Syrische Flüchtlingsfamilie hofft auf Neuanfang in Espenau

Suchen eine Wohnung: Lokman Abed, Irina Vasilievna und ihre Kinder Yousef (links), Roslan (rechts), Amrin (vorne links) und Norshin leben derzeit in der Flüchtlingsunterkunft in Hohenkirchen (im Hintergrund). Die Familie sucht nach einer Wohnung oder einem kleinen Haus, gern würden sie in Espenau bleiben, wo sie bereits Freunde gefunden haben. Foto: Schilling

Espenau. Vier Jahre lang hoffte Lokman Abed in seinem Heimatland Syrien auf ein Ende des Krieges und auf eine friedliche Zukunft für sich und seine Familie.

Immer wieder hat er die Entscheidung, sein Land zu verlassen, hinausgezögert. Doch schließlich siegte die Angst um das Leben und die Zukunft seiner vier Kinder.

Gemeinsam mit Ehefrau Irina Vasilievna entschied er sich zur Flucht. Über die Türkei und Russland ist die Familie nach Deutschland gekommen und lebt seit vier Monaten in der Flüchtlingsunterkunft im Espenauer Ortsteil Hohenkirchen.

Deutschkurs der VHS 

„Es ist mir sehr schwergefallen zu gehen“, sagt der 44-Jährige. Wäre er allein gewesen, dann hätte er sein Land nicht verlassen. „Aber ich wollte, dass meine Kinder eine Chance haben“, erklärt er mit Blick auf seine Söhne Yousef und Roslan, die für ihren Vater übersetzen - mal auf Englisch, mal auch schon auf Deutsch. Die Sprache will die Familie möglichst schnell beherrschen. Mutter Irina nimmt am Deutschunterricht in der Unterkunft teil und wird ab September einen Deutschkurs der VHS besuchen.

Schwerfallen dürfte es Abeds nicht, Deutsch zu lernen. In der sprachbegabten Familie wird Arabisch, Kurdisch und Russisch gesprochen. Lokman Abed kann zudem Armenisch und Türkisch, seine 35-jährige Frau Französisch und die Söhne haben auf der amerikanischen Schule in Aleppo Englisch gelernt.

In den vergangenen zwei Jahren konnten sie allerdings nicht zur Schule gehen. „Dort sind alle Häuser zerstört, alles ist kaputt“, erklärt Roslan. Zudem wäre der Weg zu gefährlich gewesen. „Auf den Straßen wird geschossen, und es gibt Explosionen. Tote liegen auf den Straßen oder in den Flüssen, das Wasser ist manchmal ganz rot von dem vielen Blut. Die Menschen werden krank, wenn sie von dem verseuchten Wasser trinken. Und auch die Versorgung mit Lebensmitteln ist schwierig“, berichtet Yousef von seinem Alltag im Krieg.

In Syrien betrieb die Familie eine Oliven- und Granatapfel-Plantage und produzierte Olivenöl in einer Fabrik. Lokman Abed hofft, sein Unternehmen verkaufen zu können, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen. „Ich möchte hier investieren und arbeiten und nicht vom Staat abhängig sein. Wir wollen uns hier integrieren“, erklärt er. Yousef und Roslan spielen Fußball im Verein und besuchen die Hegelsbergschule in Kassel, ihre Schwester Norshin die Grundschule Espenau. Auch Freunde haben Abeds bereits gefunden, wie die Familie Adolph aus Hohenkirchen.

Im Moment ist ihr größter Wunsch, in eine eigene Wohnung zu ziehen. „Wir würden gern in Espenau bleiben, hier gefällt es uns sehr gut“, sagt Irina Vasilievna. Doch die Suche gestaltet sich schwierig. Mit unzähligen Vermietern hat Anja Adolph bereits Kontakt aufgenommen. „Sobald sie hören, dass ich für eine Flüchtlingsfamilie suche, lehnen sie ab, ohne die Familie überhaupt kennengelernt zu haben.“ Doch Abeds geben die Hoffnung nicht auf. „Unser Leben in Syrien ist zerstört. Wir haben hier ein neues Leben, und das wollen wir jetzt beginnen“, sagt Roslan. (pmi)

Kontakt: Wer sich vorstellen kann, eine Wohnung oder ein Haus an Familie Abed zu vermieten, der kann sich per E-Mail mit Catja Houij vom Landkreis Kassel in Verbindung setzen unter catja-houij@landkreiskassel.de

Am liebsten würde die Familie in Espenau bleiben, wo sie bereits Freunde gefunden hat.

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