Mütter Behinderter halten nichts von Neubau-Plänen der Baunataler Diakonie

Mit Fragen allein gelassen

Besorgte Mütter: Jutta Lang (links) aus Grebenstein und Beate Bobke aus Ahnatal machen sich Sorgen um die Zukunft ihrer Söhne. Diese leben in den Wohnstätten für Behinderte in Hofgeismar. Foto: Maiterth

AHNATAL. „Das ganze Projekt ist ökonomischer Wahnsinn“, sagt Jutta Lang aus Grebenstein zu den Plänen der Baunataler Diakonie. Als Trägerin der Wohnstätten für Behinderte in Hofgeismar und Burguffeln plant die Diakonie, die Zahl der jetzigen Plätze zu dezimieren (wir berichteten). Dafür sollen an neuen Standorten Wohnstätten geschaffen werden. Gefördert wird sie von der Aktion Mensch. Diese unterstütze aber nur Projekte, deren Ziel die Dezentralisierung der Standorte sei und nicht deren Renovierung, sagt die Grebensteinerin weiter.

Lang steht diesen Plänen sehr skeptisch gegenüber. Ihr Sohn Benjamin Persch (33) lebt seit über zehn Jahren in den Hofgeismarer Wohnstätten. Er teilt sich eine Wohnung mit drei anderen behinderten Menschen. Einer von ihnen ist Jan Bobke (31).

Seine Mutter Beate lebt in Ahnatal. Sie ist genauso wie Jutta Lang der Meinung, dass Hofgeismar für Behinderte mehr als nur ein perfekter Standort ist. Sie wohnen da, wo ihre Arbeit ist. Ihre Freizeit können sie sich selber gestalten. Das heißt, der Besuch des Schwimmbades oder eine Zugfahrt nach Kassel ist ohne fremde Hilfe möglich. Sie können alleine einkaufen gehen, sind in der Stadt bekannt, gehören dazu. Müssten sie nun weg von hier und in kleineren Wohneinheiten leben oder gar alleine, bestehe die Gefahr der Vereinsamung. Das wiederum könne zu Depressionen führen.

Über die Pläne wurden die Eltern am 8. Dezember in Kenntnis gesetzt. Doch informiert fühlte sich Lang nicht: Viel Widersprüchliches, nichts Konkretes. Alles habe man den Verantwortlichen aus der Nase ziehen müssen. Zunächst habe es geheißen, es gebe keine genaue Planung. Dann standen die Standorte Wolfhagen, Bad Karlshafen, Oberweser, Vellmar und Immenhausen doch fest.

Thomas Helmstetter, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei der Diakonie, sagte in einem Interview in unsere Zeitung, sie gingen davon aus, dass die „Veränderung auf Basis der Freiwilligkeit umzusetzen ist“. Wie das passieren soll, kann Lang nicht sagen. Von den 60 bis 70 Eltern. die beim Infoabend waren, sei keiner dafür gewesen. Sie und Bobke fragen sich, wer die Fahrkosten von der Wohnung zur Arbeit übernimmt? Werden dafür Betreuungsstunden wegfallen oder gibt es mehr Personal? Wo sind die Betroffenen, die sich wohnortnahe Betreuung wünschen? Wieso wird an Stelle ein Renovierung neu gebaut? Warum müssen die Standorte außerhalb Hofgeismars – dem Arbeitsort - liegen? Welche Häuser sind betroffen? Warum wurden nicht zuerst die Bewohner informiert? Fragen über Fragen.

Lang und Bobke wünschen sich von der Diakonie Offenheit und Klarheit. (zrk)

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