Diskussion der BI Frackingfreies Hessen

Fracking: Politiker in Vellmar in der Kritik

Menschenkette gegen Fracking: Der Widerstand, hier durch eine Menschenkette, wächst.

Vellmar. Die Gefahr, dass in Nordhessen Erdgas mithilfe von Wasser, Sand und Chemikalien aus tiefem Schiefergestein herausgepresst wird (Fracking) und das Grundwasser gefährdet, ist einstweilen gebannt: Umweltministerin Lucia Puttrich hat Erkundungsbohrungen des Unternehmens BNK untersagt, das gegen die Entscheidung geklagt hat.

Dennoch sind viele Bürger besorgt, die umstrittene Technik könnte gewissermaßen durch die Hintertür doch noch eingeführt werden.

Rainer Zawislo

Das wurde vorgestern während einer von der Bürgerinitiative (BI) Frackingfreies Hessen organisierten Diskussion mit geschätzten 150 Besuchern und Parteienvertretern im Bürgerhaus Vellmar-West deutlich. Auf dem Podium fehlten eingeladene Vertreter der CDU und der FDP.

Viele Wortführer forderten „klare Kante“ gegen alle Spielarten dieser Ausbeutungstechnik. Denn selbst wenn es gelänge, ohne Chemikalien das Gas herauszupressen, gäbe es noch Umweltschäden. Diese klare Linie ließen einige Parteien vermissen. „Man muss an der Demokratie zweifeln, weil sich Politiker trotz des Drucks der Bevölkerung nicht klar von Fracking distanzieren“, sagte Henner Gröschner von der BI.

Henner Gröschner

Die Aktivistin Katharina Levin kritisierte „Diskussionen um Feinheiten“. Fracking müsse schlicht verboten werden. Der Bergbauexperte Rainer Zawislo, ehemals Mitarbeiter des hessischen Bergamts, warf den Grünen vor, einige ihrer Politiker seien für das Thema „nicht ausreichend sensibilisiert“, vor allem da, wo sie mitregierten, in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen. „Bei Fracking gibt es bei mir keine Kompromisse“, wies der Grünen-Landtagskandidat Edmund Borschel (Baunatal) die Kritik zurück. Die Politik habe schon zu lange vor der Industrie gebuckelt.

Wie Borschel versicherten auch Timon Gremmels, Landtagskandidat der SPD, Norbert Domes, Bundestagskandidat der Linken, Bundestagskandidat Volker Berkhout von den Piraten und Malte Fehling, Landtagskandidat der Freien Wähler, sie seien ohne Wenn und Aber gegen jede Form von Fracking. Gremmels räumte ein, das sei in seiner Partei bundesweit noch nicht die einheitliche Linie. Die Freien Wähler wollten Fracking in Ausnahmefällen erlauben, sagte Fehling. Die Hessen-SPD werde auf Bundesratsebene eine Initiative gegen Fracking starten, kündigte Gremmels an. Er befürchte, die schwarz-gelbe Landesregierung spiele bei dem Thema nur auf Zeit.

Katharina Levin

Die Linken wollen im Landtag beantragen, durch die Änderung einer Landesverordnung im Bergrecht die umstrittene Schürftechnik zu verbieten, kündigte Spitzenkandidat Domes an. Dadurch könnten künftig ein Tauziehen vor Gericht und Schadenersatzforderungen vermieden werden.

Von Peter Dilling

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