Fritz Reuter (81) aus Elgershausen

Er versetzte Verkehrszeichen: Nun ist der Schilder-Mann ein Held

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Gefährliche Stelle: Hier an der Einmündung von der Großenritter auf die Altenritter Straße in Elgershausen ist vergangene Woche ein Rollstuhlfahrer auf die Straße gekippt, weil die beiden Verkehrsschilder den halben Gehweg blockierten. Fritz Reuter (81) schritt zur Tat und setzte die Verkehrszeichen kurzerhand um. Nun ist der Bürgersteig in voller Breite benutzbar.

Schauenburg. Große Aufregung um zwei Verkehrsschilder in Elgershausen: Vergangene Woche hatte Fritz Reuter (81) zwei Hinweisschilder vor seinem Haus, die den Bürgersteig an der Altenritter Straße blockierten, kurzerhand entfernt und an seinem Zaun befestigt. Seither erntet er Zustimmung und Unterstützung von vielen Menschen.

Von den Behörden allerdings gibt es unterschiedliche Aussagen, wer für die Schilder zuständig ist.

Kurzclip: Fritz Reuter

„Die Leute drücken mir die Hände, viele machen den Daumen hoch“, sagt der 81-Jährige. Dass sein Vorgehen nicht ganz legal war, das ist dem früheren Justizvollzugsbeamten durchaus bewusst. Aber er musste es einfach tun, berichtet er. „Das war eine Unfallstelle, ich habe Menschen das Leben gerettet“. Denn wegen der Verkehrszeichen, die halb in den ohnehin schmalen Bürgersteig ragten, musste man mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Fahrrad auf die viel befahrene Altenritter Straße ausweichen.

Rollstuhlfahrer umgekippt

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81-Jähriger hängte Verkehrschilder in Schauenburg um

Ein Vorfall in der vergangenen Woche war es denn auch, der den 81-Jährigen zum Handeln brachte. Ein Rollstuhlfahrer war an den Schildern hängen geblieben und auf die Straße gekippt. Fritz Reuter befreite ihn aus seiner misslichen Lage. Und nahm sich vor, nun selbst für Sicherheit zu sorgen. Denn trotz seines Hinweises an die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises vor einem Jahr war der Zustand nicht verändert worden.

Fritz Reuter bat einen Nachbarn um Unterstützung. Mit seiner professionellen Schlagbohrmaschine entfernten sie die beiden Pfosten aus dem Asphalt des Gehsteigs. Dann bohrte er zwei Löcher in den Betonsockel seines Gartenzauns und befestigte die beiden Schilder so, dass sie gut sichtbar sind, aber niemanden stören. „Gott sei Dank“, sagte ihm eine dankbare Nachbarin, „ich bin schon fünfmal mit dem Kopf vor das Schild gelaufen.“

Ob er fürchte, dass er wegen seines eigenmächtigen Handelns belangt werde? „Nein, ich habe keine Angst“, sagte Reuter. Er sei überzeugt, das Richtige getan zu haben.

Bei der Zuständigkeit für die Schilder schoben sich gestern die Kreisverwaltung und die Gemeinde gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Wir sind nicht zuständig, sagte Bürgermeisterin Ursula Gimmler (CDU) auf Anfrage. Da es sich um eine Kreisstraße und übergeordnete Schilder handele, sei der Kreis zuständig.

Mit Ergebnis zufrieden

Das wurde von der Kreisverwaltung umgehend zurückgewiesen. In Hessen seien Kommunen mit mehr als 7500 Einwohnern – also auch Schauenburg – als anordnende Verkehrsbehörde für die Beschilderung zuständig.

81-Jähriger setzte eigenmächtig Verkehrsschilder um

Dies sei ihr neu, sagte wiederum die Bürgermeisterin. Daher habe sie bisher auch nicht gehandelt. Sie habe die Straßenmeisterei in der Vergangenheit mehrfach gebeten, den Zustand zu verändern – ohne Erfolg. Mit dem Ergebnis jetzt sei sie durchaus zufrieden. Denn die Schilder hätten die Sicht der Autofahrer behindert. Allerdings könne es nicht sein, dass sich ein Anwohner an fremdem Eigentum vergreife. Außerdem habe er die Asphaltlöcher unsachgemäß verfüllt.

Ob auf Fritz Reuter nun eine Anzeige zukommt, ist offen. Wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr könne er vermutlich nicht belangt werden, höchstens wegen Sachbeschädigung, hieß es von Behördenseite.

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