Gericht entscheidet über Einstellung des Verfahrens

Fatale Tritte auf der Ringer-Matte: Mehmet Yazici leidet unter den Folgen einer Attacke 

Spürt noch die Folgen der Tritte: Mehmet Yazici. Er habe insbesondere Probleme beim Sitzen, sagt der ehemalige Ringer des RSV Elgershausen. Und: Seinen Sport könne er seit der Attacke nicht mehr ausüben. Foto: Kühling

Schauenburg. Der 14. November 2009 hat das Leben von Mehmet Yazici dramatisch verändert. An diesem Tag wurde der Ringer des RSV Elgershausen nach einem Kampf in der Goldberghalle gegen den KSV Wersau von dem Bruder seines Gegners so schwer durch Tritte verletzt, dass er heute noch an den Folgen leidet.

„Ich habe immer noch Schmerzen an der Halswirbelsäule“, sagt der 23-jährige Absolvent des Studienganges Informatik zu dem Vorfall. Längeres Sitzen sei für ihn schwierig. Auch seinen Sport könne er seit diesem Tag, seit der Attacke nicht mehr ausüben.

Nach dem Vorfall wurde auf Betreiben der Staatsanwaltschaft Anklage vor dem Kasseler Amtsgericht gegen den Mann erhoben, der dem RSV-Ringer gegen Kopf und Körper getreten haben soll. Doch nun befürchten Yazici und dessen Anwalt Reinhard Kaiser, dass das Verfahren gegen den Beschuldigten, der zuvor selbst als Ringer im Schwergewicht an dem Wettkampf in Elgershausen teilgenommen hatte, ohne Hauptverhandlung und ohne Urteil eingestellt wird. Das habe das Amtsgericht per Schreiben jedenfalls angekündigt.

Das war nach Schilderung Yazicis bei dem Wettkampf passiert: Nachdem sein Gegner vom Kampfrichter wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte bekommen hatte, stürmte dessen Bruder auf die Matte. Dort trat dieser auf den noch am Boden liegenden RSVer ein, in die Rippen und gegen den Kopf, sagt der 23-Jährige. Daraufhin alarmierten die Elgershäuser die Polizei. Die Beamten nahmen den Vorfall auf, die Staatsanwaltschaft Kassel leitete Ermittlungen ein.

Der Mann sei bereits früher strafrechtlich in Erscheinung getreten, berichtet Yazicis Anwalt. Wegen Körperverletzung sei der Beschuldigte schon als Jugendlicher verurteilt worden. Im Lauf der Ermittlungen seien vom Amtsgericht mehrere Zeugen vernommen worden, sagt Kaiser. „Vorrangig Zuschauer, die den südhessischen Verein begleitet hatten. Keiner will die Tritte gesehen haben.“

Kritik an Justiz

Kaiser und Yazici üben nun scharfe Kritik an den Justizbehörden. Sie beklagen, dass der Verletzte selbst überhaupt nicht als Zeuge vernommen wurde und auch Anhänger des RSV Elgershausen nicht. Weil nun überraschend die Einstellung des Verfahrens drohe, habe er der Richterin selbst noch 19 Zuschauer und Mannschaftskameraden Yazicis als Zeugen benannt.

„Es gibt ausreichend Zeugen, die das vor Ort gesehen haben“, sagt auch RSV-Vorsitzender Mirco Sippel. 80 bis 100 Zuschauer seien am Tag des Wettkampfes in der Goldberghalle gewesen.

Eine Entscheidung über Einstellung des Verfahrens sei noch nicht gefallen, sagt Amtsgerichtssprecher Reinhold Kilbinger. „Das Verfahren schwebt.“

Die Richterin prüfe derzeit noch, ob ein Hauptverfahren eröffnet wird. Ergebnis könne sein, dass das Verfahren mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft eingestellt wird. Das könne der Fall sein, wenn Zeugenaussagen zu dünn oder widersprüchlich seien, erläutert Reinhold Kilbinger den allgemeinen Hintergrund. Zu den Abwägungen der Richterin könne er nichts sagen.

Die Einstellung des Verfahrens hält Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft, durchaus für möglich. Es gebe zu dem Fall Zeugenaussagen mit unterschiedlichen Versionen. Letztendlich entscheide aber das Amtsgericht.

Von Sven Kühling

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