Bätzold und Jakob stehen an Spitze des VW-Betriebsrats

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Neu am Steuer: Carsten Bätzold und Ulrike Jakob mit einem Minikäfer im Gewerkschaftslook. Das Duo leitet nun den Betriebsrat im Baunataler VW-Werk.

Baunatal. Mehr Leiharbeiter in feste Stellen bringen, die Wochenendarbeit eindämmen, für gute Arbeitsbedingungen in der neuen Halle 6 sorgen, wo der Elektroantrieb von VW gebaut werden soll: Das sind drei wesentliche Ziele des neuen Duos an der Spitze des Betriebsrats von VW in Baunatal.

Carsten Bätzold (46) und Ulrike Jakob (52) haben gerade die Nachfolge von Jürgen Stumpf und Renate Müller (beide 58) angetreten.

Die Neuen sind, da ihre Vorgänger zur Halbzeit der Wahlperiode gingen, zunächst für zwei Jahre gewählt. Was macht Bätzold, der Mann mit dem roten Schal, anders als Stumpf, der sich Südafrikas Farben um den Hals schlang? Ansonsten nichts, sagt Bätzold, nur im persönlichen Stil bestehe naturgemäß ein Unterschied. Jakob sieht das im Blick auf Müller genauso. Man setze weiter auf Teamleistung und Kontinuität, betont Bätzold. Schließlich seien sie beide bereits zwei Jahrzehnte in der Arbeitnehmervertretung tätig.

600 von 2400 Leiharbeitern in Baunatal sollen bis Herbst 2013 zusätzlich zu den 14 000 fest angestellten VW-Werkern übernommen werden. Bleiben 1700 Menschen, für die es danach eine Lösung zu finden gelte, darin sieht Bätzold eine wichtige Aufgabe.

Video-Interview mit Carsten Bätzold

Jakob verweist hier auf den Zusammenhang mit Schichtmodellen. Wenn die Mehrarbeit, die in Baunatal wegen starker Nachfrage nach Getrieben nötig ist, mit rollierendem Früh-, Spät- und Nachtschichtmodell sowie Wochenendarbeit, aber mit zusätzlichen Freischichten statt Geld für Mehrarbeit bewältigt wird, „dann bindet das Beschäftigung“, sagt Jakob: Weitere Leiharbeiter bekämen Chancen auf Jobs.

Doch soll die Arbeit an Samstag und Sonntag nicht zum Prinzip werden. „Wir wollen das Wochenende wieder frei bekommen“, sagt Bätzold. Wenn Zusatzkapazitäten für die Produktion aufgebaut seien, dann müsse sich das Schichtmodell wieder ändern, darauf werde der Betriebsrat drängen. Über das Wie müsse man rechtzeitig mit den Kollegen in den Hallen reden.

Bätzold und Jakob verhehlen nicht, dass es Widerstände in der Belegschaft gibt. Manchem sei Geld wichtiger als Freizeit. Da werde man den Dialog führen, aber auch darauf achten, ältere Arbeitnehmer zu entlasten. „Wir streiten für unsere Position“, stellt Bätzold selbstbewusst fest. Und: „Positionen durchsetzen, das kann ich gut.“ Dass der Betriebsrat generell auf dem richtigen Weg sei, lesen Bätzold und Jakob an den Resultaten der jüngsten Mitarbeiter-Befragung ab: 83 Prozent hätten Zufriedenheit bekundet.

Jenseits des Werks war Bätzold von 2008 bis 2010 als Vertreter von Hauptsponsor VW im KSV Hessen Kassel aktiv. Ein Amt im Fußballclub strebe er aber nicht wieder an, sagt er: Vielmehr wolle er sich dafür einsetzen, dass VW Sport in vielen Facetten fördere.

Von Ingrid Jünemann

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