Initiative der Gemeindevertreter

Hitler, Göring, Hindenburg: Espenauer Ehrenbürgerschaft soll aufgehoben werden

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Sinnbild: Zwar ist die Ehrenbürgerschaft Hitlers mit dem Tod offiziell erloschen, aber die Gemeindevertretung Espenau will sie trotzdem per Beschluss löschen. Das will unsere Montage symbolisieren. Montage: HNA

Espenau. Helsa brachte den Stein ins Rollen: Nachdem die frühere Nazi-Hochburg die Ernennung von Reichskanzler Adolf Hitler zum Ehrenbürger im April diesen Jahres posthum per Beschluss zurückgenommen hatte, wurde man auch in Espenau hellhörig.

 Die Mitglieder des Arbeitskreises Ortsgeschichte - zehn gehören zum harten Kern - begannen im vergangenen Jahr, die Akten zu durchforsten.

Und sie wurden fündig: Hitler wurde 1934 in Hohenkirchen und Mönchehof die Ehrenbürgerschaft angetragen. Das war auch in einer Mönchehofer Festschrift aus dem Jahr 1938 nachzulesen. „Etwas versteckt“, so Ehrhardt Bunzenthal vom Arbeitskreis, entdeckte man sogar noch das Anerkennungsschreiben des „Führers“, der sich für die Geste bedankte. „Die Verleihung der Ehrenbürgerrechte erfüllt mich mit aufrichtiger Freude“, schrieb Hitler aus der Reichskanzlei in seiner Antwort vom 3. Dezember 1934 und sprach dem Gemeinderat seinen „ergebensten Dank“ aus.

Mehr noch: Der Arbeitskreis fand auch Belege dafür, dass Reichsmarschall und Chef der Luftwaffe, Hermann Göring, und der frühere Reichspräsident Paul von Hindenburg ebenfalls noch Ehrenbürger des Ortes Mönchehof sind.

Damit soll jetzt Schluss sein. In ihrer Sitzung am Montag, 5. Mai, ab 19 Uhr im Gemeindezentrum Wickehof wollen die Gemeindevertreter reinen Tisch machen und sich unter Tagesordnungspunkt fünf von den nationalsozialistischen Verbrechern Hitler und Göring distanzieren und die Ehrenmitgliedschaft löschen, bestätigte Bürgermeister Michael Wielert (SPD) - auch wenn die Ehrenbürgerschaft formell mit dem Tod erloschen ist“. Straßennamen in Mönchehof und Hohenkirchen, die an die Nazis erinnert haben, seien schon kurz nach dem Krieg abgeändert worden, sagt Bunzenthal. 

Von Stefan Wewetzer

Hintergrund: Hitler in 4000 Städten und Gemeinden Ehrenbürger

Die Diskussion über die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für Adolf Hitler in Helsa rückte eine Zahl in den Blickpunkt: Rund 4000 Städte und Gemeinden in Deutschland haben den NS-Diktator zum Ehrenbürger ernannt. Auch Kassel hat Hitler 1933 die Ehrenrechte verliehen. Obwohl die Ehrenbürgerschaft formal mit dem Tod endet, haben die meisten Kommunen die Ehrung nach dem Krieg zurückgenommen. In Kassel wurden Hitlers Ehrenrechte 1946 gelöscht. Die Anfrage, ob auch das Stadtparlament diese Position bezogen hat, konnte die Verwaltung nicht beantworten. Einige Kommunen in der Region haben sich allerdings erst spät mit dem Thema beschäftigt - wie jetzt auch Espenau. So hat Hann. Münden die Ehrenbürgerschaft erst 2008 aberkannt. (hog)

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