchem Ort der jeweilige Waggon abgehängt wurde“, so der Autor. Die Laabers landeten mit 750 Vertriebenen in Hohenkirchen. „Hier fanden wir eine neue Heimat, vergessen haben wir die alte aber nie“, fasst Laaber die Überzeugung zusammen, die allen Zeitzeugen gemein ist.

Davon erzählen auch die verschiedenen Berichte der Zeitzeugen, die sich trotz widriger Umstände gern an ihre frühere Wirkungsstätte erinnern. Verbunden mit den geschichtlichen Zusammenhängen bis hin zur Eingliederung in die neue Heimat ergibt sich durch das Buch ein Abbild der Vertriebenenschicksale.

Aus allen Gebieten des deutschen Ostens kamen die Vertriebenen in die Espenauer Ortsteile. 750 Flüchtlinge musste die Gemeinde aufnehmen. 1950 war jeder dritte Einwohner ein Vertriebener. „Das war eine ungeheure Aufgabe für den Landkreis Hofgeismar mit dem damaligen Landrat Dr. Artur Steinbrenner und die Gemeinde Hohenkirchen“, sagt Laaber.

Das Unterfangen Integration sei geglückt. „Viele Menschen sind in Espenau glücklich geworden“, sagt Laaber und schließt sich dabei selbst mit ein. Dankbar seien ihm auch viele gewesen, dass er dieses Buch veröffentlicht hat. „Es ist ein schönes Gefühl, anderen eine Freude gemacht und gleichzeitig ein wichtiges Versprechen eingelöst zu haben“, sagt er.

Von Martina Sommerlade

Hintergrund

Flüchtlinge aus vielen Regionen

Die 750 Flüchtlinge, die 1946 nach Hohenkirchen kamen, stammten aus Ostpreußen, Pommern, Warthegau, Wolhynien, Schlesien, aus allen Teilen des Sudetenlands, der Slowakei, aus Ungarn und den Balkanländern. Die Straßennamen auf dem Titelbild stehen für die verschiedenen Herkunftsgebiete. Das Buch ist in der Reihe Ortsgeschichte Espenau des gleichnamigen Arbeitskreises erschienen. (zms)

Kontakt: Das Buch von Franz Laaber mit dem Titel „Flucht, Vertreibung und Integration - Geschichte der Espenauer Heimatvertriebenen“ kostet 26 Euro und ist bei Franz Laaber, Telefon 0 56 73/9 25 06, erhältlich.

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