Nigel Whittaker darf nicht an der Europawahl teilnehmen – Baunataler ist Golf-Manager

Europäer ohne Wahlrecht

Ein Europäer mit britischen Wurzeln: Nigel Whittaker. Foto: Huck

Baunatal. Die Europawahl rückt näher: Am 25. Mai bestimmen die Europäer die Zusammensetzung ihres Parlamentes neu. Wir stellen einen Briten vor, den es vor vielen Jahren hier her gezogen hat.

„Weniger Bürokratie würde Europa gut tun“, findet Nigel Whittaker. Der 57-jährge Baunataler ist Manager des Golfclubs Gut Wissmannshof in Speele. Er wurde in England geboren und lebt seit 1979 in Deutschland. Im vergangenen Jahr übernahm er die Leitung des Golfclubs und zog nach Baunatal.

„Vielfältiges Ganzes“

Auch, wenn er seine Heimat liebt, sagt Nigel Whittaker: „Ich bin in erster Linie Europäer.“ Schon bevor der gebürtige Brite endgültig nach Deutschland zog, verbrachte er einen Großteil seiner Kindheit außerhalb Englands. „Ich halte es nicht für sinnvoll verschiedene Länder miteinander zu vergleichen“, so Whittaker, der Europa als vielfältiges Ganzes betrachtet. Trotzdem kann er sagen, dass ihm die weiten Landschaften in Großbritannien und die Spontanität der Briten fehlen.

Weil der 57-Jährige einen Großteil seines Lebens in Deutschland und anderen Ländern Europas verbracht hat, fühlt Nigel Whittaker sich zu vielen Ländern und Kulturen zugehörig. Als sechsjähriger Junge kam der heutige Manager des Golfclubs mit seinen Eltern nach Deutschland.

Hier lebte er bis er 13 Jahre alt wurde, dann ging es zurück nach England. Dort stand neben der Schule immer Sport im Mittelpunkt seines Lebens, unter anderem ruderte Whittaker im Englischen Nationalkader. Mit 21 Jahren wurde das Fernweh aber groß und Nigel Whittaker startete eine Rundreise durch Europa. Letztendlich blieb er wieder in Deutschland hängen. „Meine Kindheit in Deutschland hat mich sehr geprägt, ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit dieser Zeit und fühle mich hier sehr wohl“, so der Wahl-Deutsche. Darum entschloss sich Nigel Whittaker, in Deutschland sesshaft zu werden, er wohnte erst in Hamburg, zog dann nach Baden Baden, heiratete und wurde Vater von zwei Kindern.

In die Golfbranche verschlug es den gelernten Kaufmann nur zufällig. Doch es gefiel ihm und er blieb. Speele ist die mittlerweile fünfte Station des sportbegeisterten Engländers. „Ich fühle mich wohl hier in Speele, auch wenn es eine große Umstellung vom Leben in der Großstadt war“, so Nigel Whittaker. Den Sohn des gebürtigen Engländers hat es in die Politik verschlagen, der 28-jährige ist Mitglied des Bundestages und politisch sehr engagiert. Die 25-jährige Tochter des Golfclub-Managers ist sportlich und reist als Profigolferin durch die Welt. Sie haben von ihrem Vater alles über ihre englischen Wurzeln erfahren.

Eine Sache aber stört Nigel Whittaker gewaltig: „Ich wohne seit mehr als zehn Jahren nicht mehr in England, darum darf ich nach britischem Recht dort nicht mehr wählen. Weil ich aber weiterhin einen englischen Pass habe, darf ich auch in Deutschland nicht an der Bundestagswahl teilnehmen, obwohl ich seit über 30 Jahren in Deutschland lebe und arbeite.“

Petition gestartet

Um das zu ändern, hat Whittaker eine Petition gestartet, die es ihm und anderen Menschen in seiner Situation möglich machen soll, wählen zu dürfen. „Es ist kurios, dass ich politisch nirgends ein Mitspracherecht haben soll.“ Er hofft, dass sich das bald ändern wird. (zwh/nh)

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