Feuerwehr-Unterricht: Kultusminister sagt Nein zu Modellversuch

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Üben für den Ernstfall: An den Schulen im Landkreis wird es nun doch keinen Feuerwehr-Unterricht geben. Foto: dpa

Kreis Kassel. An den Schulen des Landkreises Kassel wird es keinen Feuerwehr-Unterricht geben. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat der Idee von Landrat Uwe Schmidt (SPD), eine feuerwehrtechnische Grundausbildung als Wahlpflichtfach einzuführen, eine Absage erteilt.

Lorz fühlt sich nicht an eine Zusage seiner Vorgängerin Nicola Beer (FDP) gebunden. Sie hatte sich in einem Gespräch mit Landrat Schmidt mit einem Pilotprojekt im Landkreis einverstanden erklärt. Bereits im November 2012 hatte sich die heutige FDP-Generalsekretärin in einem HNA-Redaktionsgespräch offen für einen Modellversuch gezeigt.

Nach Auskunft von Verwaltungssprecher Harald Kühlborn hatte der Landkreis bereits drei Schulen als Modellschulen für den Feuerwehr-Unterricht ins Auge gefasst. Es handelt sich dabei um die Integrierte Gesamtschule Kaufungen, die Willy-Brandt-Schule in Kassel-Oberzwehren (Berufliche Schule) und die Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen. Die Schulen seien ausgewählt worden, weil es dort entweder Lehrer gibt, die selbst Feuerwehrleute sind, oder weil die Schulen bereits Erfahrungen mit entsprechenden Projekten gemacht haben.

In der Begründung seiner Absage, die dieser Tage im Kreishaus einging, wendet sich Kultusminister Lorz gegen die „formale Einführung eines Unterrichtsfachs“. Der CDU-Politiker setzt stattdessen auf die Zusammenarbeit mit Partnern außerhalb der Schule. Zudem befürchtet Lorz, dass durch einen Feuerwehr-Unterricht „Begehrlichkeiten“ bei anderen Hilfsorganisationen nach speziellen Unterrichtsfächern geweckt werden könnten.

Landrat Schmidt reagierte am Donnerstag verärgert auf die negative Nachricht aus Wiesbaden: „Uns sind damit die Hände gebunden und wir können das mit den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis geplante Projekt nicht umsetzen.“

Mit dem Nein von Lorz haben sich auch die Hoffnungen Schmidts und der Brandschützer zerschlagen, über den Feuerwehr-Unterricht das Nachwuchsproblem bei den Brandschützern zu entschärfen. Zahlreiche Wehren haben aufgrund des demografischen Wandels und zahlreicher Alternativangebote für Jugendliche und junge Erwachsene Schwierigkeiten, genügend Einsatzkräfte zu gewinnen. Mit dem erfolgreichen Abschluss des feuerwehrtechnischen Unterrichts wären Jugendliche der Jahrgangsstufe 8 befähigt worden, in die Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehren einzutreten. Der Vorstoß von Landrat Schmidt, der auf einem in Rheinland-Pfalz praktizierten Modell beruht, war über den Landkreis Kassel hinaus auf Resonanz gestoßen.

Von Peter Ketteritzsch

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