Nach Sparkassen-Überfall: Polizei hofft auf Zeugenhinweise

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Fuldatal. Ohne Erfolg blieb bislang die Fahndung nach dem Bankräuber von Simmershausen. Am Tag nach dem Raubüberfall auf die Filiale der Kasseler Sparkasse im Fuldataler Ortsteil fehlt noch jede Spur von dem Täter. „Wir hoffen auf Hinweise von Zeugen“, sagt Wolfgang Jungnitsch, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen.

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Am Dienstag gegen 17.30 Uhr betrat ein maskierter Mann die Filiale, die nur dienstags und donnerstags geöffnet ist. Er bedrohte zwei Mitarbeiter mit einer Pistole und forderte die Herausgabe des Geldes. Ein dritter Mitarbeiter hielt sich im ersten Stock des Gebäudes auf.

Die Beute wurde in eine gelbe Tüte mit weißem Rand und vielen schwarzen Buchstaben gesteckt. Dann drängte der Täter die 42 und 21 Jahre alten Angestellten mit vorgehaltener Waffe in einen Raum der Bank. Dort sollten sie einige Minuten bleiben, sonst passiere ihnen etwas, habe der Täter gedroht, sagt Jungnitsch.

Vom Überfall nichts bemerkt: Ursula Hamenstädt, Seniorchefin der Bäckerei Hamenstädt schräg gegenüber der Bank, wurde von der Polizei als mögliche Zeugin befragt.

Da sich die Mitarbeiter daran hielten, sahen sie nicht, in welche Richtung der Täter floh. Die Polizei wurde 15 Minuten nach dem Überfall alarmiert, nachdem der dritte Angestellte wieder in den Kundenbereich gekommen war.

Die Ermittler fragen jetzt, ob zur Zeit des Überfalls in Simmershausen eine Person aufgefallen ist, die durch den Ort rannte. Oder ob ein Mann gesehen wurde, der in ein Auto stieg und damit die Flucht ergriff.

Als mögliche Zeugin wurde Ursula Hamenstädt von der Polizei befragt. Sie sei ganz erstaunt gewesen, als die Beamten am Dienstag gegen 17.45 Uhr im Verkaufsraum der Bäckerei standen, sagt die 60-jährige Seniorchefin am Mittwochmorgen. Die Bäckerei liegt schräg gegenüber der Bankfiliale.

Bankkunde: Marc Peter aus Simmershausen wundert sich nicht, dass sich ein Täter diese Filiale ausgesucht hat, schließlich liege sie abgeschieden.

„Es war dunkel, ich habe überhaupt nichts von dem Überfall mitbekommen“, sagt sie. Den ganzen Dienstag über sei ihr auch nichts Verdächtiges aufgefallen. Im Nachhinein frage sie sich natürlich, ob sie besser hätte aufpassen müssen. „Aber man kann ja auch nicht gleich jeden Menschen verdächtigen, der dunkle Kleidung trägt.“ Wie sie wohl reagiert hätte, fragt sich die Geschäftsfrau. Gut sei, meint sie, dass nicht ein Bankangestellter allein in der Filiale war, „vielleicht verkraftet man das dann besser“.

Diesen Eindruck macht eines der drei Opfer am Mittwochmorgen nicht. Anders als seine Kollegen ist der Mann zur Arbeit in der Filiale in Rothwesten erschienen. Und wirkt sichtlich mitgenommen. Über den Überfall möchte er nicht sprechen und namentlich nicht erwähnt werden. Kurz darauf beendet er seinen Dienst und geht.

Der Täter werde sich diese Filiale bewusst ausgesucht haben, sagt Bankkunde Marc Peter aus Simmershausen. Er hat sich gestern Morgen Geld am Automaten geholt. Die Sparkasse liege zwar an der Durchgangsstraße, aber eben doch abgelegen. „Die Polizei von Vellmar braucht locker zehn Minuten hierher“, sagt der Berufssoldat. „Da ist man zu Fuß in allen Richtungen schnell weg.“

„Die Kriminalität wird immer höher“, meint Torsten Brühmann. „Inzwischen ist doch jeder zweite Schlecker-Laden auf dem Dorf überfallen worden.“ Aus einer Bankfiliale Geld zu rauben, werde den Tätern leicht gemacht. „Offener geht es nicht, früher saßen die Angestellten hinter dickem Glas, da war es schwerer“, meint der 45-jährige Zimmermann.

Täterbeschreibung

Der auffällig mit einer graumelierten Wollmütze mit Sehschlitzen und einem darunter getragenem Feinstrumpf maskiert war, soll nach Angaben der Zeugen etwa 20 bis 30 Jahre alt gewesen sein. Der ca. 1,80 m große Mann habe ein vergleichsweise schmales Gesicht und vermutlich dunkle, kurze Harre gehabt. Beim Überfall war er komplett schwarz bekleidet. Nach Angaben der Angestellten habe er beim Überfall sehr nervös gewirkt, gebrochenes Deutsch gesprochen und ständig mit dem schwarzen Revolver, dessen Hahn vorgespannt gewesen sei, herumgefuchtelt.

Hinweise an die Polizei, Telefon 05 61/91 00.

Das sagt der Sparkassen-Sprecher

„Die Kasseler Sparkasse ist sehr froh, dass keiner der drei Mitarbeiter verletzt worden ist.“ Dies sei das Wichtigste, betont Michael Krath, Pressesprecher des Geldinstituts. Außerdem seien keine Kunden zur Tatzeit in der Filiale gewesen.

Um die drei Kollegen aus Simmershausen kümmere sich eine Gruppe aus den Reihen der Kasseler Sparkasse. Diese sei speziell geschult worden, um Überfall-Betroffenen zu helfen. Mitglieder dieser Gruppe seien auch schon am Dienstagabend in Simmershausen gewesen, kurz nachdem der Alarm ausgelöst wurde und in der Zentrale in Kassel eingegangen sei.

Auch der neue stellvertretende Vorstandsvorsitzende Jochen Johannink und der für die Geschäftsstellen verantwortliche Bereichsleiter Herbert Becker seien gleich nach dem Überfall zu den betroffenen Kollegen gefahren.

Über die Beute des Täters will Krath nur so viel sagen: „Es wurden lediglich Handgeldbestände geraubt.“ (mic)

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