Weg nach Vellmar ohne Radweg

"Ich fahre mit Angst los": Mängel an Sicherheit für Radfahrer auf Kreisstraße

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Wünschen sich mehr Sicherheit für Radfahrer: Greta Heß (links) und ihre Mutter Monika Heß, hier an der Kreisstraße zwischen Espenau-Mönchehof und Vellmar. 

Espenau/Vellmar. Monika Heß aus Espenau-Mönchehof radelt in den Sommermonaten gern bis zur Tram-Haltestelle Vellmar-Nord. Doch damit setzt sie sich täglich gefährlichen Situationen auf der Kreisstraße 35 aus.

„Ich fahre jeden Morgen mit Angst zu Hause weg. Viele Autos überholen so dicht, dass ich sie berühren könnte“, sagt Monika Heß. Auch ihre Tochter Greta Heß (26) macht sich Sorgen: „Sobald ich an der Arbeit bin, schreibe ich meiner Mutter jeden Morgen eine E-Mail, ob alles gut gegangen ist.“ Beide fragen sich, warum die Gemeinde nicht für mehr Sicherheit für Radfahrer auf der Kreisstraße sorgt – zum Beispiel mit einem Fahrradweg. „Ich habe schon dem Bürgermeister geschrieben, aber der hat mich vertröstet mit Dingen wie Planung und Finanzen“, berichtet Greta Heß.

Espenaus Bürgermeister, Carsten Strzoda (parteilos), habe stattdessen zwei Alternativrouten vorgeschlagen. „Nachmittags fahre ich auch übers Feld, aber morgens fehlt dafür die Zeit“, sagt Monika Heß. Über die Kreisstraße sei sie in zehn Minuten an der Haltestelle der Linie 1.

Im Ortsteil Hohenkirchen werde die Straße nach Grebenstein ausgebaut, auch für Radfahrer. Für Mutter und Tochter ist es ein Rätsel, warum das in Mönchehof nicht möglich ist. Natürlich könnte Monika Heß den Bus nehmen. Dann wäre sie aber deutlich später an ihrem Arbeitsplatz, sagt sie. „Außerdem sitze ich sowieso schon den ganzen Tag im Büro.“

Christian Steltmann, Leiter des Bauamtes in Espenau, bestätigt, dass es den Wunsch nach einem Fahrradweg auf der Kreisstraße zwischen Espenau und Vellmar gibt: „Dem gehen wir nach.“ Die Gemeinde Espenau habe vor einigen Monaten „einen Antrag auf Bezuschussung für Radwegeplanung an den Landkreis Kassel“ gestellt. Dabei seien Planungskosten für Radwegeverbindungen ermittelt worden. Für den Radweg entlang der Kreisstraße zwischen Espenau und Vellmar liege der Kostenanteil bei rund 200 000 Euro. Dieser Betrag gelte nur für den auf dem Gemeindegebiet liegenden Anteil.

Die Kosten seien derzeit nur grob zu ermitteln. Denn: Weder die genaue Trassenführung noch die Grundstücksverhältnisse und die Überquerung der Bahnstrecke seien eindeutig geklärt. Ob der Radweg tatsächlich entstehen wird, könne man derzeit noch nicht sagen.

Für die Stadt Vellmar ist der Radweg aktuell kein Thema – das berichtet Karsten Milzarek-Staub, Kämmerer in Vellmar, der urlaubsbedingt den Bürgermeister vertritt. Im Rathaus habe man noch nicht darüber gesprochen und wisse auch erst seit vergangener Woche von dem Wunsch nach einem Radweg. „Die Stadt Vellmar hat einen deutlich höheren Anteil an der Kreisstraße“, so Milzarek-Staub. Deshalb werde der Kostenanteil vermutlich auch den der Gemeinde Espenau übersteigen.

Für Monika Heß heißt das: Sie muss vorerst weiter auf der engen Straße nach Vellmar radeln. Sicherheitshalber nur noch mit Helm, Licht und Warnweste.

Das sagt der Landkreis: „Kostenermittlung läuft bereits“

„Es erscheint grundsätzlich möglich, entlang der K 35 einen Radweg einzurichten“, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel. Dafür wären allerdings erhebliche Bauarbeiten nötig, weil die Kreisstraße relativ schmal sei. Ein Radfahrstreifen auf der Fahrbahn müsste eine gewisse Breite, etwa 1,60 Meter, aufweisen und sollte auf der freien Strecke mindestens durch eine Leitplanke zur Fahrbahn getrennt sein. Außerdem müssten Verhandlungen mit den Landwirten geführt werden, deren Fläche in Anspruch genommen werden würde. „Ein weiterer Aspekt, auch im Hinblick auf die Kosten, ist die Überführung der Bahnlinie. Das vorhandene Bauwerk müsste mindestens verbreitert werden“, fügt der Landkreissprecher hinzu. Die Gemeinde Espenau und die Stadt Vellmar müssten vorab den Bedarf ermitteln. Kühlborn verweist auf Espenaus Bürgermeister Carsten Strzoda, „da es bei der Gemeinde bereits eine Kostenermittlung zu diesem Thema gibt und sie sich mit der Stadt Vellmar in Abstimmungsgesprächen befindet.“ Für die Finanzierung seien Espenau und Vellmar zuständig, beim Landkreis könne jedoch ein Planungszuschuss beantragt werden.

Alternative: Feldwege nutzen

Um mit dem Rad von Espenau nach Vellmar zu gelangen, gibt es laut Landkreissprecher Harald Kühlborn Alternativen zur Kreisstraße: Zwischen Espenau-Mönchehof und Vellmar-Nord gebe es Wirtschaftswege, die mit dem Fahrrad gut befahren werden könnten. „Einerseits kann man den Mönchehofer Weg befahren, der dann in Vellmar in die Nordstraße mündet. Hier kann man die Haltestelle Nordstraße erreichen.“ Die Fahrtstrecke betrage etwa 3,2 Kilometer. Andererseits könne man auch die Strecke über die Elsche nehmen, um dann über die Nicolaistraße in Vellmar zur Haltestelle Musikerviertel zu gelangen. Diese Wegstrecke betrage rund 2,7 Kilometer und sei somit in etwa so lang wie die Fahrtstrecke über die Kreisstraße bis zur Endhaltestelle in Vellmar.

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