Schäfermeister freut sich über „Frühling“

Frank Plötzer lebt für die Schafe: Herde wächst um 1000 Lämmer

Schäfer mit Leib und Seele: Seit 1977 ist Frank Plötzer rund ums Jahr mit seinen Schafen und Hunden unterwegs. An der Seite des 55-Jährigen die Schäferhunde Cina (vorn) und Eddi.

Niestetal/ Kassel. Da freuen sich die Schafe: Blauer Himmel, über zehn Grad warm, das grüne Gras auf der großen Wiese zu Füßen des Müllheizkraftwerkes Kassel schmeckt nach Frühling und füllt den rund 800 Tieren problemlos die Bäuche.

„Schau mal da hinten“, sagte Schäfer Frank Plötzer in ruhigem Plauderton zu seiner Altdeutschen Schäferhündin Cina. Die schnürt entspannt los und scheucht die Schafe, die sich auf die falsche Seite des Fuldaradweges zwischen Sandershausen und Kassel gewagt hatten, zurück zur Herde.

Der wettergegerbte 55-Jährige, der rund ums Jahr mit seinen Tieren zwischen Karls aue und Hessisch Lichtenau unterwegs ist, ist mit dem bislang so milden Winter zufrieden, hätte es aber schon gern etwas kälter: „Wenn es leicht gefroren ist laufen die Schafe besser, bleiben sauberer und bringen nicht so viel Dreck auf die Straßen.“

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Allerdings rechnet der naturerfahrene Schäfer nicht damit, dass der Winter schon gelaufen ist. „Wenn es bei den Amis richtig kalt ist, haben wir die Kälte meist vier Wochen später bei uns“, sagt er. Bei 30 bis 40 Grad Minus an der US-Ostküste könnte da ja noch etwas auf uns zukommen.

Etwa seit Weihnachten kommen die Lämmer auf die Welt, am Ende könnte die Herde um gut 1000 kleine Schafe anwachsen, denn viele Zwillinge sorgen für eine durchschnittliche Reproduktionsquote von 1,8 in der Schafherde. Nur zehn Prozent aber, so Plötzer, bleiben bei der Herde, die anderen landen als die sprichwörtlichen Osterlämmer auf den Festtagstischen.

In den nächsten Tagen wird Plötzer mit seinen Tieren auf die andere Fuldaseite nach Wolfsanger wechseln und dann in die Karlsaue ziehen. Für Cina (3) und den schwarzen Eddi (1), seine Altdeutschen Hütehunde, bedeutet das Schwerstarbeit, die 800 Tiere sicher am Verkehr entlang zu führen. „Ohne die beiden wäre ich erschossen“, lacht Plötzer, der sein ganzen Leben den Schafen gewidmet hat.

Ab dem Frühling betreibt er mit seinen Schafen, deren Heimatstall im Melsunger Stadtteil Günsterode steht, Landschaftspflege - und wird dafür bezahlt. „Die Schafe fressen nur die guten Gräser, treten die Mauselöcher zu und halten sogar die Wildschweine fern. Schafe und Schweine vertragen sich nicht.“ Augenzwinkernd gibt er die alte Schäferregel preis: „Schafe haben den goldenen Biss, den goldenen Tritt und den goldenen Schiss.“

Von Thomas Stier

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