SPD und CDU halten Bürgervotum  für verfrüht

Nahversorgung  Heckershausen: Fraktionen gegen Begehren

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Führt einen kleinen Einkaufsmarkt: Lydia Ronshausen in ihrem Geschäft im Ortskern von Weimar, das über lediglich 190 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügt.

Ahnatal. Wie eine Nahversorgung der Menschen in Heckershausen einmal aussehen kann, sei völlig offen. „Es ist noch nichts entschieden.“ Dies betonen Gerhard Rübenkönig (SPD), Vorsitzender der Gemeindevertretung, sowie Thomas Dittrich-Mohrmann von der SPD-Fraktion, Rüdiger Reedwisch von der CDU-Fraktion und auch Bürgermeister Michael Aufenanger (CDU).

Die Parlamentarier kritisieren die Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen den Bau eines Supermarktes am westlichen Ortsrand. Zu diesen gehören mit Birgit Hupfeld und Gerlinde Schaub zwei Gemeindevertreterinnen der Grünen. Diese hätten, so SPD und CDU, auch jenen Antrag beschlossen, die Frage der Nahversorgung zu prüfen.

Dabei geht es einmal um eine mögliche Zukunft des bestehenden Edeka-Marktes im Ortskern und alternativ um die Pläne eines Investors, unweit des Kreisels an der Rasenallee einen neuen Vollsortimenter zu bauen. Dort ist die Rewe im Gespräch.

Mit der Fragestellung zum Bürgerbegehren werde eine Entscheidung pro Rewe-Markt suggeriert. Dadurch würden „die Bürger mit falschen Informationen aufgewiegelt und ein Widerstand wider besseres Wissen“ aufgebaut, meint Reedwisch. Dies führe inzwischen zu einer Stimmung im Ort, „als wollten wir Edeka nicht mehr“, meint Rübenkönig. Dies sei aber nicht der Fall.

Seit 2012 habe man Edeka um Stellungnahme gebeten, wie es mit dem Markt in Heckershausen weitergehen soll, wenn dessen jetziger Betreiber im Sommer 2014 aufhöre. Erst vor wenigen Wochen seien Pläne präsentiert worden. „Wir haben Zweifel, dass diese die geforderte Verbesserung des Angebots beinhalten“, sagt Reedwisch.

Wie geht es weiter?: Noch plant Edeka, den Markt in Heckershausen nach einer Renovierung im Sommer 2014 weiter zu betreiben.

SPD und CDU haben den Eindruck, dass Edeka überhaupt erst reagierte, nachdem es die Pläne mit Rewe gab. Jetzt habe man für Heckershausen Alternativen. Und genau diese sollte die Verwaltung jetzt prüfen. Dabei auch bei übergeordneten Stellen wie dem Zweckverband Raum Kassel und der Regionalversammlung anfragen, ob ein neuer Vollsortimenter überhaupt am Kreisel gebaut werden könne.

Diese Frage müsse geklärt und auch die Pläne der Edeka und des Investors in Kooperation mit Rewe konkretisiert werden. Erst dann könne fundiert über die künftige Nahversorgung Heckershausens diskutiert und in einer Bürgerversammlung offengelegt werden. „Hier wird nicht irgendetwas abseits der Bevölkerung durchgedrückt“, betont Dittrich-Mohrmann.

Letztlich geht es laut Bürgermeister darum, die Nahversorgung Heckershausens sicherzustellen. Ob Edeka im Ortskern oder Rewe am Kreisel, „beide Varianten haben Vor- und Nachteile“. Klar sei aber auch, die Zeit dränge. Aufenanger: „Zur Februarsitzung der Gemeindevertretung sollte die Richtung klar sein.“ Archivfotos: Fischer / Kisling

Das sagen die Initiatorinnen

Mit dem Bürgerbegehren wolle sie die Ahnataler rechtzeitig auf die Diskussion um die Heckershäuser Nahversorgung aufmerksam machen, sagt Birgit Hupfeld, Initiatorin des Bürgerbegehrens gegen einen neuen Supermarkt. „Mit ihrer Unterschrift haben die Bürger die Möglichkeit, deutlich zu machen, was ihnen wichtig ist“, meint Hupfeld. Von falscher Information könne keine Rede sein.

Bereits vor der Abstimmung im Parlament habe sie das Bürgerbegehren den Fraktionen angekündigt, sagt Gerlinde Schaub. Und dies nicht als Grüne, sondern als Bürgerin. Anders als SPD und CDU haben Hupfeld und sie eine klare Position, „wir wollen einen Markt im Ort und keinen vor dem Dorf“. (mic) Archivfotos: Fischer

1000 Artikel auf kleiner Fläche

Edeka Ronshausen lebt von Stammkunden

auch auf kleiner Fläche lässt sich ein Einkaufsmarkt wirtschaftlich betreiben. Dies zeigt Lydia Ronshausen mit ihrem Geschäft im Zentrum Weimars, unmittelbar neben dem Rathaus. Nur 190 Quadratmeter stehen der 56-jährigen Geschäftsfrau für ihr Warensortiment zur Verfügung. Dies umfasst laut Ronshausen 1000 Artikel einschließlich frischem Obst und Gemüse, Getränken und Drogerieprodukten.

Vor neun Jahren kaufte die Familie die ehemalige Scheune, baute sie zu einem Laden um. Lydia Ronshausen führt ihren Markt als private Händlerin, die aber von der Edeka mit Waren beliefert wird. Sie hat vier Angestellte, von denen drei auf 450-Euro-Basis arbeiten.

Und wie funktioniert dieser kleine Laden? „Wir leben von unseren Stammkunden“, sagt die Geschäftsfrau. Viele seien ältere Menschen, die zu Fuß zum Geschäft kämen. Diese schätzten ihren Service einschließlich Bringdienst und den persönlichen Kontakt. Lydia Ronshausen: „Man muss auf die Leute eingehen.“ (mic)

Von Michael Schräer

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