Kaufungen-Papierfabrik

Müll, kein WC und gefährliche Fahrmanöver an Fernbushaltestelle

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Zwei Busse sind schon einer zu viel am Fernbus-Haltepunkt Kaufungen-Papierfabrik: Wenn ein dritter Bus dazukommt, geht an der Leipziger Straße nicht mehr viel für Busfahrer und Reisende.

Kaufungen. Wer für wenig Geld mit dem Fernbus reisen will, braucht Zeit und gute Nerven: An Haltepunkten der Billigbusse muss man häufig länger warten.

In Kassel und Kaufungen klagen Fahrgäste zudem über unzureichende Ausstattung und über mangelnde Sauberkeit der Haltestellen.

Das gilt besonders für Kaufungen-Papierfabrik, wo sich der Fernbushalt aufgrund der guten Anbindung zur Autobahn 7 nach bescheidenen Anfängen zu einer echten Drehscheibe gemausert hat. Hier steigen allerdings mit jeder neuen Linie die Probleme: Es gibt keine Sitzmöglichkeit und keine Toiletten. Außerdem liegen Müll und Kippen herum, und die blauen Müllsäcke quellen über.

Wenn mehr als ein Bus abfährt - oft sind es drei Busse gleichzeitig - gibt es außerdem an der viel befahrenen Straße erhebliche Verkehrsprobleme auf. Busse blockieren die Zufahrt zum Park & Ride-Parkplatz an der Strecke der Lossetalbahn, weil sie eine Abbiegespur zum Aus- und Einsteigen ihrer Fahrgäste nutzen müssen. Oder sie versperren die Parkplatzausfahrt bei Wendemanövern. Mittags an einem Werktag am Haltepunkt Papierfabrik: Die Temperaturen nähern sich der 30-Grad-Marke. Fahrgäste warten - meist in der prallen Sonne - auf Busabfahrten zu Zielorten wie Hamburg, Frankfurt, Görlitz, München oder Prag.

Einige Reisende verbringen das Warten auf dem Behelfsparklatz an der Straße in ihren klimatisierten Personenkraftwagen. Andere suchen unter Bäumen Schatten.

Gerade hier stört auch wild abgelagerter Müll das Bild: „Die Müllbehälter sollte man woanders platzieren, außerdem gehören hier Bänke hin“, sagt eine Reisende.

Ein nicht seltenes Bild: Neben dem provisorischen Haltestellenschild quellen Müllsäcke über.

Konrad Michehl aus Kassel wird etwas lauter: „Nie wieder Fernbus“, schimpft er. Neulich habe er in Wilhelmshöhe zweieinhalb Stunden auf die Abfahrt nach Wuppertal gewartet. Der Bus sei aber überhaupt nicht gefahren.

Auch heute muss Michehl länger warten, aber sein Bus nach Hamburg kommt wenigstens noch. Am Haltepunkt können Einzelreisende abends Probleme mit der Dunkelheit bekommen: Sie meide den kaum beleuchteten Fernbushalt Papierfabrik an diesen Zeiten grundsätzlich, sagte eine junge Frau.

„Bei uns läuft alles problemlos, der Bus ist klimatisiert und WLAN kommt aus der Steckdose“, sagt der 43jährige Michael Harder während einer Zigarettenpause in Kaufungen. Der 43-jährige HSV-Fan hat für zwei Personen von Hamburg nach München nur 38 Euro bezahlt, ein echtes Schnäppchen.

Fernbusreisende sind kühle Rechner: Anwohner aus dem Gewerbegebiet berichten über meist jüngere Fahrgäste, die an der Haltestelle Kupferhammer am Lindenberg aus der Tram aussteigen, um die neue Tarifzone bis zur Papierfabrik - bepackt mit Rollenkoffern und Rucksäcken - auf der Parallelverbindung zur Leipziger Straße zu Fuß zu umgehen.

Die Fernbushaltestelle Kaufungen-Papierfabrik

Noch gibt es die Fernbushaltepunkte in Kassel-Wilhelmshöhe und Kaufungen-Papierfabrik. Ob und wo sie im Zuge der Verschmelzung der vorher selbstständigen Netze von „Mein Fernbus“ und „Flixbus-Reisen“ zusammengelegt werden, ist weiter ungeklärt. Gegen den Haltepunkt Papierfabrik könnten die A 44-Pläne sprechen, die keine Anschluss-Stelle Kassel- Ost mehr vorsehen.

Gegen Wilhelmshöhe spricht der zunehmende Busverkehr durch Kassel. Inzwischen hat auch die Stadt Baunatal Interesse an der Einrichtung eines Fern-Busbahnhofs bekundet.

Das sagt die Gemeinde Kaufungen

Die Infrastruktur an der Fernbushaltestelle im Ortsteil Papierfabrik soll optimiert werden, kündigt Kaufungens Bürgermeister Arnim Roß (SPD) an. „Nach mit uns geführten Gesprächen will das Unternehmen „Mein Fernbus-Flixbus“ eine moderne Haltestellen-Stele aufstellen und ein Wartehäuschen errichten“, sagt er. Die Gemeinde unterstützte die Stärkung der Attraktivität des Verkehrsstandorts. Eine Voraussetzung dafür sei, die andauernde Müllproblematik zufriedenstellend zu regeln

Das sagt Flixbus

„Wir steuern derzeit weiterhin beide Haltestellen an. Zur Verbesserung der Infrastruktur am Haltepunkt in Kaufungen befinden wir uns in sehr erfolgreichen Gesprächen mit der Gemeinde“, sagt Mein Fernbus-Flixbus-Sprecherin Marika Vetter. Man werde einen vollwertigen Haltestellenmast aufstellen und mit der KVG über die Errichtung eines ausgestatteten Haltestellenhäuschens sprechen. Mit diesen und weiteren Schritten soll sich die Wartezeit der Fahrgäste in Zukunft angenehmer gestalten.

Das sagt die Stadt Kassel

Derzeit wird ein Gutachten über einen möglichen Standort für einen Fernbusbahnhof erstellt, teilte die Pressestelle der Stadt Kassel auf HNA-Anfrage mit. Darin werden Standorte beurteilt und eine Empfehlung als Entscheidungsgrundlage erarbeitet, die verkehrliche, städtebauliche, betriebliche Anforderungen und wirtschaftliche Aspekte beinhalte . Man rechne damit, dass das Gutachten im Herbst vorliegen wird, hieß es.

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