Die Künstlergruppe Young Americans vermittelte Schülern Spaß an Tanz und Gesang

„Freude pur, Leben pur“

Einer macht es vor, alle anderen machen es nach: Die Sprachbarriere ist beim dreitägigen Musical-Workshop kein Hindernis. Fotos: Deppe

Lohfelden. Wenn pubertierende Jungen und Mädchen vor ihren Klassenkameraden ausgelassen singen und tanzen, ist das wohl eher ungewöhnlich. In der Lohfeldener Söhre-Schule war das am vergangenen Wochenende hingegen Normalzustand.

Dort waren die Young Americans zu Gast – eine Gruppe junger US-Amerikaner, die die Schüler in einem dreitägigen Kurs für ein Mini-Musical trainieren. Zu Hits von Showgrößen wie Elvis Presley, James Brown oder Chubby Checker wurden Gruppenchoreographien eingeübt. 148 Schüler machten bei dem Workshop mit.

„Das ist Leben pur, Freude pur. Jeder Schüler tankt hier unheimlich viel Selbstbewusstsein“, sagt Bianka Tiedtke-Albrecht, Rektorin an der Söhre-Schule. Warum das so ist, wird schon bei den Proben klar, denn: Kneifen gilt hier nicht. Das Motto des Künstlerkollektivs ist: „Jeder kann singen, jeder kann tanzen!“ Probleme mit den unterschiedlichen Sprachen gibt es im Workshop nicht. Gelernt wird hier durch Nachahmen, kommuniziert notfalls mit Händen und Füßen. Verschnaufpausen wurden während der Proben keine gegönnt. „Arbeit ist Arbeit, Pause ist Pause,“ sagt Tänzerin Kristina Sampson.

Aus verschiedenen Ländern

Die 45 Mitglieder der Künstlergruppe stammen zwar aus verschiedenen Ländern wie den USA, England oder den Niederlanden. Gelernt haben sie aber gemeinsam im kalifornischen Corona am Young Americans College of Performing Arts. Zehn Wochen touren sie in diesem Herbst durch Deutschland, Holland und Estland. Nur drei bis vier Tage bleiben sie an einem Ort. In Lohfelden sind sie jeweils in Kleingruppen in Familien untergekommen.

Auch wenn schon das Zuschauen bei den Proben Spaß macht, ist der Workshop für die jungen Choreographen harte Arbeit. „Schüler sind häufig schnell zu begeistern.

Wenn wir mit unserem Projekt in ein Jugendgefängnis gehen, dauert es viel länger, bis die Teilnehmer Vertrauen fassen und sich öffnen“, sagt Corinna Kondermann, eine von drei Deutschen im Team. Die 22-jährige Kasselerin hat selbst als Teilnehmerin des Projektes angefangen. Früher sei sie sehr schüchtern gewesen, sagt sie. Das Projekt habe ihr geholfen, Selbstbewusstsein aufzubauen. Ein Jahr lang hat sie selbst in Corona studiert und wurde so Teil der Gruppe.

Trotz der langen Touren bleibt das Projekt für die jungen Tänzer und Sänger ein Hobby, die Reisen bezahlen sie teilweise selbst. „Geld bekommen wir dafür nicht,“ sagt Corinna Kondermann, „das muss man schon aus Leidenschaft machen.“

Von Lasse Deppe

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