Espenau will die Bio-Urne: Gemeinde plant Änderung der Friedhofssatzung

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Grabstätten im Wald: Laut Satzung dürften hier eigentlich keine Blumen hingelegt werden.

Espenau. In den Satzungen von Friedwäldern gibt es Vorgaben, welche Vorschriften bei einer naturnahen Bestattung gelten. Der Wald darf zum Beispiel in seinem Erscheinungsbild nicht gestört und verändert werden.

In der Satzung der Waldruhe Schäferberg steht: „Es ist daher untersagt, die Grabstätten zu bearbeiten, zu schmücken oder in sonstiger Form zu verändern.“ Jetzt soll diese Satzung ergänzt werden.

Konkret geht es um die Frage, aus welchem Material die Urne sein darf, die bei einer Bestattung in der Waldruhe Schäferberg genutzt wird. Bisher gibt es dazu, im Gegensatz zu den drei anderen Friedwäldern im Altkreis, keine konkrete Vorgabe.

Seit 2005 ist eine naturnahe Bestattung in der Waldruhe Schäferberg möglich. Im vergangenen Jahr wurde die Waldruhe erweitert. Bei den Liegezeiten gibt es drei Varianten. Das kürzeste Nutzungsrecht für eine Grabstätte an einem Gemeinschaftsbaum, an dem bis zu acht Urnen Platz finden, beträgt laut Satzung 30 Jahre. „In diesem Zusammenhang stellte sich für uns die Frage, wie es um die Verrottung der Urnen steht und welche Urnen bei uns zum Einsatz kommen“, sagt Espenaus Bürgermeister Carsten Strzoda.

Bisher ist es so, dass die Urne, in die die Asche eingefüllt wird, aus Maisstärke besteht. „Je nach Feuchtigkeit des Bodens zersetzt sich diese nach drei bis sechs Wochen“, erklärt Hans-Peter Giebing, der sich in Honorartätigkeit für die Gemeinde vor Ort um die Bestattungen und die Bäume kümmert. Allerdings würden immer wieder auch Überurnen aus nicht abbaubarem Material verwendet. Diese Marmor- oder Steinurnen können aber nicht verrotten.

Um sicherzustellen, dass die Urnen verrottet sind, wenn die Grabstelle nach 30 Jahren neu vergeben wird, soll nun in der Satzung festgeschrieben werden, dass ausschließlich biologisch abbaubare Urnen in der Waldruhe Schäferberg begraben werden dürfen. „Das ist zwingend erforderlich“, sagt Bürgermeister Carsten Strzoda. „Wir sind damit auch keine Exoten. Woanders ist das gelebte Praxis“, sagt Strzoda. Es sei das zu Ende denken des Gedankens der naturnahen Bestattung und „es geht natürlich auch darum, den Wald zu erhalten.“ Denn Metallurnen können zum Beispiel Bäume schädigen.

Mittlerweile hat auch schon die Friedhofskommission zu dem Thema getagt und eine Empfehlung abgegeben, die in der kommenden Gemeindevertretersitzung am Montag, 13. November, beraten werden soll.

Anders als bei der Waldruhe Schäferberg in Espenau gibt es für die Fried- und Ruhewälder im Altkreis Kassel eine klare Regelung bei der Urnenbeisetzung. Beim Friedwald Reinhardswald, dem Ruheforst Stiftswald und dem Ruh-Wald Burg Sichelstein ist in den Satzungen festgehalten, dass ausschließlich biologisch abbaubare Urnen verwendet werden dürfen. Eine kleine Namenstafel am Baum macht auf die Grabstätte aufmerksam. Zudem sind diese mit Nummern und farbigen Bändern gekennzeichnet. Grabpflege gibt es in den Fried- und Ruhewäldern nicht. Grabschmuck ist ebenso wenig erlaubt, wie Gestecke, Kerzen und Grabsteine. 

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