Fahrplanumstellung: Probleme im Nahverkehr zwischen Niestetal und Kassel

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Der Bus ist voll: Bernd Ziesse aus Sandershausen muss, wie viele andere Fahrgäste auch, an der Haltestelle Salzmannshausen mehrere Busse abwarten, bis er endlich einsteigen und mitfahren kann.

Niestetal. Es ist Dienstagmorgen, Viertel vor sieben, Sandershäuser Straße in Niestetal. An der Bushaltestelle Salzmannshausen warten dick eingepackte Menschen in der Kälte auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule. Endlich kommt der Bus. Und fährt ohne Halt vorbei.

Einige Zeit später folgt ein zweiter. Wenige können zusteigen, bevor der Busfahrer durchsagt: „Keine weiteren Fahrgäste mehr. Der Bus ist voll.“ Erst in den dritten Bus können alle Wartenden einsteigen. Eine halbe Stunde haben sie gewartet.

Die Geduld vieler Fahrgäste stellt der neue Fahrplan des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) auf eine harte Probe. So auch Bernd Ziesse. Der Sandershäuser brauchte bislang bis zu seinem Arbeitsplatz im Kasseler Zentrum etwa 20 Minuten. „Seit letzter Woche plane ich morgens und abends fast eine Stunde ein“, sagt der 59-Jährige, der an der Haltestelle Salzmannshausen einsteigen möchte.

Doch das kostet ihn Stehvermögen. Voll besetzte Busse halten mitunter gar nicht an, in andere Busse passen nur noch wenige Menschen. Den Busfahrern bleibt dann keine andere Möglichkeit, als die restlichen Wartenden zu vertrösten und auf den nachfolgenden Bus zu verweisen.

Dramatischer Einschnitt

Schüler berichten, dass die Haltestelle Am Osterholz morgens so überfüllt sei, dass die Wartenden mitunter auf der Straße stehen würden. Manche Eltern fahren ihre Kinder seit vergangener Woche mit dem Auto zu anderen Haltestellen, um sie sicher in den Bus steigen lassen zu können.

Die Niestetaler Junge Union (JU) bezeichnet die Umstellung der Fahrpläne als „dramatischen Einschnitt“. Sie kritisiert in einer Pressemitteilung die Reduzierung von sieben auf drei Busse, die vom Ortskern Heiligenrode direkt in die Kasseler Innenstadt fahren.

Sabine Herms, Pressesprecherin des NVV, hält dagegen: „Insgesamt wurden die Kapazitäten erhalten oder ausgeweitet, da zum Beispiel an der Haltestelle Am Stein Gelenkbusse eingesetzt werden – anstatt wie bisher Solobusse.“ Wer aus Niestetal ins Kasseler Zentrum fahren möchte, muss sich in der Tat umgewöhnen, was vor allem am Wegfall der Linie 30 liegt. Diese fährt nun aus Staufenberg kommend nur noch bis zum Platz der Deutschen Einheit – statt wie bisher ins Zentrum.

Die Linien 32 und 52 fahren als Alternative halbstündlich auf direktem Wege. Andere Möglichkeiten erfordern ein Umsteigen, das mit zusätzlicher Wartezeit verbunden ist. Der NVV kennt die Beschwerden und nannte vergangene Woche auf Anfrage die durch Schnee und Eis bedingten Verspätungen als Grund für die Probleme nach der Fahrplanumstellung. Doch auch am milden Dienstagmorgen wurden die Wartenden an der Sandershäuser Straße wieder stehen gelassen.

Der NVV will die Situation beobachten und verspricht nachzubessern, sollte das Problem weiter bestehen. Ob das durch Änderungen im Fahrplan oder zusätzliche Busse passieren soll, lässt die NVV-Sprecherin offen.

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