Situation aber noch im Griff 

Experten im Kreis Kassel warnen: Gefahr der Schweinepest besteht weiter 

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Sind vor allem in Osteuropa von der Schweinepest bedroht: Wildschweine, die im Landkreis Kassel sehr verbreitet sind. Das macht die Übertragung des Virus zu einer ernstzunehmenden Gefahr. Foto: Gregor Fischer/dpa

Kreis Kassel. Die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland besteht nach wie vor. Da sind sich der Landkreis Kassel, Jäger und Landwirte einig. Vor allem Autofahrer könnten den Virus in die Region bringen. 

Die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland besteht nach wie vor. Da sind sich die Experten einig. Auch, wenn hierzulande bisher kein Fall mit dem ASP-Virus bekannt ist.

Welche Folgen eine Ausbreitung haben kann, zeigt sich derzeit in Osteuropa. Dort grassiert die Afrikanische Schweinepest (ASP) seit dem ersten Vorfall vor knapp vier Jahren. Seitdem sind dutzende Tiere verendet. Die Lage hierzulande bleibt auch ernst, weil Autofahrer aus Polen oder Rumänien das Virus über kontaminierte Lebensmittel nach Deutschland einschleppen könnten. Wir haben nachgefragt, wie Landkreis, Bauern und Jäger die aktuelle Situation einschätzen.

Der Landkreis Kassel

„Es ist etwas Ruhe eingekehrt, die grundsätzliche Gefahr besteht aber weiterhin“, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises. Insbesondere die Vorkehrungen an Autobahnen, Durchfahrtsstrecken und Rastplätzen zeigten Wirkung. Dort wurden vermehrt Mülleimer angebracht und verschlossen, damit Wildschweine nicht an mit ASP kontaminierte Lebensmittel wie Wurstbrote gelangen und sich so mit dem Virus infizieren könnten. „Das ist eine der Hauptursachen für die Verbreitung und Grund für die Sprünge über hunderte Kilometer“, so Kühlborn.

Auch Vorbeuge- und Früherkennungsmaßnahmen wie die Blutprobenentnahme bei Wildschweinen, die Überprüfung von Freiland- und Auslaufschweinehaltungen sowie die Planung von Wildsammelstellen in der Region würden dazu beitragen, die Situation im Griff zu behalten.

Die bestehende Gefahr durch die Schweinepest bestätigt auch das Veterinäramt: „Die Ernsthaftigkeit ist weiter da“, heißt es vonseiten des Amts. Das Hessische Umweltministerium klärt in einem Video auf seiner Homepage zudem über die sachgerechte Bergung von verendeten Wildschweinen vor dem Hintergrund eines möglichen ASP-Vorkommens auf, besonders mit Blick auf Vorschriften zur Hygiene.

Der Kreisjagdverein

„Momentan geht keine Gefahr von der afrikanischen Schweinepest aus“, beschreibt Erhardt Rüsseler, Sprecher des Kreisjagdvereins Hofgeismar, die aktuelle Lage. Mit einer Situation wie in der Slowakei oder Österreich sei vorerst nicht zu rechnen. Dennoch seien 2018 und 2017 deutlich mehr Tiere geschossen worden. Im vergangenen Jahr waren es mit 2000 fast doppelt so viele wie 2016 (998). Denn umso mehr Wildschweine geschossen würden, desto geringer sei die Gefahr einer Virusausbreitung. Wegen der Trockenheit würden sich Wildschweine in diesem Jahr aber die meiste Zeit im Wald aufhalten, was ein Erlegen erschwere. „Im Altkreis Hofgeismar haben wir hauptsächlich Trockenjäger“, erläutert Rüsseler.

Der Kreisbauernverband

Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, betont die bestehende Gefahr einer Virus-Ausbreitung durch entsorgte Abfälle. Bauern seien angehalten, Hygienevorschriften einzuhalten – besonders bei Fremdkontakt. Also beispielsweise bei einer Futterlieferung, einem Tierarztbesuch oder einer Ferkellieferung. „Die Fahrzeuge und möglicherweise kontaminierte Inhalte sollten möglichst weit von den Ställen fern bleiben“, sagt Schulte-Ebbert. 

Übertragung durch Kontakt und Abfälle: 

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine Tierseuche, von der Haus- und Wildschweine betroffen sind. In den afrikanischen Ursprungsländern übertragen Lederzecken das Virus. In Mitteleuropa haben Zecken kaum eine Bedeutung für die Ausbreitung. Hier wird der Virus durch den direkten Kontakt mit infizierten Tieren (Sekrete, Blut, Sperma) oder die Aufnahme von Speiseabfällen oder Schweinefleisch übertragen. In Schinken und Wurst bleiben die Viren wochenlang für Schweine ansteckend. Für Haustiere und Menschen ist die Schweinepest nicht gefährlich. Der Kontakt mit Blut ist der wirkungsvollste Übertragungsweg. Nach einer Infektion entwickeln die Tiere schwere Symptome (Fieber, Schwäche, Bewegungsstörungen, Atemprobleme, Blutungen) und sterben nach wenigen Tagen. ASP ist keine Zoonose, also keine zwischen Tier und Mensch übertragbare Infektionskrankheit, und daher für den Menschen ungefährlich. 

Das sagt das Forstamt: 

Uwe Zindel, Leiter des Forstgebiets Wolfhagen, sieht von der ASP keine große Gefahr ausgehen. „Die Schweinepest ist noch immer weit entfernt“, schätzt er die Situation ein. Im Wald habe sich außerdem gezeigt, dass die Population der Wildschweine wengier dramatisch sei, als bisher angenommen. „Die Situation ist nicht gravierend.“ Weiterhin werde derzeit intensiv an Feldern gejagt, erklärt Zindel. Aufgestellte Zäune an Feldern und Parkplätzen sollen außerdem verhindern, dass Wildschweine an kontaminierte Abfälle gelangen. 

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