Fachberater für Integration in der Feuerwehr klagt über mangelnde Unterstützung

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Will die Feuerwehren für Menschen anderer Nationalitäten öffnen: Der neue Fachberater für Integration in der Feuerwehr, Engin Caliskan.

Kreis Kassel. Der deutsche Feuerwehrverband hat eine Empfehlung gegeben, Fachberater für die Integration von Bürgern mit ausländischen Wurzeln in den Feuerwehren zu berufen.

Das sei eine gute Sache, sagt Engin Caliskan, CDU-Kreisvorstandsmitglied, mit türkischen Wurzeln und Gruppenführer in der Freiwilligen Feuerwehr Niestetal. Doch er beklagt mangelnde Unterstützung.

Im vergangenen Herbst hatte sich Caliskan an Landrat Uwe Schmidt (SPD) mit der Anregung gewandt, auch im Landkreis Kassel einen Fachberater zu berufen. Er bot sich an, dieses Amt zu übernehmen. Nun hat der Niestetaler Feuerwehrmann den Job und ist dennoch nicht zufrieden. Er habe bisher keine konkrete Unterstützung und keine Befugnisse zugesagt bekommen. Von seiner Berufung sei er nicht einmal persönlich informiert worden.

Einzelkämpfer wider Willen 

Caliskan fühlt sich als Einzelkämpfer wider Willen. „So habe ich mir das nicht vorgestellt. So geht das nicht“, sagt der Niestetaler. Caliskan will als Fachberater im Landkreis die Arbeit fortsetzen, die er in Niestetal für die dortige Wehr schon erfolgreich geleistet habe: Kontakte zu türkischen Mitbürgern und Angehörigen weiterer Nationalitäten aufnehmen, sie für die Feuerwehr begeistern und ihnen erklären, wie der Brandschutz organisiert ist. Ein Dutzend Bürger mit Migrationshintergrund seien so schon Mitglied im Feuerwehrverein geworden. In der Einsatzabteilung ist neben Caliskan ein weiterer Feuerwehrmann mit türkischen Wurzeln tätig.

Nun möchte der Fachberater im ganzen Landkreis Kontakte zu solchen Bürgern knüpfen und Informationsveranstaltungen anbieten.

Was tun bei Konflikten? 

Doch was ist mit den Fahrtkosten? Wer zahlt das Porto für Einladungsschreiben? Und vor allem: „Wie werde ich zeitnah informiert, wenn mich eine Feuerwehr braucht, wenn es während eines Brandeinsatzes zu Konflikten mit Betroffenen mit Migrationshintergrund kommt?“, fragt Caliskan. Andernorts sei es dazu schon gekommen, weil viele ausländische Mitbürger das System der freiwilligen Feuerwehr nicht kennen.

Landkreis sagt nichts dazu 

Vom Landkreis gibt es zu diesen Fragen keine konkreten Antworten. Die Arbeit des Fachberaters sei schlichte ehrenamtliche Tätigkeit ohne die Privilegien eines ehrenamtlich tätigen Feuerwehrmanns wie das Recht auf eine Aufwandsentschädigung, heißt es aus dem Kreishaus. Es sei in erster Linie Sache der örtlichen Feuerwehren, Caliskan in ihre Arbeit einzubinden. Bei Brandeinsätzen könnten diese den Fachberater telefonisch informieren. Man werde den Fachberater logistisch unterstützen. „In welcher Form dies geschehen muss, wird die Praxis zeigen“, teilte Kreispressesprecher Harald Kühlborn auf Anfrage mit. Caliskan ist das viel zu wenig. Der Kreis habe ihm nicht einmal Ansprechpartner in den einzelnen Wehren vermittelt.

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