Stromnetze: Gäste aus Baden plädierten vor 80 Zuhörern für Eigenständigkeit bei der Energieversorgung

Flink am Markt mit Mut zum Risiko

H. Reinbold-

Baunatal. Übernimmt ein Verbund aus 24 Kommunen in der Region deren Stromnetze? Gründen diese Gemeinden mit dem bisherigen Netzbetreiber Eon- Mitte ein Versorgungswerk? Oder kommen doch neue Bewerber zum Zuge? Darüber wird in Kürze entschieden.

Die Befürworter eines Netzbetriebs unter kommunaler Regie bekamen am Montag Rückenwind. Gäste aus Baden berichteten während einer von der Stadt Baunatal, der Energieagentur 2000, der Klimaanpassungsakademie und der Gemeinde Habichtswald organisierten Vortragsreihe im Rathaus vor 80 Gästen aus Kommunalpolitik und Verwaltung von ihren Erfolgen beim Aufbau einer eigenständigen Energieversorgung: Hannelore Reinbold-Mench, Bürgermeisterin der 4200-Einwohner-Gemeinde Freiamt (Schwarzwald), schilderte, wie ihre Kommune mithilfe einer privaten Initiative ihre Energie selbst erzeugt und sogar einen Überschuss erwirtschaftet. Der Bau von Windrädern, Fotovoltaik- und Biogasanlagen fülle den Gemeindesäckel mit Steuer- und Pachteinnahmen.

Das Interesse des Publikums aus der Region richtete sich vor allem auf Dieter Nagel, den Geschäftsführer der Stadtwerke Waldkirch, einer 20 000-Einwohner-Stadt in Südbaden. Den Preis für das Stromnetz habe man um etliche Millionen Euro herunterhandeln können und die Mehrzahl der Konzernkunden übernommen, berichtete er. Die Übernahme des Stromnetzes berge sowohl Chancen als auch Risiken, sagte Nagel. Seine Werke handelten nach dem Motto, flink wie ein Wiesel zu agieren und ständig neue Marktnischen zu suchen.

Bernd Brede von den Grünen Fuldabrück und Wolfgang Ehle von der Grünen Liste Helsa wollten von den Gästen aus Baden wissen, wie der angeblich drohende Verlust von Arbeitsplätzen beim bisherigen Netzbetreiber Eon-Mitte einzuschätzen sei. Reinbold-Mench und Nagel rieten zu Gelassenheit. Man solle genau hinschauen, wie viele Mitarbeiter im Netzbetrieb tätig seien, meinte Nagel. Und fachkundiges Personal benötige ja auch die Gemeinde, wenn sie das Netz selbst betreibe.

Wer denn überhaupt ein geeigneter Partner für die Gemeinden sei, wollten Martin Rühl, Chef der Wolfhager Stadtwerke, und Horst Schaub von der Offensive Schauenburg wissen. Großkonzerne gehörten eher nicht dazu, antwortete Nagel. Die schauten vor allem auf eine hohe Rendite. Fotos:  Dilling

Von Peter Dilling

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