Auf dem Weg von Schweinfurt nach Hamburg

Notlandung eines Kleinflugzeugs in Espenau - Pilot leicht verletzt

Espenau/Immenhausen. Am Donnerstagmorgen musste der Pilot eines Kleinflugzeugs aus Heusenstamm im Kreis Offenbach auf einem Feld zwischen dem Espenauer Ortsteil Hohenkirchen und Immenhausen notlanden.

Dabei wurde er leicht verletzt und in eine Klinik gebracht.

Der Pilot war gegen 9.40 Uhr auf dem Weg von Schweinfurt nach Hamburg, als er notlanden musste. Den Polizeibeamten aus Hofgeismar, die auch vor Ort waren, sagte er, dass es bei seiner Cessna über Nordhessen zu einem Ausfall des Triebwerks kam. Daraufhin leitete er die sogenannte Sicherheitsaußenlandung ein. 

Aktualisiert um 17.50 Uhr

Der 49-Jährige landete mitten auf einem Feld zwischen Hohenkirchen und Immenhausen, ein gutes Stück abseits der Landesstraße. Das Flugzeug des Typs P210N war auf einem Feld aufgesetzt, war über einen Schotterfeldweg auf ein zweites Feld gerutscht und dort nach etwa 80 Metern zum Stehen gekommen.

Eine Frau aus Hohenkirchen hatte die Notlandung beobachtet und daraufhin sofort den Notruf gewählt. Trotz Bruchlandung auf einem Acker: Über Feldwege war die Stelle für Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen gut zu erreichen. Auch die Luftsicherheit des Regierungspräsidiums (RP) Kassel war vor Ort.

Das weiß-blaue Flugzeug war bei der Notlandung beschädigt worden: Die Blätter des Propellers waren abgebrochen, der rechte Flügel war teils eingeknickt, auch Rumpf und Außentank wurden beschädigt. Weil Betriebsstoffe ausliefen, hatten Mitglieder der Feuerwehr der Stadt Immenhausen mit Luftkissen den linken Flügel gestützt und eine Schale darunter aufgestellt. So sickerten keine Betriebsstoffe in die Erde.

Kassel Airport nur fünf Kilometer entfernt

Am Kassel Airport, der nur etwa fünf Kilometer von der Stelle entfernt liegt, machten sich kurz nach dem Vorfall einige Piolten bei der dortigen Ultraleicht-Flugschule „Light Wings“ Gedanken. „Das Wichtigste ist, dass dem Piloten nichts passiert ist“, sagen alle einhellig. „Der hat alles richtig gemacht“, ergänzt Herbert Lindenborn, der seit 25 Jahren Fluglehrer in Calden ist. Die Zahl seiner Starts und Landungen liegt im fünfstelligen Bereich.

Ein Acker sei für eine Notlandung recht gut geeignet, sagt der Fluglehrer. Normalerweise werde dazu geraten, das Fahrwerk nicht auszufahren und einfach auf dem Bauch der Maschine zu rutschen. Ob das der Pilot der Cessna auch so gemacht hat, weiß man am Caldener Flugplatz nicht. Lindenborn und seine Kollegen freuen sich, dass die Sache glimpflich abgegangen ist.

Pilot wollte zum Flughafen

Für den Fluglehrer ist jedenfalls klar, dass der Mann noch versucht haben muss, die Landebahn in Calden zu erreichen. „Er lag genau auf der Einflugschneise. Letztendlich hat er es aber nicht mehr geschafft.“

Für die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr war der Einsatz durchaus ein Besonderer. Sowas habe er noch nicht erlebt, sagte ein Feuerwehrmann aus Immenhausen an der Unfallstelle.

Ein Rettungshubschrauber, der auch zu der Stelle gerufen worden war, flog ohne Patienten wieder davon. Ein Krankenwagen brachte den leicht verletzten Mann vorsorglich in ein Kasseler Krankenhaus. Die Schadenshöhe kann noch nicht genau beziffert werden, nach ersten Schätzungen der Polizei liegt sie jedoch im höheren fünfstelligen Bereich.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig wird in dem Fall nicht ermitteln, sagte Presssprecher Germout Freitag auf HNA-Anfrage. Zur Begründung wies er darauf hin, dass es bei der Notlandung zu keinem schweren Personenschaden gekommen sei.

Kleinflugzeug musste bei Espenau notlanden

Das sagt Herbert Lindenborn (65), Fluglehrer am Kassel Airport

Herr Lindenborn, welche Szenarien werden bei der Ausbildung mit Flugschülern geübt?

Herbert Lindenborn: Eine Außenlandung ist ein fester Schulungs- und Prüfungspunkt. Der Ausfall des Motors wird beispielsweise in verschiedenen Phasen des Fluges geübt. In einer gewissen Höhe machen wir das Flugzeug dann motorlos. Grundsätzlich kann jeder Flieger fliegen wie ein Segelflugzeug. Der Pilot sucht sich im Ernstfall einen Acker oder ein Wiese aus zum Landen. Dort würde ich lieber auf dem Bauch ohne Räder landen.

Eignen sich Straßen für eine Notlandung? 

Lindenborn: Nicht unbedingt. Die meisten Straßen sind einfach zu schmal. Außerdem gibt es Gräben, Zäune und andere Hindernisse an Straßen. Auf einer Autobahn würde ich es mit einem kleinen Flieger notfalls versuchen. Das hat es auch schon gegeben. Am schlechtesten ist es, wenn ein solcher Notfall über einem Waldgebiet oder über Wasser passiert.

Muss der Pilot seine Notlandung berechnen?

Lindenborn: Nein, in einer solchen Situation kann man nicht mehr drei und drei zusammenzählen. Da guckt man wie durch eine Röhre. Man schätzt die Entfernung zu einem Landeplatz einfach ab

Rubriklistenbild: © Hedler

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