Staatsanwaltschaft hat Ermittlungsverfahren eingestellt

Erschossener Bulle von Espenau: Polizisten handelten korrekt

Minutenlanger Todeskampf: Im Dezember 2015 feuerten Polizisten mehr als 20-mal aus ihren Dienstwaffen auf ein ausgebüxtes Rind bei Espenau-Hohenkirchen. Foto: Archiv

Espenau. Die Polizisten, die im Dezember auf der B83 bei Espenau-Hohenkirchen einen ausgebüxten Bullen mit ihren Dienstwaffen erschossen haben, handelten korrekt.

Zu diesem Schluss kommt die Staatsanwaltschaft Kassel. Das Verfahren gegen die Beamten sei bereits Ende September eingestellt worden, wie Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf HNA-Anfrage mitteilt.

In dem Verfahren wurde monatelang geprüft, ob die Polizisten gegen das Tierschutzgesetz verstoßen hatten. Eine entsprechende Strafanzeige hatte die Tierschutzorganisation Peta erstattet.

20 Schüsse an Bundesstraße

Ende des vergangenen Jahres waren zwei Bullen aus einem Betrieb in Fuldatal ausgerissen. Sie durchbrachen die Stacheldraht- und Elektrozäune und liefen Richtung Espenau. Ein etwa 900 Kilogramm schweres Tier verirrte sich auf die B 83, nahe der Bahnstrecke. Um einen Zusammenstoß mit einem Auto oder einem Zug zu verhindern, entschied sich die Polizei, das Tier zu erschießen. Die Polizisten feuerten mehr als 20 Mal aus ihren Dienstwaffen – Pistole und Maschinenpistole (Kaliber: neun Millimeter) – ehe das Rind an einer Leitplanke zu Boden sackte.

Das zweite Rind konnte noch vor der B 83 an der Freizeitanlage Espenau durch den Besitzer und einen Metzger erlegt werden. Das Vorgehen sei mit dem zuständigen Jagdausübungsberechtigten, der wie auch ein Tierarzt nicht mehr rechtzeitig an der Einsatzstelle eingetroffen wäre, besprochen worden, sagte Polizeisprecher Torsten Werner damals.

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt und wurde kontrovers diskutiert. Insbesondere die Polizeiarbeit wurde kritisiert, nachdem zwei Youtube-Videos aufgetaucht waren, die den minutenlangen Todeskampf des Rinds auf der Bundesstraße dokumentierten.

Sicherheit gefährdet

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kassel haben nun ergeben, dass das Handeln der Polizeibeamten gerechtfertigt war, „da es dazu diente, die bestehende Gefährdung für die Sicherheit des Straßenverkehrs, insbesondere der Verkehrsteilnehmer, abzuwenden“, teilte Sprecher Wied mit.

Auch wenn der Bulle auf einem Videomitschnitt nicht aggressiv wirke, habe eine Gefahr bestanden. „Denn in einer vorangegangenen Situation waren die Bullen ebenfalls augenscheinlich friedlich, brachen dann aber unvermittelt aus“, so Wied.

Zwar dürften dem Bullen durch die Schüsse, die nicht direkt zum Tod führten, wiederholt Schmerzen zugefügt worden sein. Allerdings hätten sich die Beamten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht strafbar gemacht, weil die Schüsse „zur Abwendung einer Gefahr diente und den Beamten in der konkreten Situation zeitnah kein anderes Mittel als ihre zugelassenen Dienstwaffen zur Beseitigung der Gefahr zur Verfügung stand“.

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