Ex-Juli-Chef Becker: „Zeit, Impulse zu liefern“

Ex-Juli-Chef Becker: „Zeit, Impulse zu liefern“

Kreis Kassel. Er galt in der FDP als Hoffnungsträger. 2010 durchgestartet zum Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen, war der Vellmarer Lasse Becker gern gesehener Talk-Gast.

Dann, im November vergangenen Jahres, der überraschende Rücktritt als Juli-Bundesvorsitzender. Wir sprachen mit Becker über seine Rücktrittsgründe und Zukunftspläne.

Herr Becker, hat der Abschied aus der Bundespolitik Wehmut bei Ihnen hervorgerufen, oder sind Sie froh? 

Lasse Becker: Nein, Wehmut ist bei mir nicht aufgekommen. Im Gegenteil, ich genieße die größer gewordene Freizeit und die Tatsache, meine Meinung sagen zu können, ohne im Vorfeld jedes Wort abwägen zu müssen.

Sie haben sich damals recht bedeckt gehalten, was die Gründe für Ihren Rücktritt anbelangen. 

Becker: Das stimmt. Es war eine ziemliche Gemengelage. Ich habe diesen Zeitpunkt gewählt, da ich nach meiner knappen Wiederwahl im Frühjahr 2013 als Juli-Bundesvorsitzender die Partei noch im Wahlkampf voll unterstützen wollte. Es gab allerdings auch persönliche Anfeindungen, die zum Teil weit unter die Gürtellinie gingen. Zudem konnte ich die Bigotterie (Scheinheiligkeit) vieler Politiker in Berlin quer durch alle Parteien immer schwerer ertragen. Und als ich anfing, bei mir selbst Persönlichkeitsveränderungen zu beobachten, war es genug.

Lassen wir die Vergangenheit ruhen und blicken nach vorn. Aus Berlin zurückgekehrt, hätte man vermuten dürfen, dass Lasse Becker zumindest auf kommunaler Ebene stärker mitmischen will? 

Becker: Ich klinke mich intensiv in die Kreispolitik der FDP ein. Der Umbruch der Fraktion war schon länger vorbereitet. Dass Björn Sänger nun ein Team um sich bildet, um die Kommunalwahlen vorzubereiten, ist vernünftig. Ich bin stellvertretender FDP-Landesvorsitzender und für Nordhessen verantwortlich. Dort werde ich Akzente setzen.

Was werden das für Akzente sein? 

Becker: Die FDP Hessen, aber auch Nordhessen, war inhaltlich ausgebrannt. Alle Projekte, ob von der Autobahn bis zum Flughafen, waren und sind mindestens zehn Jahre alt. Es ist dringend an der Zeit, Impulse zu liefern und neue Ideen zu entwickeln. Das will der Wähler.

Nennen Sie ein paar Beispiele, um was es Ihnen dabei geht. 

Becker: Es geht mir um die Probleme der Menschen vor Ort. Der demografische Wandel mit seinen Folgen und die Verkehrsanbindungen für das flache Land sind nur zwei Beispiele. Eine Bevölkerungsgruppe, um die sich die Regierungen in Berlin und Wiesbaden so gut wie gar nicht kümmern, ist die Mittelschicht. Das ist für mich die Krankenschwester genauso wie der Arbeiter bei VW oder der Polizeibeamte.

Sitzen denn die richtigen Leute an den Schalthebeln der Partei, um diese Themen abzuarbeiten? 

Becker: Ja. Dennoch muss man aufpassen, dass nicht in Fehler der Vergangenheit verfallen wird. Alleinherrscher, wie zur Westerwelle-Ära, darf es nicht mehr geben. Es müssen stets auch andere Leute präsent sein.

Ist eine FDP in der neuen Politiklandschaft der Bundesrepublik überhaupt notwendig? 

Becker: Auf alle Fälle. Die Bundesrepublik braucht eine Partei, die an den Einzelnen glaubt. Das müssen wir den Wählern allerdings deutlich machen, dann gewinnen wir auch wieder an Stärke. Die vielen kleinen Parteien, die sich derzeit das Mäntelchen der liberalen Politik umhängen, zerstören sich mit der Zeit selbst.

Was sind Ihre nächsten Ziele? 

Becker: Zunächst will ich meine Dissertation zu Ende bringen. Danach sehe ich mich nach einer Arbeitsstelle um. Idealerweise in der Region.

Und welchen Posten werden Sie in sechs Jahren in der FDP innehaben? 

Becker: Ich habe gelernt, dass es viele Zufälle in einer politischen Karriere gibt. Von daher weiß ich das nicht. Ich hoffe, ich habe auch dann noch Spaß an der Politik. Auf Landes- und Kreisebene würde ich gern weiterarbeiten. Kommunalpolitik ist ehrlicher.

Von Peter Kilian

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