Ehemaliges Gasthaus an der Altenbaunaer Straße marode – Eigentümer wollen es demnächst abreißen lassen

Freitags Saal nicht mehr zu retten

Gut gelaunt: Die Gaststätte Baunsberg und Freitags Saal boten über Jahrzehnte Platz für Feiern. So wie hier im Jahr 1964 für die Chorvereinigung Altenritte, die ihr 100-jähriges Bestehen beging. Archivfoto: Dolle/nh

Baunatal. Unzählige Hochzeitspaare tanzten ins Glück. Trauernde schluchzten beim Leichenschmaus. Und jede Menge Leute saßen an der Theke – mit fröhlichem oder mit ernstem Gesicht. Das war egal. Freitags Saal und die Gaststätten Baunsberg sowie später Pyramide gehörten über 100 Jahre zum Ortsbild Altenrittes. Jetzt soll das marode Haus an der Altenbaunaer Straße abgerissen werden.

Johanna und Martin Jakob haben das Gebäude im Juli gekauft. Es sei zwangsversteigert worden, berichtet Johanna Jakob, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt. Der Komplex sei in schlechtem Zustand. Es drohte, „dass der Putz des Hauses auf die davorstehenden Autos bröckelt“, sagt die 32-jährige Steuerberaterin. Eher noch schlimmer das Bild im Innern. „Das Haus ist leer“, sagt Jakob. „Es fällt in sich zusammen. Die Böden sind wellig und feucht. Es stinkt bestialisch.“

„Mieter schützen“

Für die Familie steht fest: Das Haus mit dem legendären Freitags Saal ist nicht mehr zu retten. „Wir werden es abreißen.“ Damit wolle man zumindest die eigenen Mieter in dem direkt angrenzenden Haus schützen, erläutert Johanna Jakob. „Und unter Denkmalschutz steht es auch nicht.“

Weithin bekannt

Erbaut wurde das Haus an der Altenbaunaer Straße im Jahr 1892 von Heinrich Diegler. In den folgenden 100 Jahren wechselten die Eigentümer mehrfach. Lange Zeit gehörte das Gebäude einer Familie Freitag, wodurch der Saal auch seinen weithin bekannten Namen bekam, allerdings nicht zu verwechseln mit dem ehemalige Gasthaus Freitag in Altenbauna. In den 80er-Jahren verschwand die Bezeichnung Gasthaus Baunsberg, der Betrieb im Stadtteil Altenritte hieß später Pyramide. Doch auch diese Tradition ging zu Ende. Mitte 2009 schloss Pächter Gunnar Sendker die Kneipe zum letzten Mal ab.

In dieser Zeit sollte das Gebäude schon einmal zwangsversteigert werden. Allerdings fand der Besitzer damals noch keinen Käufer.

Das hat sich im vergangenen Sommer geändert. Wie es nach dem Abriss weitergeht, kann Johanna Jakob jetzt noch nicht sagen. Es könne sein, dass in zwei, drei Jahren ein neues Haus auf dem Grundstück gebaut werde, sagt sie. „Es kann aber auch sein, dass wir das Grundstück weiterverkaufen.“ HINTERGRUND

Von Sven Kühling

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