Eine Betroffene berichtet

Hundeköder in Espenau: Bei Rattengift zählt jede Minute

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Erinnerung an Elli: Vanessa Wagner trauert immer noch um ihren Chihuahua Elli. Die Hündin ist an den Folgen von Rattengift gestorben.

Espenau. In Espenau werden immer wieder Köder mit Rattengift ausgelegt. Vanessa Wagners Hund starb im vergangenen Jahr an einer Vergiftung. 

Wenn sie von Elli erzählt, kommen Vanessa Wagner sofort die Tränen. Im September 2017 starb ihre vierjährige Chihuahua-Hündin an einer Rattenvergiftung. Als Vanessa Wagner nun in der HNA von den ausgelegten Hundeködern auf dem Feldweg „Im Breiten Busch“ las, kam die Panik wieder. „Ich kämpfe immer noch mit dem Verlust“, sagt die 21-Jährige, und wischt sich die Tränen aus den Augen.

Sie erinnert sich noch genau an den 28. September 2017. Gegen 21.30 Uhr war sie noch einmal mit ihren beiden Chihuahuas Elli und Marley in den Vorgarten ihres Mietshauses in der Nähe des Mönchehofer Bahnhofs gegangen. Eine Stunde später verhielt sich Elli plötzlich seltsam. „Sie war krank und hatte Epilepsie. Ich dachte, sie hätte wieder einen Anfall“, erinnert sich Wagner. Elli war ganz steif, hatte einen harten Bauch und fing schrecklich an zu sabbern. Kurze Zeit später bekam sie schlimmen Durchfall.

„Ich bin sofort zur Tierklinik in Kaufungen gefahren.“ Doch als sie dort ankam, war Elli schon extrem schwach, ihr Zahnfleisch war komplett weiß. Die ganze Nacht über versuchten die Ärzte, Elli zu stabilisieren. Um sechs Uhr morgens war der Kampf vorbei und Elli nicht mehr am Leben. „Mein Hund muss so gelitten haben.“

Ein Blutschnelltest ergab, dass Elli Rattengift gefressen hatte. Vanessa Wagner vermutet, dass jemand ganz gezielt versucht hat, ihre Hunde zu vergiften. „Wir sind nur drei Häuser in dieser Straße.“ Auch ihre Vermieterin hat einen Hund. Die jetzt in Mönchehof ausgelegten Köder – 18 mit Schrauben gespickte Fleischbällchen – bestärken ihre Vermutung, dass die Person, die damals ihren Hund vergiftet hat, immer noch Jagd auf Vierbeiner macht.

Vanessa Wagner sorgt sich um ihre Hunde, geht seit Elli vergiftet wurde, mit ihren beiden anderen Hunden Marley und Bruno nicht mehr ins Feld. „Ich nehme meinen Hunden jeglichen Freiraum, weil ich Angst habe.“ Für sie sind ihre Hunde vollwertige Familienmitglieder. Aber was, fragt sich Wagner besorgt, passiert, wenn ein Kleinkind aus Versehen einen dieser kleinen, blauen Rattengiftköder in den Mund nimmt? „Dann ist das ein Menschenleben.“

In ihrem Viertel leben viele Kinder, die natürlich auch draußen spielen. Nicht weit von ihrem Haus und der Bahnstrecke entfernt stehen eine Rutsche und andere Spielgeräte am Feldrand. Hier gehen Hundebesitzer spazieren und gerade mal einen Kilometer entfernt von hier wurden vergangene Woche die mit Nägeln gespickten Hundeköder gefunden.

Vanessa Wagner will in Zukunft, wie viele andere Hundebesitzer aus dem Ort, mit ihren Chihuahuas nur noch mit Maulkorb spazieren gehen. Und sie will andere Hundebesitzer davor bewahren, ihren Liebling durch eine Vergiftung zu verlieren. „Wenn ich damals die Symptome hätte deuten können, wenn ich es besser gewusst hätte, dann hätte ich schneller reagieren können und Elli würde vielleicht noch leben.“ Denn bei einer Vergiftung zählt jede Minute.

Hintergrund: Die Symptome für eine Vergiftung 

Eine Vergiftung von Hunden mit Rattengift hat ihre Tücken. Denn Rattengift wirkt nicht sofort, sondern je nach Gift und aufgenommener Menge können die Vergiftungserscheinungen in drei bis 36 Stunden auftreten. 

Zu den häufigsten Anzeichen für eine Vergiftung gehören: Unruhe, Erbrechen, Durchfall, Blut im Stuhlgang. Die Zunge kann sich blaufärben, unregelmäßiger Herzschlag, das Zahnfleisch ist blass, das Zahnfleisch kann wegen Einblutungen auch dunkelrot sein, Atembeschwerden, Blutungen aus der Nase, Blut im Urin, Krämpfe und Muskelzittern. Die Körpertemperatur sinkt herab. Die Tiere leiden unter Teilnahmslosigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit. Je früher man zum Tierarzt kommt, desto höher die Überlebenschancen.

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