„Man merkt erst hinterher, wie angespannt man war.“

Pilot schildert Notlandung bei Espenau: Im Sinkflug ohne Motor

Espenau/Immenhausen. „Am Ende war ich schon erleichtert“, sagt Mike Eberle. Der 49-Jährige aus Heusenstamm war am Donnerstag mit seiner Cessna P210N auf einem Acker zwischen Espenau und Immenhausen notgelandet.

Nahezu unverletzt war er nach 80 Meter Rutschpartie über das Feld aus der Tür der einmotorigen Maschine geklettert. „Ich hatte nur einen leichten Kratzer an der Hand.“ Jetzt schildert Eberle im Gespräch mit der HNA die Minuten im Flugzeug vor der Notlandung.

In einer Höhe von 18.000 Fuß (rund 5500 Meter) hatte die Maschine Motorprobleme bekommen. „Ich habe festgestellt, der Öldruck ist abgefallen“, berichtet der Pilot. „Ich habe sofort die Flugsicherung informiert.“ Aufgrund der Schwierigkeiten entschied sich der 49-Jährige, nicht weiter Richtung Hamburg zu fliegen, sondern den nahen Flughafen Kassel-Calden anzusteuern. „Den kannte ich schon von einem Besuch im Herbst.“

Bereits im Sinkflug auf Calden sei dann die Motorleistung der Cessna zurückgegangen, berichtet Eberle. „Ein paar Minuten später ist der Motor ausgefallen.“ Als der Motor komplett stand, stellte der Pilot fest, dass er den Kassel Airport nicht mehr erreichen wird. Bei etwa 400 Metern Höhe sei er durch die Wolkendecke gekommen. „Dann habe ich mir einen Acker ausgesucht.“

Unzählige Male trainiert

Mike Eberle berichtet von dem Moment im Flugzeug ohne Motor, vom Abspulen bestimmter Techniken, davon, dass er eine solche Außenlandung unzählige Male trainiert hat. Wenn es dann aber keine Übung ist, „dann ist man hellwach. Man merkt erst hinterher, wie angespannt man war.“

Irgendwann stand das Flugzeug, das wie eine große Passagiermaschine auch in großen Höhen fliegen kann und in Fachkreisen als ziemlich schnell gilt, auf dem Acker bei Hohenkirchen. Er selbst habe dann die Flugsicherung informiert, erinnert sich der Pilot.

Endstation Acker: An dieser Stelle kam die einmotorige Maschine nach 80 Metern Rutschpartie zum Stillstand.  

Mike Eberle lobt die Rettungskräfte, die trotz des geringen Schadens schon bald am Einsatzort eintrafen. „Das, was die Einsatzkräfte da gemacht haben, ist hoch professionell“, sagte er am Tag nach der Notlandung. Ebenso hebt Eberle die Hilfe aller Beteiligten bei dem Abtransport der Maschine hervor. Unterstütz worden sei er von Technikern der Firma Piper, die in Calden ansässig ist, und von weiteren Mitarbeitern des Flughafens. Selbst der Landwirt des Ackers, auf dem das Flugzeug stand, habe geholfen.

Auch Polizeisprecher Jürgen Wolf bestätigt den schnellen Abtransport der Cessna: Die Maschine sei von den Technikern auseinandergeschraubt und auf einen Lkw verladen worden, berichtet der Sprecher. „Das Leitwerk und die Flügel werden abgenommen.“

Kleinflugzeug musste bei Espenau notlanden

Den Grund für den Motorausfall stuft Mike Eberle als ungewöhnlich ein. „Das müssen jetzt Fachleute untersuchen“, sagt er etwas nachdenklich. Ein Pleuel habe den Motorblock durchschlagen, erläutert er. Das habe zum Stillstand der Kurbelwelle geführt.

Rubriklistenbild: © Renner

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