Sanierung beendet

Nach Fund Dutzender Skelette: Kirche wird wieder geöffnet

Gruseliger Fund: Rund 50 Skelette fanden sich im Sommer 2014 unter dem Betonboden im Keller der Kirche. Archivfoto: Schräer 

Espenau. Die Kirche, in der im vergangenen Jahr Dutzende Skelette entdeckt wurden, wird nun wieder geöffnet.

Vor fünf Jahren waren die Würfel für den Erhalt der ev. Kirche in Espenau-Hohenkirchen gefallen. Damals gründete sich ein Förderkreis, der zunächst nur einen Innenanstrich und einen barrierefreien Zugang geplant hatte.

Doch schon bei der ersten Besichtigung offenbarten sich schwere Schäden an Deckenbalken und am Gebäude. Von wegen Innenanstrich! Fast die ganze Kirche galt es plötzlich zu sanieren. Es folgte eine Zeit des außergewöhnlichen Engagements, die allen Beteiligten viel abverlangte.

Nun nach getaner Arbeit wird die gut 900 Jahre alte Kirche am Sonntag, 11. Oktober, wieder eingeweiht - mit einem Gemeindefest, das um 11 Uhr mit einem Gottesdienst beginnt.

100 000 Euro Eigenmittel 

„Das Ergebnis dieser jahrelangen Arbeit kann sich sehen lassen“, sagt Pfarrer Holger Hermann. 100 000 Euro an Eigenmitteln sowie zusätzlich 40 000 Euro an Arbeitsleistung wurden von der Kirchengemeinde gestemmt. Um an das Geld zu kommen, wurden allerlei Aktionen gestartet - eine Ausstellung, Konzerte, Basare, ein Massage-Tag und Baustellengottesdienste.

Denn zuletzt sollte das ganze Gotteshaus nicht nur saniert, sondern auch ein gutes Stück neu konzipiert werden. Es gelang: Die Reparatur und Dämmung des Daches, das Einziehen einer neuen Holzdecke und der Bau eines barrierefreien Zugangs zur Kirche waren dabei nur die eine Seite. Grundsätzlich galt es, der Kirche ganz neue Nutzungsmöglichkeiten abzugewinnen.

Vor allem die neue beheizbare Winterkirche im Vorderschiff erweist sich als Volltreffer. Dort können fortan wahlweise kleine Gottesdienste gefeiert, ein Café, ein Gruppen- oder Konferenzraum eingerichtet werden. In der Unterkirche befinden sich das Stuhllager, die WCs und die Teeküche. Bei größeren Gottesdiensten oder Veranstaltungen wie Konzerten kann wiederum die ganze Kirche genutzt werden. Für kleine Andachten lädt das Kreuzgewölbe der Chorkirche ein.

Die komplette Sanierung erfolgte sehr behutsam, viele bisher verborgene und vergessene Zeugnisse der Kirchengeschichte traten zutage - zum Beispiel großflächige spätmittelalterliche Malereien unter dem Putz des Chorgewölbes.

40 Skelette bei Bauarbeiten an Kirche in Espenau gefunden

Für Aufregung sorgten auch die Überreste von mindestens 50 Verstorbenen unter dem Betonfußboden des alten Kirchenkellers. Vermutlich wurden die Gebeine dort 1691 zweitbestattet, weil man Platz auf dem Friedhof rund um die Kirche für Anbauten brauchte. Einige Schädel zeigten Wunden, die von frühneuzeitlichen Schlagwaffen (Dreißigjähriger Krieg) stammen können. Inzwischen haben die Überreste der Verstorbenen einen würdigen Platz auf dem neuen Friedhof gefunden.

Beirren ließen sich die vielen Unterstützer von solchen Vorkommnissen nicht. Gab es Probleme, wurden schnell Lösungen gefunden. Überhaupt ist Pfarrer Hermann froh über so viel Tatkraft. In der Festschrift ist er voll des Lobes über seine Gemeinde.

Die Kirchengemeinde hat eine 32-seitige Festschrift mit vielen Infos rund um die Sanierung der Kirche herausgebracht.

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