Ort entwickelt sich von einem Klosterhof zum Stadtteil Frommershausen

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Dichte Bebauung: Inmitten der Wohnhäuser steht das Frommershäuser Gotteshaus mit seinem charakteristischen Turm und mittendrin das Gotteshaus. 

Vellmar. Die Suche nach der Herkunft von Ortsnamen gestaltet sich mitunter schwierig, weil diese teilweise sehr alt sind und sich ihre Schreibweise über Jahrhunderte stark verändert hat.

Darüber hinaus fehlen meist geeignete Archivalien, die einen entscheidenden Hinweis auf den Ursprung des Ortsnamens geben könnten. Anders ist das beim Vellmarer Stadtteil Frommershausen, dessen Ursprung in die Zeit vor rund 900 Jahren reicht.

Für die Namensgebung von Frommershausen fehlen zwar historische Belege, doch lässt sich die Bezeichnung recht plausibel erklären. Schon im 12. Jahrhundert errichteten fromme Menschen in der Region Klosterhöfe, die sie bewirtschafteten. So auch im heutigen Frommershausen.

Über die Jahrhunderte wechselten die Besitzverhältnisse, und nach der Reformation gingen die frommen Häuser, wie sie genannt wurden, in den Besitz des Hessischen Landgrafen über. Allmählich entstand ein Dorf mit sehr wenigen Einwohnern.

So berichtet die Dorfbeschreibung von 1746, dass es eine Kirche, ein Schulhaus und sieben Häuser mit Ziehbrunnen gab. Zu dieser Zeit wohnten dort 19 Männer, 20 Weiber, 20 Söhne, 18 Töchter sowie drei Knechte und drei Mägde. Also insgesamt 83 Einwohner. Etwas mehr als 100 Jahre früher verzeichnet das Hessische Mannschaftsregister, das Landgräfin Amelia Elisabeth1639 anfertigen ließ, elf Männer mit ihren Familien.

Geschützt: Beinahe gänzlich im Schatten einer riesigen Kastanie liegt die Frommershäuser Kirche. Ihr Ursprung reicht bis in romanische Zeit.

Die erste urkundliche Erwähnung war 1107, als der Edle Kunimund die Schenkung des Dorfes Fromershusun an die Abtei zu Hersfeld vollzog. Möglicherweise stammen auch Teile des vielleicht ältesten Vellmarer Gotteshauses aus dieser Zeit.

Belege dafür gibt es jedoch nicht, denn außer den Resten aus romanischer Zeit gibt es keine Anhaltspunkte, die es erlauben, den Zeitpunkt der Errichtung der Kirche auch nur annähernd zu bestimmen. Aktenkundig ist jedoch, dass bereits 1252 ein Pfarrer in Frommershausen lebte.

Im Gegensatz zu den meisten Kirchen in der Region, bei denen der Kirchturm auf der Westseite steht, verfügt das Frommershäuser Gotteshaus über einen besonders charakteristischen, aber regional untypischen Turm an der Nordseite, der 115 Zentimeter starke Mauern aufweist. Dies ist jedoch weniger als Beleg für eine Wehrkirche anzusehen, vielmehr sind es statische Gründe, die solch dicke Mauern erforderlich machten.

Es kann davon ausgegangen werden, dass die heutige Kirche aus einem Gebäude des Klosterhofes entstand und erst später erweitert und mit dem Turm versehen wurde. Diesen Schluss lassen die unterschiedlichen, noch heute deutlich zu erkennenden Mauersimse zu.

Geht man die steilen Stufen der Turmtreppe hinauf, kommt man in den Glockenstuhl. Hier befindet sich das Geläut. Die beiden Glocken aus den Jahren 1452 und 1902 wurden während des Ersten und Zweiten Weltkrieges für Rüstungszwecke eingeschmolzen.

Eine eiserne Ersatzglocke musste wegen des schlechten Klangbildes ausgemustert werden und steht heute vor dem Gotteshaus.

1965 erhielt die Gemeinde zwei neue Bronzeglocken, die die Einwohner der frommen Häuser bis heute zum Gottesdienst rufen.

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