Ausgefallene Konstruktionen

Kaufunger Firma spielt beim Stahlbau in der Königsklasse

Das spektakulärste Lamparter-Projekt: die indische Antarktis-Forschungsstation Bharati, die die Kaufunger Stahlbauprofis unter widrigsten klimatischen und logistischen Bedingungen gebaut haben. Foto: nh

Kaufungen. Die geschlossene Fußgängerbrücke, die der Kaufunger Stahlbauspezialist Lamparter derzeit für einen Hamburger Investor baut, ist ein konstruktiver Alptraum. Aber viele Projekte des Familienbetriebs sind Unikate und wie die Kunden architektonisch und technisch meist äußerst anspruchsvoll.

Bei der Fußgängerbrücke handelt es sich um eine 40 Meter lange, bis zu 5,40 Meter breite und 145 Tonnen schwere Koloss aus Stahl und Glas, der einmal zwei Geschäftshäuser miteinander verbinden wird, verjüngt sich wie ein Kegel, hat Gefälle und ist auch noch in sich verdreht. Und als ob das den routinierten Konstrukteuren und Stahlbauern nicht schon genug Kopfzerbrechen bereiten würde, hat das Bauwerk nicht einen einzigen rechten Winkel.

Aber bei Lamparter sind die Beschäftigten konstruktiven Kummer gewöhnt. So haben die Kaufunger unter widrigsten klimatischen und logistischen Bedingungen die indische Antarktis-Station errichtet, das riesige Glasdach des Berliner Ostbahnhofs bei laufendem Betrieb, Fabriken für B.Braun Melsungen, Hochregallager für Volkswagen in Baunatal, Glasfassaden und aufwändige Dachkonstruktionen sowie zahlreiche Fußgänger-, Transport- und Industriebrücken in aller Welt gebaut.

Schweißen macht einen großen Teil der Arbeit beim Lamparter aus. Unser Foto zeigt Erhard Finke. 4 Fotos: Fischer

Wer Lamparter beauftragt, sucht meist eine Lösung, die weltweit nur einige wenige Firmen bieten können. „Das ist manchmal schon ziemlich speziell, was wir machen“, erklärt Geschäftsführer Claus-Peter Hartmann das Geschäftsmodell der Kaufunger Stahlbauprofis. Gemeinsam mit seiner Frau Heika, die den Betrieb 2008 von Vater Adolf Wagner übernommen hat, leitet der Elektroingenieur das Traditionsunternehmen mit 95 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 15 bis 20 Millionen Euro.

Claus-Peter Hartmann

In Kaufungen-Papierfabrik werden die Bauwerke und Komponenten geplant, konstruiert und in mühsamer Handarbeit vorgefertigt. Später helfen bis zu 30 Beschäftigte von Subunternehmen bei der oft schwierigen Montage vor Ort. Denn wenn Lamparter von Kleinteilen spricht, handelt es sich um solche mit mindestens einem Zentner Gewicht. Schwere Einzelteile sind 20 Meter lang und ebenso viele Tonnen schwer. Die Auftragslage bei Lamparter ist gut. Dass es dem Familienunternehmen immer wieder gelingt, sich bei prestigeträchtigen Projekten gegen Wettbewerber durchzusetzen, liegt nach Hartmanns Einschätzung nicht nur an der Stahlbaukompetenz und Zuverlässigkeit sowie an der motivierten Mannschaft, sondern auch am „Mut, über die eigenen Grenzen hinauszugehen“. „Dafür sind wir bekannt“, fügt Heika Hartmann hinzu.

Angemessen honoriert werde dies aber nicht immer. Nach wie vor seien die Preise im Baugewerbe im Keller, was sich negativ auf die Rendite auswirke. Vor Steuern blieben von dem genannten Jahresumsatz meist nur drei Prozent - also 450.000 bis 600.000 Euro - in der Kasse. „Das ist angesichts des hohen unternehmerischen Risikos - etwa wenn ein großer Kunde nicht zahlt - nicht viel“, meint Heika Hartmann.

Hintergrund: Firma 1990 übernommen

1990 übernahm Adolf Wagner (78) mit unternehmerischen Mut und Hilfe eines örtlichen Kreditinstituts das Unternehmen von der Tochter des Firmengründers Heinrich Lamparter. Zuvor hatte der gebürtig aus Binsbach bei Würzburg stammende Bauingenieur Wagner 21 Jahre für Lamparter gearbeitet. Der Firmengründer hatte nach dem Krieg mit Gleisbaureparaturen gestartet. (jop)

Von José Pinto

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