Ahnataler Rüdiger Reedwisch gefragter Mann in Sachen Reform der Bundespolizeien

Reform der Bundespolizeien: Ein Experte für Sicherheit

Arbeitsplatz in Berlin: Rüdiger Reedwisch aus Ahnatal in seinem Büro in Berlin, Prenzlauer Berg, als Vorsitzender der Bundespolizeigewerkschaft bgv.

Ahnatal. Von Nordhessen aus hat Rüdiger Reedwisch die Sicherheitslage der Bundesrepublik im Blick. Der 62-jährige Ahnataler steht an vorderster Front, wenn es zum Beispiel um die aktuelle Diskussion geht, die Polizeien des Bundes zu reformieren.

Dabei ist der gebürtige Lübecker Ende 2008 nach über 40 Dienstjahren aus der Bundespolizei ausgeschieden. Von Ruhestand kann bei Rüdiger Reedwisch aber keine Rede sein.

Vor drei Jahren übernahm er den Vorsitz der Bundespolizeigewerkschaft (bgv) mit 7000 Mitgliedern. Die bgv ist eine von vier Vertretungen der insgesamt 31 000 Bundespolizisten in Uniform und weiterer 10 000 Verwaltungsbeamten und Tarifbeschäftigten.

Die aktuelle Diskussion, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière angestoßen hat, wie die Zusammenlegung von Bundeskriminalamt und Bundespolizei, macht den Ahnataler Reedwisch zu einem gefragten Experten. Fernsehsender wie ZDF und CNN oder Presseagenturen bitten um Interviews, das CDU-Mitglied Reedwisch sprach zu Sicherheitsfragen vor der FDP-Bundestagsfraktion.

Die Bundespolizei in Ihringshausen-West: Neben der Fliegerstaffel Mitte hat auf dem Gelände der Unterkunft Dr. Konrad Adenauer auch die Direktion der Bundesbereitschaftspolizei ihren Sitz. Dort arbeitete Rüdiger Reedwisch bis zur Pensionierung.

Kurz vor Weihnachten lud ihn das Innenministerium zusammen mit den Chefs von Bundespolizei, BKA, Zoll und anderen Gewerkschaften ein. Es wurde über drei Projektgruppen zur anstehenden Reform informiert. Diese sollen ab diesem Monat ein Konzept entwickeln. Allerdings ohne die Personalvertreter und Gewerkschafter. „Wir sollen aber regelmäßig informiert werden und können jederzeit Vorschläge machen“, sagt Reedwisch.

Und klare Vorstellungen aus gewerkschaftlicher Sicht sowie Kritik an der gegenwärtigen Situation hat der bgv-Vorsitzende. Der ehemalige Bundesgrenzschutz, die jetzige Bundespolizei, habe sich mehrfach verändert. Die jüngste Neuorganisation sei „am Reißbrett entwickelt“ worden ohne „polizeifachliche Begründung“. Es gebe falsche Dienstorte, wobei Reedwisch Ihringshausen-West als Zentrale der Bundesbereitschaftspolizei ausnimmt. Und es gebe kein Personalentwicklungskonzept. Trotz Sparmaßnahmen und Personalreduzierung seien die Arbeitsaufträge weiter verdichtet worden. Folge: „6000 Polizisten sind krank.“

Für Reedwisch darf es keine Monsterbehörde aus Bundespolizei und BKA geben. Aber den Personenschutz ganz zu übernehmen, der sowieso bis auf BKA-Führungskräfte geleistet werde, oder auch die komplette Flughafensicherheit, hält Reedwisch für sinnvoll. Und dann sollte der Grenzraum für die Bundespolizei zu Fahndungszwecken von ehemals 30 auf 50 bis 80 km vergrößert werden.

Kampf gegen das Verbrechen

Bundespolizist und Gewerksschaftschef

Vom Gymnasium, dem Johanneum in Lübeck, in dem auch der ehemalige Kanzler Willy Brandt die Schulbank drückte, ging Rüdiger Reedwisch 1968 nach dem Abitur zum Bundesgrenzschutz als Offiziersanwärter. Seine erste dienstliche Verwendung führte ihn nach Ihringshausen-West. Dorthin kehrte er bis zur Pensionierung in verschiedenen Funktionen mehrfach zurück.

Zwischenzeitlich war der zweifache Familienvater Referent im Bundesinnenministerium, baute das Aus- und Fortbildungszentrum in Eschwege um. Er war Zugführer, Führer einer Hundertschaft, Lehrgangsleiter für Ausbildungsgänge. Vom damaligen Bundespolizeipräsidium Mitte aus kämpfte Rüdiger Reedwisch unter anderem gegen organisierte Kriminalität wie den Menschenschmuggel aus der ganzen Welt nach oder durch Deutschland oder auch den Diebstahl von Buntmetall vom Bundesgebiet ins Ausland.

Ab 1976 engagierte sich Reedwisch in der Gewerkschaft. Auslöser war eine Strukturreform, das Lebenszeit-Prinzip wurde für die Beamten eingeführt.

Jetzt als Vorsitzender der Bundespolizeigewerkschaft (bgv) und Vizepräsident der Europäischen Polizei-Union hilft der 62-Jährige zum Beispiel in Ungarn beim Aufbau demokratischer Polizeistrukturen. Sein Ehrenamt als bgv-Vorsitzender bedeutet für Reedwisch, drei bis vier Tage, 60 bis 80 Stunden die Woche europaweit unterwegs zu sein mit Bahn, Flugzeug und Auto - 90 000 Kilometer im Jahr. (mic)

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