Frauen sind in Kommunalpolitik unterrepräsentiert

Von Männern dominiert: In den Parlamenten im Landkreis Kassel sitzen nach wie vor nur wenige Frauen. Die selbst auferlegte Frauenquote von CDU, SPD und Grünen wird daher nur zur Hälfte erfüllt. Foto: dpa

Kreis Kassel. Während der Frauenanteil in der Bundes- und Landespolitik stetig steigt, werden die Parlamente im Landkreis Kassel weiterhin klar von Männern dominiert.

Zwar beabsichtigen die großen Parteien seit einigen Jahren, den Frauenanteil über eine Quotenregelung zu erhöhen, bisher jedoch nur mit mäßigem Erfolg.

CDU-Kreisvorsitzender Frank Williges ist überzeugt, dass beim Kreisparteitag Ende des Jahres eine Vorschlagsliste für den Kreistag verabschiedet wird, auf der ausreichend Frauennamen stehen werden - laut Quote soll jedes dritte Mandat an eine Frau gehen.

„Probleme haben wir eher bei den Stadt- und Gemeindeparlamenten“, so Williges. Einige Verbände täten sich schwer, generell Leute für die Kommunalpolitik zu begeistern.

In der Baunataler Stadtverordnetenversammlung ist der Anteil an Frauen bei der Wahl 2011 erheblich gestiegen: Von den 45 Mitgliedern sind 17 weiblich. Dies entspricht einem Anteil von 37,78 Prozent. In den beiden vorangegangenen Legislaturperioden saßen nur elf (24,44 Prozent) beziehungsweise 2006 zehn Frauen (22,22 Prozent) im Parlament.

Mit drei weiblichen von sechs Stadtverordneten schaffen es die Grünen als einzige Partei, ihre selbst auferlegte Quote von 50 Prozent zu erfüllen. „Bei uns muss man kein Mitglied der Partei mehr sein, um für die Grünen zu kandidieren“, erklärt Edmund Borschel, Vorsitzender der Grünen in Baunatal. Die offene Liste, für die sich der Ortsverband entschieden hat, stoße auf große Zustimmung.

Mit 21,62 Prozent Frauenanteil sieht es in Vellmar schlechter aus: Acht Frauen von 37 Mitgliedern sitzen dort in der Stadtverordnetenversammlung. In den vorangegangenen Legislaturperioden waren es neun (2006) und acht (2001).

„Generell haben wir mehr Frauen in der Partei, nur wollen die nicht auf die Liste“, sagt Vellmars Bürgermeister Manfred Ludewig (SPD). Drei der 21 Sozialdemokraten (14,29 Prozent) in der Stadtverordnetenversammlung sind weiblich. „Frauen setzen oft andere Schwerpunkte, sind in der Kirche oder im Sportverein aktiv und haben dazu noch Familie.“

Es liege nicht daran, dass sie die Quote nicht erbringen wollen: „Wir haben nur nicht genug Frauen“, sagt Walter Brück, Vorsitzender der SPD in Vellmar. Für die Wahl 2016 habe man nun sieben Frauen unter den 37 Kandidaten. „Wir werden unsere Quote in der Stadtverordnetenversammlung deutlich erhöhen.“

Beim Unterbezirksparteitag der SPD wurde die Frauenquote sogar in die Satzung übernommen. Damit ist die 40-Prozent-Quote, die sich die SPD auferlegt hat, nicht länger freiwillig, sondern für künftige Nominierungen Pflicht.

Ein Blick auf den Anteil von Kommunalpolitikerinnen in Lohfelden zeigt ein recht kontinuierlich hohes Ergebnis: Mit 14 Frauen von 37 Gemeindevertretern sitzen 37,84 Prozent weibliche Mitglieder in der Versammlung. 2001 und 2006 waren es mit je 15 sogar 40,54 Prozent.

Mit fünf Frauen bei acht Parlamentariern (62,5 Prozent) kann die CDU den größten Anteil vorweisen. „Wir sind froh darüber, engagierte Frauen zu haben, die sich aktiv einbringen“, sagt Reiner Franz, Vorsitzender der CDU Lohfelden.

Frauen hätten leider das Handicap, dass sie wegen Familie und Kindern immer jemanden finden müssten, der für sie einspringt.

Hintergrund: Grüne erfüllen Soll fast immer

Die CDU strebt in politischen Gremien einen Frauenanteil von 33 Prozent an, die SPD orientiert sich an einer 40-Prozent-Quote, die Grünen wollen eine paritätische Besetzung. Die Realität in den Parlamenten des Landkreises Kassel sieht anders aus. (gsk) Hier eine Auswahl:

• Ahnatal: SPD - 13 (davon 3 Frauen), CDU - 10 (2), Grüne - 7 (4), LWG - 1 (0)

• Baunatal: SPD - 28 (11), CDU - 10 (2), Grüne - 6 (3), FDP - 1 (1)

• Kaufungen: SPD - 14 (6), CDU - 13 (3), Grüne - 5 (3), WG - 5 (1)

• Lohfelden: SPD - 21 (7), CDU - 8 (5), Grüne - 5 (1), WG - 5 (1)

• Vellmar: SPD - 21 (3), CDU - 9 (3), Grüne - 6 (3), FDP - 1 (0).

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