Viele Grundstücke nicht mehr zu haben

Bauplätze im Neubaugebiet „Am Lindenfeld“ sind begehrt

Espenau. Im nördlichen Altkreis haben die Gemeinden kaum Bauland anzubieten. Wenn doch, sind die Grundstücke weg, bevor überhaupt dafür geworben wird. Ein Beispiel ist das Baugebiet "Am Lindenfeld" in Espenau, das jetzt erschlossen werden soll.

Es sind die Nähe zu Kassel und die gute Infrastruktur, die Bauland in Espenau so gefragt machen: Spätestens seitdem man mit der Bahn von Espenau nach Kassel fahren kann, ist die Gemeinde begehrt wie nie.

Im vergangenen Jahr wurde deshalb die Planung für ein Neubaugebiet angestoßen, in wenigen Tagen sollen dort schon die ersten Bagger rollen: Dann wird das Neubaugebiet „Am Lindenfeld“ in der Nähe des Schäferbergs für gut eine Million Euro erschlossen. „Häuser werden dann noch nicht gebaut, zuerst einmal müssen Kanäle für Abwasser und Wasser gelegt und eine Baustraße fertiggestellt werden“, erklärt Albrecht Bertelmann, in der Espenauer Verwaltung zuständig für zentrale Dienste und Finanzen. Die ersten Häuser können dann im kommenden Frühjahr gebaut werden. Die Zufahrt zum Baugebiet erfolgt über den Weimarer Weg.

Der Bedarf ist da (Stand 25. September 2014): Schon jetzt sind 16 der insgesamt 39 Grundstücke verbindlich reserviert, für acht gibt es bereits Vormerkungen, „obwohl wir das Gebiet noch gar nicht groß beworben haben“, sagt Bürgermeister Carsten Strzoda (parteilos).

Vor allem jungen Familien soll mit den Grundstücken, die zwischen 440 und 875 Quadratmetern groß sind, eine Chance gegeben werden, ein eigenes Haus zu bauen. Zwei Grundstücke zu einem machen geht nicht: „Wir müssen mit dem wenigen Bauplatz, den wir haben, sparsam umgehen“, erklärt Bertelmann. Deshalb seien die Grundstücke auch nicht größer eingeplant worden.

Das Bauland ist in drei Bereiche unterteilt worden, die sich in den Quadratmeterpreisen unterscheiden: Die Grundstücke, die an bereits bestehende Grundstücke angrenzen, werden für 95 Euro pro Quadratmeter verkauft, die mit Ausblick auf das Feld für 115 Euro. Das Bauland dazwischen kostet 105 Euro pro Quadratmeter.

Bei Interesse an einem der verbliebenen Baugrundstücke kann man sich bei Christian Steltmann unter 05673 / 9993-24 melden.

Ob diejenigen mit Blick auf das Feld diesen immer behalten werden, ist unwahrscheinlich: „Wir haben zwischen zwei Grundstücken einen Weg eingeplant, der noch auf das Feld führt - irgendwann aber mal in ein neues Baugebiet“, verrät Bertelmann. Das sei aber noch Zukunftsmusik.

Denn die Gemeinde muss sich wie andere auch an das Raumordnungsverfahren halten. Das schreibt vor, wie viel Fläche eine Gemeinde in einem bestimmten Zeitraum bebauen darf - in Espenau ist das bis 2020 noch ein Hektar. „Stellt man das ins Verhältnis zur Nachfrage, ist das zu wenig“, macht Bertelmann klar.

Bauland in Ahnatal, Fuldatal und Vellmar

Ebenso wie in der Gemeinde Espenau haben auch die Gemeinden in Ahnatal, Fuldatal und die Stadt Vellmar im nördlichen Altkreis kaum beziehungsweise gar kein Bauland mehr zu verkaufen. Begründet wird das überall mit der guten Verkehrsanbindung zur Stadt Kassel.

• Ähnliches gilt auch für die Stadt Vellmar. Es gebe zwar private Bauträger, von der Stadt gebe es nur den Bebauungsplan Parkstraße. Doch es gebe Bestrebungen, irgendwann einmal weitere Flächen auszuweisen, „aber das muss alles noch durch die Gremien“, erklärt Volker Damm, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Umwelt.

• In Ahnatal kann Günter Schmidt interessierten Bürgern kein gemeindeeigenes Bauland verkaufen - es gibt keins. Der Fachmann für Baurecht bietet Suchenden aber seine Hilfe an, wenn diese im Ort Baulücken finden. „Die sind aber im Privatbesitz, ich kann nur sagen, worauf man generell achten muss, wenn jemand bauen möchte.“ Die Nachfrage sei groß, neues Bauland werde aber erst einmal nicht ausgewiesen: „Wir wollen durch dieses Vorgehen den Ortskern stärken.“

• In Fuldatal gibt es noch Grundstücke zu kaufen, allerdings nur wenige. In Simmershausen gibt es noch ein paar, in Rothwesten und Ihringshausen noch eins, teilt die Gemeinde mit. Dort heißt es, dass man aufgrund der großen Nachfrage bemüht sei, weitere Gebiete zu erschließen, „das gehe aber nicht so schnell“. (cow)

Stichwort: Regionalplan Nordhessen

Der Regionalplan Nordhessen legt die „großräumigen Ordnungs- und Entwicklungsvorstellungen für den Regierungsbezirk Kassel“ fest. Er wird von der hessischen Landesregierung festgelegt.

Für jede Kommune wird dort unter anderem bestimmt, wie viel Fläche in einem gewissen Zeitraum als Bauland ausgewiesen werden darf.

„Das hängt zum einen von der Einwohnerzahl und der Bevölkerungsentwicklung ab, zum anderen aber auch, wie attraktiv ein Ort ist“, erklärt Susanne Linnenweber vom Regierungspräsidium Kassel. Dazu zähle etwa, wie gut eine Gemeinde an eine größere Stadt angebunden ist. Im Fachjargon ist dann die Rede von einer „Bruttowohnsiedlungsfläche“.

Von Constanze Wüstefeld

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa-tmn

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