Die Ernte im Landkreis geht in die heiße Phase

Hat alle Hände voll zu tun: Der Vellmarer Landwirt Bernd Kunze vor seinem Arbeitsgerät.

Kreis Kassel. Immer wieder weht der Wind die Spreu über das Feld, die der Mähdrescher aufwirbelt, wenn er mit bis zu 300 PS seine Furchen zieht. Die Ernte im Landkreis geht in die heiße Phase.

Um die 30 Grad zeigt das Thermometer an. Schwerstarbeit für Landwirt Bernd Kunze, der den gedroschenen Raps mit seinem Trecker aus dem rund sechs Tonnen fassenden Mähdrescher übernimmt und auf seinen Hof in Obervellmar transportiert. Die Zeit drängt, denn Gewitter sind angesagt. Dann wäre der nasse Raps wertlos.

Die Landwirte im Altkreis kämpfen zurzeit oft bis tief in die Nacht um ihre Ernte, die durch das frostige Frühjahr sowieso schon stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. „Die Gerste zum Beispiel ist schlecht wie selten“, sagt Bernd Kunze. Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, kennt die Probleme: „Die Frostschäden des Frühjahrs ziehen sich durch die ganze Ernte“, sagt er. Beim Weizen zum Beispiel seien rund 20 Prozent der Pflanzen pro Hektar kaputt. Von einer „unterdurchschnittlichen Ernte“ spricht auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Erich Schaumburg. Mit 20 Prozent Einbußen rechnet er bei der Wintergerste, mit etwa 15 Prozent beim Raps. „Die sonst üblichen Erträge werden in diesem Jahr nicht eingefahren“, prognostiziert er.

„Die Frostschäden des Frühjahrs ziehen sich durch die ganze Ernte.“

Wenn alles gut geht, könnte die Knochenarbeit der Landwirte bis etwa Mitte August abgeschlossen, die komplette Ernte eingefahren sein, rechnet Schaumburg vor. Bis dahin geht es Schlag auf Schlag. In der heißen Erntephase sind zurzeit Wintergerste und Winterraps, es folgen Winterweizen, Sommergerste und Sommerweizen.

Immerhin ein schwacher Trost für die Landwirte im Landkreis sind die nach oben geschossenen Getreidepreise. Denn wegen der extremen Dürre in den USA, den Frostschäden in Europa und Problemen auch in der Schwarzmeerregion liegt der Preis mit 270 Euro pro Tonne gut 30 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt, erläuterte dieser Tage der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Mühlen, Manfred Weizbauer. Aber, weiß der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Schulte-Ebbert: Die hohen Preise könnten die Verluste aus dem Frühjahr „nur bedingt“ auffangen. Wie sich die Erträge bei Sommerweizen und -gerste entwickeln, könne erst nach der Ernte gesagt werden. Das hänge auch vom Wetter ab.

Hintergrund

Im Landkreis Kassel werden knapp 54 000 Hektar landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet. Angebaut werden unter anderem rund 30 000 Hektar Getreide und 7000 Hektar Raps. Etwa 12 500 Hektar wurden als Grünland genutzt. Im Landkreis gibt es 1300 Landwirte, von denen 68 Prozent ihre Betriebe im Nebenerwerb führen. Der Kreisbauernverband Kassel ist einer von 20 des Hessischen Bauernverbandes, der insgesamt 28 000 Mitglieder hat. (swe)

www.deutschlands-bauern.de und www.kbv-kassel.de

Von Stefan Wewetzer

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