Zur Gründung gab’s Runkelkerne

Ortsbauernverband Espenau-Hohenkirchen feiert am 17. Juni sein 125-jähriges Bestehen

+
Freuen sich auf viele Besucher bei der Jubiläumsfeier: Helmut Bangert (links) und Werner Mogge, hier bei der Qualitätskontrolle auf einem Weizenfeld.

Espenau. Kaiserzeit, Weltkriege, Wirtschaftswunder, EU-Reformen: Der Ortsbauernverband Espenau-Hohenkirchen hat alles überlebt. Am Samstag, 17. Juni, feiert die Gemeinschaft ihr 125-jähriges Bestehen.

Gefeiert wird mit einem Familientag und Scheunenfest. Angefangen hat alles an einem Februarabend im Jahr 1892. Mit dem Ziel, die wirtschaftlichen Interessen zu vertreten und gemeinsam günstige Betriebsmittel zu beschaffen, gründeten 22 Bauern in der Gastwirtschaft „Zum Anker“ den „Landwirtschaftlichen Localverein Hohenkirchen“. Nach der Unterzeichnung der Statuten, reichten die Bauern beim frisch gewählten Vorstand auch gleich ihre erste Bestellung ein: 5,15 Zentner Kleesamen und 75 Pfund Runkelkerne, also Kerne für Futterrüben.

Nach dem Krieg ging’s weiter

Nachdem im Zuge des sogenannten Reichsnährstandes die Nazis 1933 alle landwirtschaftlichen Betriebe gleichgeschaltet hatten, gründete sich der Ortsbauernverband Hohenkirchen 1947 ein zweites Mal: Wieder in der Gastwirtschaft “Zum Anker“, diesmal mit 41 Landwirten.

In der Folge vollzog die Hohenkirchener Landwirtschaft „eine ungeheure Wandlung“, sagt Werner Mogge, der die Geschichte des Ortsverbandes für eine Festschrift recherchiert hat und nennt exemplarisch den Wandel vom Zugtier zum Traktor und die Umwälzungen im Anbauverhältnis der Feldfrüchte.

Historische Aufnahme: Unser Foto zeigt die Landwirte Fritz Schröder (links) und Werner Mogges Vater Karl-Wilhelm an einem Feldweg in Hohenkirchen im Jahr 1962.

Gab es in Hohenkirchen im Jahr 1948 noch 68 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Gesamtfläche von elf Hektar, waren es 1985 noch 26 Betriebe mit 27 Hektar Fläche. Heute bewirtschaften sieben Betriebe fast 44 Hektar – davon lediglich ein Landwirt im Haupterwerb.

„Hohenkirchen war mal ein richtiges Bauerndorf“, erinnert sich der heutige Vorsitzende Helmut Bangert, der selbst Ackerbauer im Nebenerwerb ist. „Heute ist es eine Wohngemeinde im Speckgürtel Kassels, in der die Landwirtschaft nur noch am Rande wahrgenommen wird“. Die ehemals vier Landmaschinen-Werkstätten, die Molkerei, das Raiffeisenlager – inzwischen alle weg. Deshalb habe der Ortsbauernverband für die aktuell noch rund 20 Mitglieder nach wie vor nicht nur eine fachliche, sondern vor allem auch eine soziale Funktion: „Wir haben sonst ja kaum noch die Möglichkeit, uns auszutauschen“, sagt Bangert.

Familientag an der Festscheune

Austauschen möchte er sich beim Jubiläumsfest aber auch mit möglichst vielen Menschen, die sonst nichts mit uns Landwirten zu tun haben. „Wir hoffen, dass ein paar hundert Leute kommen“.

Das Festprogramm anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Ortsbauernverbandes Hohenkirchen findet statt am Samstag, 17. Juni, rund um die Festscheune am Erlenweg. Los geht’s mit einem Familientag um 14 Uhr mit der Vorführung historischer Landmaschinen, der Ausstellung moderner Landmaschinen, Ponyreiten, Kaffee, Kuchen, Grillspezialitäten, regionales Bauernhofeis sowie einer Tombola. Ab 19 Uhr lädt der Ortsverband dann zum Scheunenfest mit Musik und Tanz mit der Partyband Hitbox aus Helsa-Eschenstruth ein. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.