Kinder lernen beim Deutsch-Sommer im Landschulheim Gut Eichenberg – Projekt der Stadt Kassel

Ferien, die schlauer machen

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Bewegte Wörter: Almut Reuter (Mitte) hat mit ihren Schülern Bewegungen für Wortgruppen eingeübt. Bei den Adjektiven machen sich die Kinder ganz klein und fragen „wie“. Die Eltern schauen gespannt zu. Fotos:

Fuldatal. „Theaterpolonaise, Theaterpolonaise“ schallt es laut durch den Flur. Kinder stürmen auf die Bühne und bewegen sich zur Musik. Dann beginnt das Theaterstück.

Im Publikum sitzen die Eltern und Geschwister der jungen Akteure und schauen gespannt zu. Die Aufführung ist Höhepunkt der Abschlussveranstaltung des Deutsch-Sommers 2012, eines Projekts der Stadt Kassel, das in diesem Jahr zum ersten Mal stattfand.

Ziel des Projektes ist es, sozial benachteiligte Kinder zu fördern, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben. Dazu gehören zum Beispiel Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Das Angebot richtete sich an Kasseler Grundschüler, die in die vierte Klasse kommen.

24 Jungen und Mädchen

24 Mädchen und Jungen waren dabei und haben die ersten drei Wochen der Sommerferien im Landschulheim Gut Eichenberg in Rothwesten verbracht; zwei Wochen lang übernachteten sie auch dort. Vormittags standen Deutschunterricht sowie Theaterspielen auf dem Programm, am Nachmittag betreuten Sozialpädagogen die Kinder mit einem Freizeitprogramm.

Ohne Worte: Pantomimisch stellen die zwei Mädchen das Wort weinen dar.

„Mir hat es sehr gut gefallen, am besten das Theaterspielen. Deutsch fand ich auch gut. Ich hab viel gelernt und mit der Zeit wurde es immer leichter“, sagt Rojda. Während des Unterrichts haben die angehenden Viertklässler spielerisch die deutsche Grammatik trainiert. So haben sie zum Beispiel pantomimisch Verben dargestellt, die die anderen erraten und konjugieren mussten.

„Es war super. Die Kinder waren sehr aufgeweckt und motiviert“, sagt Jennifer Schrodt, die mit Almut Reuter für den Deutschunterricht verantwortlich war. Zum Team gehörten außerdem zwei Theaterpädagoginnen und drei Sozialpädagogen sowie ein Praktikant und eine wissenschaftliche Begleitung.

Organisiert wurde der Deutsch-Sommer von der Stadt Kassel und der Volkshochschule (Vhs) der Region Kassel, in Zusammenarbeit mit dem Kasseler Staatstheater und dem Staatlichen Schulamt. „Kinder, die in dem Alter Deutsch als ihre Sprache begreifen, integrieren sich besser und fühlen sich als Teil unserer Stadtgesellschaft“, sagte Katharina Seewald, Leiterin der Vhs.

Und Kassels Schuldezernentin Anne Janz betonte, wie wichtig es ist, Kindern gute Bildungschancen zu vermitteln. „Es kommt auf den Anfang an. Kinder sollten mit bestmöglichen Chancen ins Leben starten.“

Vorgeschlagen für die Teilnahme am Projekt wurden die Kinder von ihren Lehrern. Die Resonanz der Eltern war laut Janz durchweg gut. Auch Catrin Gerhold ist die Entscheidung, ob ihre Tochter teilnehmen darf, nicht schwergefallen. „Ich habe sofort Ja gesagt, um Sarah zu fördern“, sagt sie.

40.000 Euro hat das Sprachförderprojekt gekostet, finanziert wurde es über Sponsoren. Seewald und Janz hoffen, dass der Deutsch-Sommer 2013 fortgeführt werden kann. Dann nach Möglichkeit mit einer weiteren Gruppe für Kinder aus dem Landkreis.

Modellprojekt aus Bremen

Der Deutsch-Sommer basiert auf einem Modellprojekt aus Bremen, das von der Jacobs Foundation, vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und vom Bremer Bildungssenat initiiert wurde. 2006 veranstaltete die Stiftung Polytechnische Gesellschaft das Sprachförderprogramm erstmals in Frankfurt und passte das Konzept den dortigen Gegebenheiten an. Mittlerweile wird der Deutsch-Sommer in Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach angeboten, von dort bekam die Kassel als Träger des hiesigen Deutsch-Sommers Unterstützung.

Von Meike Schilling

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