Nach Missbrauch von Stute - Polizei: "Anzeigen ist wichtig"

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Andrea Kröger zeigt Blut an der Stalltür, das der Täter vermutlich aufgrund einer Verletzung durch den Tritt eines der Tiere verloren haben könnte.

Espenau. Für Entsetzen hat der Fall einer sexuell missbrauchten Stute in Hohenkirchen gesorgt. Der mutmaßliche Täter war laut Anwohnern bereits seit Jahren auffällig geworden. Im Dorf erzählt man sich, er habe sich auch schon an anderen Tieren vergangen.

Warum das bislang keine Konsequenzen für ihn hatte, das fragten wir Wolfgang Jungnitsch, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen.

Herr Jungnitsch, angeblich wussten viele im Dorf von den abstoßenden Vorlieben des Mannes. Wieso wurde er noch nicht dingfest gemacht?

Jungnitsch: Das ist sicherlich ein ganz abscheulicher Fall. Aber in einem Dorf wird natürlich auch viel geredet. Fakt ist aber: Es gab mal ein Verfahren, das wurde jedoch eingestellt. Der Verdächtige ist damit nicht vorbestraft.

Worin liegen die Schwierigkeiten, solche Täter zu überführen? 

Wolfgang Jungnitsch, Pressesprecher Polizeipräsidium Nordhessen

Jungnitsch: Zunächst muss Anzeige erstattet werden, sonst können wir nicht tätig werden. Wenn ein Verdacht besteht, sollte dieser konsequent bei der Polizei gemeldet werden. Ist die angezeigte Tat nachweisbar, wird der Täter verurteilt. In unserem Rechtssystem muss der Verdächtige nicht seine Unschuld beweisen, sondern ihm muss seine Schuld nachgewiesen werden.

Was raten Sie Bewohnern, die nun um das Wohl ihrer Tiere fürchten? 

Jungnitsch: Es ist vollkommen legitim, wenn sie versuchen, ihre Tiere und ihren Besitz zu sichern. Ich kann nur dazu raten, die Menschen vor Ort zu sensibilisieren.

Wie geht es im konkreten Fall jetzt weiter? 

Jungnitsch: Es wurde eine Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Hausfriedensbruch gefertigt. Die wird nach Abschluss der Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft übergeben. Ich nehme an, dass die Videoaufnahmen verwertbar sind, da sich die Kamera im Pferdestall befand, also auf privatem Grundstück und nicht im öffentlichen Bereich.

Muss der Mann im Falle einer Verurteilung mit einer Haftstrafe rechnen? 

Jungnitsch: Da der Mann nicht vorbestraft ist, wird es wohl auf eine Geldstrafe hinauslaufen. Ich möchte jedoch nicht spekulieren. Die Festlegung des Strafmaßes obliegt der Staatsanwaltschaft.

Begeben sich die Hofbesitzer nicht auf dünnes Eis, wenn sie die Videoaufnahmen an die Medien übergeben? 

Jungnitsch: Möglicherweise. Der Beschuldigte, der bis zu einer Verurteilung als unschuldig gilt, könnte sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlen und Anzeige erstatten. Das ist in diesem Fall sicher schwer zu verstehen, kann aber erfahrungsgemäß rechtlich ein schwieriges Problem werden.

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