Anderson Holding AG eröffnete Büro in Baunatal – Einzelheiten zu Kooperationen nennt Unternehmen nicht

Firma will Pflegebetriebe übernehmen

Michael Schmidt

Baunatal. Pflege von alten Menschen ist ein Markt, in dem viel Geld zu verdienen, aber auch zu verlieren ist. Die Branche ist umkämpft. Das schafft Raum für Firmen, die aus der harten Wettbewerbssituation ein eigenes Geschäft entwickeln.

So haben Pflegeheime und Pflegedienste, die in eine finanzielle Schieflage geraten sind, in Baunatal einen neuen Ansprechpartner. Seit Kurzem hat ein Büro der Anderson Holding AG aus Berlin eröffnet. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben spezialisiert auf „die Sanierung sowie die strukturierte Übernahme von mittleren und größeren Unternehmen“ aus dem Pflegebereich.

Der sogenannte Social-Support-Point, wie das Büro in Baunatal von der AG genannt wird, dient laut einer Pressemitteilung dazu, logistische Aufgaben für Pflegeheime zu übernehmen, Ziele seien die Entlastung der Heimleiter sowie Kosten- und Personaleffizienz. Einzelheiten zu den Aufgaben nannte das Unternehmen auf Anfrage unserer Zeitung nicht. Auch über die Zahl der Mitarbeiter wurde nichts gesagt.

Die Holding AG sucht nun offensichtlich den Kontakt zu den Anbietern im Pflegesektor der Region. Das sind nicht nur Heime selbst, sondern auch mobile Dienste. Nach eigenen Angaben hat das Baunataler Büro bereits Kooperationsanfragen von zwei mobilen Pflegediensten. „Darüber hinaus haben erste Gespräche über die mögliche Übernahme einer Pflegeeinrichtung mit 21 Betten in Espenau bei Kassel stattgefunden“, heißt es in der Pressemitteilung.

Kürzlich hatte das Berliner Unternehmen in Mitteilungen berichtet, dass es leer stehende Heime in Diemelstadt-Wrexen sowie im Schloss Rhoden übernehmen will. Die Gespräche dazu liefen. Und: In Zierenberg habe Anderson die Betreiberschaft des SWZ Zierenberg seit Februar 2011.

Die Aufsicht über die Heime in Nordhessen hat das Landesversorgungsamt in Kassel, das zum Regierungspräsidium Gießen gehört. Der Heimaufsicht sei die Firma Anderson bekannt, berichtet RP-Sprecherin Gabriele Fischer und bestätigt: Die Holding habe meist Interesse an der Übernahme von Pflegeheimen, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. Probleme mit dem Unternehmen gibt es nach Angaben der Sprecherin keine. „Das läuft relativ geräuschlos.“

Für die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Nordhessen beispielsweise ist die Vergabe von Management-Aufgaben an einen Dienstleister kein Thema. Die Awo betreibt in der Region 21 Altenpflegeheime. „Das sind Kernaufgaben, die ein großer Träger selber wahrnehmen muss“, sagt Awo-Geschäftsführer Michael Schmidt.

Schmidt berichtet davon, dass die Awo häufig Angebote von Beratungs- und Managementfirmen bekomme. „Die gibt es wie Sand am Meer“, sagt er. „Das ist ein Riesenmarkt geworden von Dienstleistern.“

Und wie sieht es bei der Awo mit der Ausgliederung einzelner Bereiche aus? Ausgelagert hat der Träger lediglich die Bereiche Verpflegung und Reinigung an die Betriebsgastronomie und Heimversorgung GmbH (BHV) in Knüllwald. Die allerdings ist eine hundertprozentige Tochter der Awo. www.anderson-holding.com

Von Sven Kühling

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