Gemeinde Fuldatal versucht, durch neue Bestattungsformen und Pflegekonzepte die Kosten zu verringern

Friedhöfe sorgen für ein Defizit

Wechselcontainer für Abfall: Uwe Vondermühl, Leiter des Baubetriebshofs, auf dem neuen Friedhof Simmershausen. Bisher wurde zum Beispiel Grünabfall von oben in die Abraum-Boxen geworfen. Künftig sollen wie links zu sehen Container, allerdings in größerer Ausführung, aufgestellt werden. An den Seiten der Boxen werden Rutschen montiert.

Fuldatal. Friedhöfe sind Orte der Ruhe und Zufluchtstätten, um verstorbener Angehöriger zu gedenken. Für Kommunen wie die Gemeinde Fuldatal sind sie aber auch ganz profan Kostenfaktoren und Zuschussgeschäfte.

„Der Gebührenhaushalt des Bestattungswesens ist hochdefizitär“, sagt Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU). Und das seit Jahren. So forderten die Gemeindevertreter schon Ende 2011 Einsparungen.

Diese ergaben sich laut Schreiber bereits 2012 allein durch eine genauere interne Verrechnung der geleisteten Arbeiten auf den Friedhöfen durch Mitarbeiter des Baubetriebshofes. So verringerten sich die zugeordneten Personalkosten um 90 000 Euro auf 156 489,60 Euro.

Der weiterhin hohe Pflegeaufwand soll durch ein neues Konzept verringert werden. In einem ersten Schritt wurden laut Bürgermeister Grabstellen in schlechtem Zustand ermittelt - allein 100 zählte man auf dem Friedhof Ihringshausen. Die Hinterbliebenen forderte die Gemeinde auf, sich um die Gräber zu kümmern. Dies habe dazu geführt, dass zahlreiche Grabstätten aufgegeben, die Flächen eingeebnet und zu pflegeleichteren Rasenflächen wurden.

Auf eine sich verändernde Bestattungskultur reagierte die Gemeinde bereits, als sie 2006 Anlagen für Urnengemeinschaftsgräber anbot. Jetzt denke man darüber nach, Bäume auf den Friedhöfen zu pflanzen, unter denen sternförmig Urnengräber unter ebenerdigen Platten angeboten werden können. Diese Bestattungsform werde derzeit stark nachgefragt, sagt Heike Woltschinsky, im Rathaus für das Bestattungswesen zuständig.

Und einen weiteren Trend hat die Gemeinde ausgemacht: Urnenwände wie sie in südeuropäischen Ländern üblich sind. Platz und Kosten ließen sich damit sparen. Darüber werde mit Pfarrern und Bestattern derzeit diskutiert, sagt der Bürgermeister.

Um effektiver arbeiten zu können, soll in diesem Jahr ein neuer Großmäher angeschafft werden. Und auch der „reine Grabebagger, der vielleicht 20 Mal im Jahr eingesetzt wird“, soll laut Bürgermeister im kommenden Jahr durch einen Mini-Bagger ersetzt werden, der multifunktional einsetzbar ist.

Der Baubetriebshof verfügt bereits über Klein-Lkw mit Hydraulikhaken für Wechsel-Container. Letztere sollen die bisherigen Abfall-Boxen auf den Friedhöfen ersetzen und eine unkomplizierte Abfahrt per Klein-Lkw ermöglichen. Anders als derzeit mit personal- und maschinenintensivem Einsatz von Lkw, Anhänger und Bagger.

50 000 Euro und mehr an Sanierungskosten werden gespart, nachdem die Halle am alten Friedhof Simmershausen geschlossen wurde. Der Sandsteinbau ohne Fundament steht an einem Hang und weist durch sich setzenden Untergrund Risse im Mauerwerk auf.

All diese Veränderungen haben einen zählbaren Erfolg. Statt 229 101 Euro Defizit für 2013 kalkuliert die Gemeinde für dieses Jahr mit einem Minus beim Bestattungswesen von 156 166 Euro.

Hintergrund

Sieben Friedhöfe in sechs Ortsteilen

Die Gemeinde Fuldatal unterhält sieben Friedhöfe in sechs Ortsteilen. In Simmershausen gibt es mit dem alten Friedhof an der Karlstraße und dem neuen an der Bergstraße zwei. Im alten Friedhof finden nur noch Bestattungen in vorhandenen Familiengräbern oder bereits vor vielen Jahren verkauften Grabstätten statt.

Mit 24 824 Quadratmetern (die Größe von dreieinhalb Fußballfeldern) ist der Friedhof in Ihringshausen der größte und jener in Knickhagen der kleinste mit einer Fläche von 1631 Quadratmetern.

Über die Kosten und die Liegedauer für unterschiedliche Grabstätten informiert die Gemeinde im Internet auf:

www.fuldatal.de (mic)

Von Michael Schräer

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