Türkischstämmiger Engin Caliskan ist begeisterter Feuerwehrmann in Niestetal

Extrawurst nur bei Feiern

Allzeit bereit: Engin Caliskan hofft, Landsleute für die Niestetaler Feuerwehr zu begeistern. Foto: Dilling

Niestetal. Menschen wie Engin Caliskan sind selten: Der 33-Jährige mit türkischen Wurzeln ist aktiver Feuerwehrmann.

Türkische Mitbürger waren schon öfter als Opfer von Brandkatastrophen in den Schlagzeilen. Die Schauplätze Mölln, Ludwigshafen und zuletzt Backnang, wo in einem maroden Haus sieben türkische Mieter - darunter viele Kinder - starben, gingen durch die Medien.

Engin Caliskan hat erfahren, dass manche Türken in Teestuben und in Zeitungsartikeln deswegen die Feuerwehr ins Visier nehmen. Es gehe das Gerücht um, die Wehren rückten später aus, wenn nicht Deutsche, sondern Türken betroffen seien.

„Das hat mich gestört. Die Feuerwehr rettet alle so schnell und gut sie kann, ohne Ansehen der Person“, sagt der 33-Jährige.

Auf die Feuerwehr lässt er nichts kommen. Schließlich ist Caliskan selbst begeisterter Feuerwehrmann. Der einzige türkischstämmige weit und breit, wie er schätzt. Dabei leben in Stadt und Landkreis Kassel rund 20 000 türkischstämmige Bürger.

Das findet er schade. Es sollten sich mehr Menschen mit Migrationshintergrund in den Wehren engagieren, sagt er.

Caliskan, der einen deutschen Pass hat und für die CDU in der Kommunalpolitik aktiv ist, wirbt bei seinen Landsleuten dafür. Er habe sieben türkischstämmige Niestetaler gewonnen, die Mitglied im Feuerwehrverein geworden sind oder noch werden wollen.

Viele seiner Landsleute hätten wohl Berührungsängste, sagt Caliskan. Schließlich kenne man in der Türkei keine freiwillige Feuerwehr. Er selbst hatte keine Probleme damit. Bereits als 13-Jähriger schloss sich der gebürtige Kasseler, der in Landwehrhagen aufgewachsen ist, der Jugendfeuerwehr an. „Meine Eltern waren froh, dass ich was Vernünftiges mache“, erzählt er.

Seit drei Jahren gehört Caliskan, der als Außendienstmitarbeiter der Firma Landefeld sein Geld verdient, der Einsatzabteilung der Niestetaler Wehr an. Er fühle sich dort wohl, sagt Caliskan.

Die anfänglichen Frotzeleien wegen seiner Essgewohnheiten hätten sich gelegt, erzählt der Muslim. Bei Festen bekommt er eine Extrawurst gebraten, weil er kein Schweinefleisch isst.

Sein Einsatz sei für türkische Mitbürger ein Gewinn, sagt Caliskan. Denn er könne ihnen beispielsweise Brandschutzmaßnahmen in ihrer Heimatsprache erklären.

Auch für die Wehr selbst ist der verheiratete Vater von zwei Kindern ein Gewinn. Die Wehr habe im Zeichen einer älter werdenden Bevölkerung Interesse an jungen Leuten mit ausländischem Hintergrund, sagt Schriftführer Günther Köhler. Niestetal habe jetzt 48 Aktive. „Schön wären 50 bis 60“, erklärt er.

Caliskan, der bald einen Truppführerlehrgang macht, will bei der Jugendwehr ansetzen. „Warum sollte, was in Sportvereinen klappt, in der Feuerwehr nicht gelingen?“, sagt er.

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