Gute Erfahrungen mit dem System in Eschwege und Südhessen

Mülltonnen erhalten Strichcode: In zwei Monaten geht es los

Bei der Arbeit: Ein Müllwerker entleert eine Restmülltonne. Auf zwei Seiten des Abfallbehälters wird demnächst ein Strichcode-Aufkleber angebracht sein, der bei jeder Leerung gescannt wird. Archivfoto: dpa

Kreis Kassel. In gut zwei Monaten werden in Espenau, und damit erstmals im Altkreis Kassel, Mülltonnen mit Strichcode-Etiketten versehen. Die Aufkleber werden dann bei jeder Leerung gescannt. Dadurch erhalten die Müllwerker Informationen darüber, wem die Tonne gehört und für welche Tonnengröße bezahlt wurde.

Immenhausen war im November die erste Kommune, in der das Identsystem, also die Mülltonnen mit Wiedererkennungswert, eingeführt wurde. Darauf folgte Reinhardshagen, und in dieser Woche wurden die Etiketten in Hofgeismar an die Bürger verschickt.

Der Aufkleber: Die Mülltonnen bekommen zwei solche Etiketten. Archivfoto:  Hühne

Kreissprecher Harald Kühlborn spricht von bislang positiven Erfahrungen. Die „Buschtrommel“ habe unter den Bürgern funktioniert: Die die Etiketten seien meist richtig und ohne Probleme an den Tonnen angebracht worden. Eine Bilanz lasse sich aufgrund der geringen Datenlage allerdings noch nicht ziehen. „Wir stellen aber fest, dass es eine gewisse Zahl von Tonnen gibt, die jetzt scheinbar herrenlos ist.“ Als Fehlleerung wird die Entleerung nicht angemeldeter Tonnen bezeichnet. Mit den Etiketten sollen illegale Zweittonnen bald der Vergangenheit angehören. Das neue System soll Kosten sparen. Seine Einführung kostet den Kreis zunächst aber erstmal richtig Geld. Kühlborn beziffert die Investition auf 800 000 Euro. Diese Summe soll nach vier bis fünf Jahren wieder eingespielt sein.

Andere kommunale Gebietskörperschaften haben ihr Abfallsystem schon vor längerer Zeit auf das Identsystem umgestellt. Ein Beispiel ist der Landkreis Darmstadt-Dieburg, wo das System seit 1997 etabliert ist. Hauptziel der Einführung war, die anfallende Menge des zu beseitigenden Restmülls zu verringern, erklärt Jürgen Kreis, Geschäftsführer des kommunalen Abfallzweckverbands für den Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Die Bürger sollten durch kontrollierte Leerung der Tonnen zum verstärkten Mülltrennen angehalten werden. Zwölf Leerungen der Restmülltonne sind in Südhessen in der Müllgebühr inbegriffen. Für jede weitere zahlt der Verbraucher extra.

Der Geschäftsführer spricht von einer „Umgewichtung des anfallenden Mülls“. Die Mengen an Restmüll seien stark gesunken, dafür sei die Masse an Wertstoffmüll gestiegen. Aus finanzieller Sicht habe sich die Einführung des Identsystems rentiert, da die Abfallwirtschaftskosten von 60 Millionen D-Mark (31 Millionen Euro) auf 20 Millionen Euro im Jahr gesunken sind.

Ein anderes Beispiel ist die Kreisstadt Eschwege im Werra-Meißner-Kreis, wo das Abfallsystem 2007 umgestellt wurde. Ernst Gesang, Leiter des Baubetriebshofes, bezeichnet das System als „absolut geeignet zur Gebührenüberprüfung“. Die Restmüllmenge ist nach seinen Angaben um knapp die Hälfte zurückgegangen, da die Bürger jetzt mehr Müll trennen und die Tonnen nicht mehr halb gefüllt an die Straße stellen. Seit 2007 sind die Abfallverwertungskosten der Stadt von gut 2,5 Millionen Euro auf etwa 1,4 Millionen Euro jährlich gesunken. Durch das Identsystem, und das vor allem interessiert die Bürger, sind die Müllgebühren im Kreis Darmstadt-Dieburg und in Eschwege gesunken. Auch im Kreis Kassel hofft man nun , dass die Bürger finanziell weiter entlastet werden.

Von Sina Hühne

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