Alte Luftbilder geben Hinweise

Immenhausen: Blindgängersuche vor Straßenneubau

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Kampfmittelsuche: Nach dem Abfräsen der Asphaltschicht untersucht Feuerwerker Winfried Timm (Berlin) mit einem Metalldetektor, ob sich die ursprünglichen Messungen bestätigen. Auch der Schotter muss beiseite geräumt werden, weil kleinste Metallbestandteile darin das Messgerät beeinflussen. Im Hintergrund beraten Projektingenieur Andreas Hupfeld, Ulrich Finke von der Baufirma Rohde und der Leiter des Baudezernats bei Hessen Mobil, Volker Löwer, den weiteren Fortgang der Baustelle bei Immenhausen. 

Immenhausen/Espenau. Die Landesstraße zwischen Immenhausen und Espenau wird erneuert. Dort suchen nun Experten nach Bomben im Boden.

Vor über 70 Jahren wurde Kassel im Zweiten Weltkrieg oft von Bombern überflogen, die ihre tödliche Fracht über der Stadt und dem Umland abluden. Am Boden dagegen hatten die Verteidiger Flugabwehrkanonen (Flak) aufgebaut, mit denen sie - wie bei Hohenkirchen - die Flugzeuge beschossen. Immer wieder verfehlte Munition ihr Ziel oder explodierte nicht, verschwand im Boden, wo sie heute noch liegt. Solchen Altlasten ist man jetzt auch zwischen Immenhausen und Hohenkirchen auf der Spur.

Vor dem Start zur Erneuerung des Unterbaus und der Fahrbahn der 2,6 Kilometer langen Straße fragte das Straßen- und Verkehrsmanagement Hessen Mobil routinemäßig beim Kampfmittelräumdienst in Darmstadt nach. Dies bestätigte nach Auswertung alter Luftbilder, die erst vor wenigen Jahren von den Alliierten freigegeben wurden, dass man von Kampfmitteln im Boden ausgehen müsse, schildert Baudezernatsleiter Volker Löwer.

Schon im Frühsommer wurde die Straße mit Messgeräten abgefahren und die Auswertung der Daten wies 310 Verdachtspunkte nach, Auffälligkeiten von der Größe eines Gewehrgeschosses aufwärts.

Ob es sich wirklich um Munition oder Teile davon handelt, lässt sich aber erst nach Abfräsen der Asphaltschicht und dem Aufbaggern des Schotters sagen. Denn die Steine, beispielsweise Basalt, enthalten auch ferromagnetische Spuren, die die Messgeräte irritieren.

So steht der Feuerwerker und Kampfmittelräumer Winfried Timm (59) aus Berlin schließlich auf dem freigelegten Erdboden und kann nun mit einem Magnetometer frei von äußeren Einflüssen messen und erkennen, ob sich hinter den Anomalien in den Untersuchungsdaten Waffenreste verbergen oder nicht. Am Schluss kommen Spaten und Schaufel zum Einsatz.

Die meisten Punkte sind letztlich harmlos. Bis zum Donnerstag hatten er und der Baggerfahrer 177 Verdachtspunkte untersucht und dabei neun Funde gemacht, die sich als Winkeleisen, alte Stromleitung, Ankermast oder sonstiger Metallschrott entpuppten. Munition oder Waffen waren bislang nicht dabei, doch das heißt nichts. Gesucht wird bis in die Straßengräben und Böschungen hinein, denn das tödliche Erbe kann überall liegen. „Jede Straße ist anders, das Kampfgeschehen variierte stark. Es kann noch Überraschungen geben“, meint Timm. Und geht konzentriert wieder an die Arbeit. (tty)

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