Ornamente sind zurzeit voll im Trend

Farbe, die unter die Haut geht: Ein Blick ins Tattoostudio

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Freut sich auf ihr neues Tattoo: Tanja Krück (links) lässt sich von Sandra Krause eine Mandala-Blume stechen.

Espenau. Ein bisschen nervös ist sie schon. Tanja Krück hat leichte Gänsehaut, als sie sich auf den großen Ledersessel setzt. Dabei weiß sie genau, was jetzt kommt.

Sie kennt den Schmerz, wenn die feine Nadel ihre Haut punktiert und mit jedem Stich das Bild zeichnet, dass sie ab jetzt auf ihrem Lebensweg begleiten wird. Angst hat sie keine, ganz im Gegenteil, sie freut sich auf ihr neues Tattoo.

„Man muss schon ein bisschen sadistisch veranlagt sein, um das zu wollen“, sagt die 38-Jährige aus Kassel und lacht. Allerdings vergesse man die Schmerzen in dem Moment, wo alles vorbei sei. Das Wichtigste sei das Vertrauen zum Tätowierer.

Vertrauen ist wichtig

Seit vier Jahren lässt sich Tanja Krück ihre Tattoos von Sandra Krause aus Espenau stechen. Die beiden Frauen sind mittlerweile befreundet. Vertrauen sei eine der Grundvoraussetzungen beim Tätowieren, sagt auch Krause. Denn schließlich bleibt ein Tattoo für immer unter der Haut. Sandra Krause ist sich ihrer Verantwortung bewusst. „Wenn wir ein Motiv aussuchen und die Augen beim Kunden nicht funkeln, dann machen wir es nicht.“

Beruf ist ein Privileg

Die 38-Jährige empfindet ihren Beruf als Privileg. „Wenn dir ein Mensch so viel Vertrauen entgegenbringt und dann zufrieden den Laden verlässt – besser geht es nicht.“ Seit 2010 arbeitet die gelernte Nageldesignerin als Tätowiererin. Zuerst hatte sie ein mobiles Studio, seit 2013 arbeitet sie von ihrem eigenen kleinen Studio „Blood Type Ink“ im Keller ihres Hauses in Espenau aus.

Sie empfindet es als Vorteil, kein Ladengeschäft mit Laufkundschaft zu haben. „Die Kunden schätzen, dass es kein öffentliches Studio ist“, sagt Krause. Sie macht Termine nach Vereinbarung, nie mehr als zwei am Tag. So könne sie sich voll und ganz auf ihre Kunden konzentrieren.

Eine Sitzung dauert meist zwei Stunden. Manche Kunden würden zwei Stunden lang reden, andere zwei Stunden kein Wort sagen. Manche brauchen Musik oder einen Film zur Ablenkung. „Einer meiner Kunden schläft regelmäßig beim Tätowieren ein.“ So vielfältig die Motive, die sie sich stechen lassen, so unterschiedlich auch die Vorlieben und auch das Schmerzempfinden der Kunden.

Vor allem Frauen kommen in Sandra Krauses Studio. „Vielleicht, weil ich mehr filigrane Motive steche“, sagt die 38-Jährige, die sich selbst als Tattoo-Künstlerin beschreiben würde, denn ihre Arbeit hat viel mit Kunstfertigkeit zu tun.

Sie sticht zum Beispiel gerne Mandalas oder Trash-Polka, eine wilde Kombination aus roten und schwarzen Punkten, Strichen und Ornamenten. Beides liegt zurzeit voll im Trend. Das sogenannte Arschgeweih, das in den 1990-er Jahren so beliebt war, will heute keiner mehr haben.

Massen-Tattoo für Freunde

Das außergewöhnlichste Tattoo, das Sandra Krause bisher gestochen hat, war ein Massen-Tattoo. „Da habe ich acht Mal das gleiche Motiv an einem Tag gestochen.“

Als Dankeschön für die Hilfe ihrer Freunde, die bei der Renovierung des Hauses geholfen hatten, stach sie allen eine kleine Figur an den Knöchel: Bob den Baumeister. „Das war ein schöner Tag, und alle haben mitgemacht“, sagt Krause.

Ihre Freundin Tanja Krück hat auch eine Figur am Knöchel. Für sie gehören Tattoos seit ihrem 18. Lebensjahr einfach dazu. Nach dem ersten Tattoo entscheide sich sehr schnell, ob man weitermache oder nicht. „Entweder man liebt es oder man macht es nie wieder.“

Sandra Krause stimmt ihr zu. Es bleibe selten bei einem einzigen Tattoo. „Sobald die Farbe ins Fleisch übergeht, gehört es zu einem“, sagt die Tätowiererin, die selber seit dem 18. Lebensjahr Tattoos am Körper trägt. Meist selbst gestochen. „Ohne meine Tattoos würde ich mich nackt fühlen.“

Blood Type Ink, Bergstraße 11 in Espenau. Terminvereinbarung unter Tel.: 0 15 20/4 92 25 21.

Der Beruf

Der Beruf des Tätowierers ist in Deutschland kein anerkannter Ausbildungsberuf, das heißt im Prinzip kann jeder ein Tattoo-Studio eröffnen. Daher sollte der Tätowierer zumindest eine Hygieneschulung beim Gesundheitsamt absolvieren. In der Regel erlernen Tätowierer die nötigen Fertigkeiten bei erfahrenen Kollegen oder bringen es sich selber bei. Viele Tätowierer kommen aus dem künstlerischen Bereich. 

Die Kasseler Tättowiererin Ronja Block (Berufsname Mini B.) hat uns einige Blicke auf ihre Tattoos gewährt. Wir erklären 15 ihrer Tattoos und deren Bedeutung.

Gefahren beim Tätowieren

Beim Tätowieren werden dauerhaft Tinte und Farbpigmente unter die Haut gestochen. Umso wichtiger ist Hygiene. Einige der möglichen gesundheitlichen Risken:

 • Ausschläge, Schwellungen, Entzündungen, Rötungen und/oder Juckreiz • Chronische Infektionen wie HIV oder Hepatitis C • Allergien (besonders bei intensiver Sonneneinstrahlung) • Knötchen unter der Haut, in denen Farbinhaltsstoffe eingeschlossen und vom Körper verkapselt wurden.

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