Kriminelle wollten 92-Jährigem 45.000 Euro abnehmen

Rentner wollte zu Geldautomat: Fahrer verhinderte Enkeltrick-Betrug

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Fährt seit fünf Jahren Taxi: Der Grebensteiner Kurt Attendorn. 

Espenau. Er hat einen Betrugsversuch um 45.000 Euro verhindert: Kurt Attendorn ist Taxifahrer und beförderte einen 92-jährigen Mann.

Der sollte kürzlich durch einen perfiden Enkeltrick um sein Vermögen gebracht werden.

Attendorn, der für die Firma Taxi Cöster in Grebenstein arbeitet, hatte den Auftrag bekommen, einen 92-Jährigen an einem Donnerstag kurz vor Weihnachten gegen 15 Uhr mit seinem Taxi in Espenau abzuholen. Der ältere Herr bat Attendorn, erst einmal die Sparkasse Immenhausen anzufahren. Er müsse Geld abheben für eine Weihnachtsüberraschung. Näheres dazu gab der Senior zunächst nicht preis: „Er wollte nicht so richtig mit seiner Geschichte rausrücken“, erinnert sich Attendorn.

Der Taxifahrer fuhr den Senior zu der Sparkasse in Immenhausen. Der 92-Jährige verschwand in der Filiale, kam aber nach kurzer Zeit wieder heraus. Dann bat er darum, zur Sparkassen-Filiale nach Obervellmar gefahren zu werden. Die hatte allerdings geschlossen. Attendorn kam während der Fahrt mit dem Mann ins Gespräch: „Er erzählte mir vom Krieg und davon, dass er nach der Kriegsgefangenschaft zurück nach Espenau kam.“ Eher beiläufig habe Attendorn seinen Fahrgast gefragt, für wen die Weihnachtsüberraschung sei – für die Frau? „Nein“, hatte der 92-Jährige geantwortet, „die ist vor zwei Jahren gestorben.“ Dann fragte der Taxifahrer nach der Summe. „Etwa 40.000 Euro“, habe der Senior geantwortet. Allerdings habe er noch kein Geld von der Bank bekommen. „Er stand sehr unter Druck.“

Da sei Attendorn stutzig geworden. Das Gespräch wurde persönlicher: „Aber wofür brauchen Sie denn in Ihrem Alter noch so viel Geld?“ Der ältere Herr antwortete darauf nur halbherzig: „Meine Nichte kann das Geld doch haben.“

„Die Geschichte kam mir sehr faul vor“, berichtet der Taxifahrer. Besonders merkwürdig war für ihn, dass der Mann das Taxi nicht selbst bestellt hatte. Dem 92-Jährigen sei laut Attendorn nur gesagt worden, dass er gegen 15 Uhr an seiner Haustür in Espenau abgeholt werde, um dann das Geld zu besorgen. 

Nach der erfolglosen Fahrt zu mehreren Bankfilialen hatte Attendorn den Senior wieder nach Espenau gefahren. Danach habe er seine Chefin angerufen mit der Bitte, die Polizei zu verständigen. Die Beamten haben sofort reagiert und den Betrug vereitelt, sagt Attendorn. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Senior von einer unbekannten Frau angerufen wurde, die sich als seine Nichte ausgegeben hatte. Sie bat um das Geld und setzte ihn unter Druck. Attendorn: „Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn seine Hausbank geöffnet gewesen wäre.“ Bislang wurden der oder die Täter noch nicht gefasst, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz. 

So schützen Sie sich vor Betrug

1. Seien Sie immer misstrauisch, wenn sich jemand am Telefon nicht mit Namen vorstellt.

2. Legen Sie einfach den Telefonhörer auf, sobald Ihr Gesprächspartner Geld von Ihnen fordert.

3. Vergewissern Sie sich, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist: Rufen Sie die Person unter der bisher bekannten Nummer zurück und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.

4. Geben Sie auf keinen Fall Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis.

5. Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.

6. Informieren Sie sofort die Polizei über die 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt.

7. Wenn Sie Opfer geworden sind: Wenden Sie sich sofort an die Polizei und erstatten Sie Anzeige unter der Telefonnummer: 0561/9100. 

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