Geschichtsverein Fuldatal macht mit Bilderreihe auf ehemaliges Bauwerk aufmerksam

Eulenburg im Schocketal

Eulenburg im Schocketal: Die romantische Burgruine wurde 1898 mit der Kuranstalt im Schocketal (im Hintergrund) von Sanitätsrat Dr. med. Johannes Gottlieb Schaumlöffel errichtet. Foto: Archiv GuM Fuldatal/Repro: Hobein

Fuldatal. Stand eine Burg in Simmershausen? Ja. Der Geschichts- und Museumsverein Fuldatal (GuM) hat aber herausgefunden, dass es keine echte, sondern lediglich eine nachgebaute Burgruine gab: die Eulenburg im Bereich der heutigen Reinhardswaldschule.

In einer Bilddokumentation im Schaufenster „Ein-Blick Geschichte“ des Vereins in der Kasseler Straße in Simmershausen wird die Burg dargestellt. Sie überdauerte jedoch nur eine kurze Zeit, und zwar von 1898 bis 1915.

Als der Sanitätsrat Dr. med. Johannes Gottlieb Schaumlöffel im Schocketal Ende des 19. Jahrhunderts eine Kuranstalt baute, gehörte es dazu, „der reizvollen Landschaft im Bereich der Kuranstalt mit seinen Gebäuden ein besonderes Gepräge zu geben“, weiß Willy Pötter in seinem Buch zur Geschichte der Reinhardswaldschule zu berichten. Im „Wilhelminischen Stil“ der Kaiserzeit wurde eine Burgruine gebaut.

„Solche Bauwerke wurden in romantisierender Absicht erstellt“, berichtet GuM-Vorsitzender Volker Luckhard. Diese künstliche Ruine erhielt vom Erbauer Schaumlöffel den Namen „Eulenburg“, die in der Bevölkerung des heutigen Fuldataler Ortsteiles wenig bekannt ist. Grund für den Geschichtsverein, hierauf in der Bilderreihe aufmerksam zu machen, sagt Luckhard. Mit dem Bau der Kuranstalt Schocketal begann Schaumlöffel im Jahre 1896. Nach drei Jahren wurde der Gebäudekomplex mit Kurhaus (heutiges Verwaltungsgebäude), Villa (Rosenhaus) und der Eulenburg 1899 eingeweiht. Doch der Kurbetrieb ging trotz aller Bemühungen im Laufe der Jahre stetig zurück. Schweren Herzens entschloss sich der Betreiberm, die Klinikgebäude zu verpachten.

Im Herbst 1913 kam die Berliner Pädagogin Eleonore Lemp und pachtete die vorhandenen Gebäude mit dem dazugehörenden Gelände, um dort die „Deutsche Frauenschule am Reinhardswald“ einzurichten. Die Lehrtätigkeit nahm sie im Frühjahr 1914 auf.

Das Ende der Burgruine nahte. Ab 1915 wurden die Steine der Eulenburg abgebaut. Die Steiner wurden für notwendige Erweiterungsbauten der Frauenschule, die als Reinhardswaldschule weit über die Landesgrenzen bekannt geworden ist, verwandt.

Von Klaus Hobein

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